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Sonsbeck
Kulturabend dreht sich ganz um Heine

Sonsbeck. Auch die vierte Veranstaltung des im März gegründeten Vereins "Son'Kult" war ausverkauft. Von Liss Steeger

"Kultur kann Freude bereiten oder zum Nachdenken anregen, kann aufregend sein oder entspannend, anspruchsvoll oder einfach nur unterhaltsam, uns zum Lachen bringen oder Emotionen wecken. Kultur schafft Gemeinschaft," diesen hohen Anspruch erfüllte der noch junge Verein "Son'Kult" im Hotel Specht bei "Heine pur + on the rocks!". Der engagierte Vorsitzende Olaf Broekmans freute sich, dass auch die vierte Veranstaltung seit Vereinsgründung im März ausverkauft war. Heine lieferte ihm die Erklärung: "Das ist schön bei uns Deutschen: Keiner ist so verrückt, dass er nicht einen noch Verrückteren fände, der ihn versteht." Gastgeberin Paula Ten Elsen hatte den Spiegelsaal gemütlich hergerichtet. Zunächst erzählte der Historiker Dr. Michael Knieriem vom "Sonsbeck zur Zeit von Heine", also zwischen 1797 und 1856. Seinen kurzweiligen Vortrag leitete er mit einer Gemeinsamkeit ein: "Auch ich bin Düsseldorfer." Knieriem erklärte, dass Heine seit seinem 17. Lebensjahr Gedichte geschrieben hat, darunter auch das tieftraurige "Kevelaer". Zur Zeit Heines gab es nur Pferdefuhrwerke, kleinere Häuser, keine Bürgersteige oder Schaufenster. Sonsbeck hatte 1812 mit Hamb und Bönninghardt eine eigene Bürgermeisterei, 1977 Einwohner, darunter neun Juden, 238 Evangelische und der Rest war katholisch. Man ernährte sich von Schwarz- und Roggenbrot, Bier galt als gewöhnliches Getränk. Die Aussage "es gab 35 Spinner" führte zu allgemeinem Gelächter.

In einer lyrisch-musikalischen Soloperformance mit Gedichten, Texten und Liedern von Heinrich Heine unterhielt der TV-Darsteller und Schauspieler Matthias Fuhrmeister das Publikum. "Ich bin ein deutscher Dichter, bekannt im deutschen Land; Nennt man die besten Namen, so wird auch der meine genannt." Authentisch und ausdrucksstark schlüpfte er in die Rolle des Romanciers und interpretierte auf eine Art, als wären es seine eigenen Texte: Voller Klugheit und Trivialität, politisch engagiert und schwärmerisch liebend, unangepasst und widersprüchlich, mal fantasie- und humorvoll, mal böse und sarkastisch. Mal lag er mit Heine "auf der grünen Wiese des Glücks", dann war er "dämmersüchtig und sterbefaul". Fuhrmann sang "Ich weiß nicht was soll es bedeuten", spielte Gitarre und entführte das begeisterte Publikum in Heines Gedankenwelt. Auch bei den bekannten Gedichten "Ein Jüngling liebt ein Mädchen", "Das Fräulein stand am Meere" und "Denk ich an Deutschland in der Nacht, so bin ich um den Schlaf gebracht" legte er eine großartige Modulation in seine Stimme. Am Ende wurde es mit "Belsazar" aufregend dramatisch, denn "Die Mitternacht zog näher schon...". Es gab viel Beifall und Anerkennung auch vom Vorsitzenden: "Ich habe heute gemerkt, wie aktuell Heine ist."

Für nur einen Euro pro Monat kann man Mitglied werden. www.son-kult.de

Quelle: RP
 
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