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Xanten
Kundin beklagt gestiegenen Wasserpreis

Xanten: Kundin beklagt gestiegenen Wasserpreis
Anne Gesper aus Vynen mit dem Entschuldigungsschreiben der Stadtwerke Kalkar. Die Kundin hat mit der Rechnung erfahren, dass das Unternehmen die Preise angezogen hat. Vorab informiert wurde sie nicht. FOTO: Olaf Ostermann
Xanten. Die Stadtwerke Kalkar, die auch den Xantener Norden mit Wasser beliefern, haben die Preise erhöht. Allerdings wurden die Kunden nicht darüber informiert. Anne Gesper aus Vynen ist eine davon. Von Natalie Urbig und Julia Lörcks

Für Anne und Hermann-Josef Gesper hat die Wasserrechnung in diesem Jahr viele Fragen aufgeworfen: "Wir haben eine Nachzahlung bekommen", erzählt Anne Gesper, "dann haben wir gesehen, dass es eine Erhöhung beim Wasserpreis gegeben hat." Der setzt sich aus dem Grund- und Arbeitspreis zusammen. Besonders der gesteigerte Grundpreis von 60 auf rund 95 Euro pro Jahr löste großen Unmut aus. "Das sind rund 50 Prozent mehr", sagt Gesper.

Das Ehepaar Gesper wohnt in Vynen und wird damit nicht wie die Kommunen Alpen, Rheinberg, Sonsbeck und einzelne Teile des Stadtgebietes Xanten vom Kommunalen Wasserwerk (KWW) versorgt. Der Xantener Norden bezieht sein Wasser von den Stadtwerken Kalkar - eine gemeinsame Tochtergesellschaft der Stadt Kalkar und der Gelsenwasser AG. Diese Regelung habe mit der Infrastruktur zu tun, erklärt Harald Rodiek vom Dienstleistungsbetrieb in Xanten (DBX). Die Entfernung zwischen dem Kalkarer Werk und dem Stadtteil Vynen sei demnach kleiner. Und um die Anzahl von Keimen im Netz möglichst gering zu halten, sei man bemüht, die Strecken vom Einspeise- bis zum Endpunkt möglichst kurz zu halten.

"Wir haben unsere Preise zum 1. März angepasst, das letzte Mal ist das im Januar 2012 geschehen", bestätigt Heidrun Becker, Pressesprecherin von Gelsenwasser. Der Grundpreis bei den Stadtwerken Kalkar sei nun innerhalb von fünf Jahren von 5,35 Euro brutto im Monat auf 8,51 Euro gestiegen. Darin sind etwa die Erhaltung des Rohrnetzes, Personalkosten, die Aufbereitung des Wassers und der Zählerwechsel mit Eichung enthalten. Der Arbeitspreis richtet sich hingegen nach dem Wasserverbrauch der Nutzer. Er wurde von 1,66 auf 1,77 Euro pro 1000 Liter erhöht. Es sei berechnet worden, ob die Preise noch die Kosten decken. "Die Preise sind kartellrechtlich abgestimmt", sagt Becker.

Eine Preissteigerung sei zwar nicht schön, sagt Rechtsanwalt Michael Buser vom Eigentümerverband Haus & Grund in Moers, aber die Alarmsirenen würden bei ihm noch nicht klingeln. "Besonders, wenn man es auf den Zeitraum von fünf Jahren betrachtet", sagt er.

Anders als es etwa bei Gas- und Strom der Fall ist, kann in Deutschland der Wasseranbieter nicht frei gewählt werden - die Verbraucher sind an ihren Grundversorger gebunden. So sieht es die Verordnung über Allgemeine Bedingungen für die Versorgung mit Wasser (AVBWasserV) vor.

"Trotzdem darf der Wasserpreis natürlich nicht willkürlich erhöht werden", sagt Buser von Haus und Grund, "dafür gibt es gesetzliche Vorgaben." Skepsis sei zum Beispiel dann angebracht, wenn ständig und immer wieder die Preise eklatant erhöht würden. Er rät zum Vergleich. Man solle sich die Preise anderer kommunaler Anbieter ansehen: Nach dem Statistischen Landesamt lagen die verbrauchsabhängigen Kosten für Trinkwasser Anfang 2016 im NRW-Durchschnitt brutto bei 1,67 Euro pro Kubikmeter.

Da die Bedingungen für die Ver- und Entsorgung örtlich unterschiedlich sind, können sich in den einzelnen Gebieten noch einmal deutliche Preisdifferenzen ergeben. Der Grundpreis beim Kommunalen Wasserwerk (KWW) variiert je nach Zähler-Größe: Für einen Hauswasserzähler beträgt er 15,41 Euro brutto im Monat. Der Verbrauchspreis liegt mit 1,38 Euro brutto im Monat deutlich niedriger als bei den Stadtwerken Kalkar.

Das Ehepaar Gesper aus Vynen hat sich darüber geärgert, dass es erst durch die Jahresrechnung von der Erhöhung erfahren habe. Ein Schreiben der Stadtwerke Kalkar hat es vorab nicht gegeben, lediglich eine öffentliche Bekanntmachung in den Tageszeitungen "im Klever Bereich", wie Sprecherin Becker mitteilt - in einem Lokalteil, den die Anwohner im Xantener Norden nicht erhalten.

Dafür kam nun ein Entschuldigungsschreiben per Post. "Es tut uns leid, wenn Sie sich von uns unfair behandelt fühlen", schreibt Klaus Reumer von den Stadtwerken Kalkar. Dann zählt er mehrere Gründe auf, die die Preissteigerung rechtfertigen sollen. "Alles zusammen konnte nicht mehr durch Kostensenkungsmaßnahmen aufgefangen werden. Und da insbesondere Fixkosten betroffen sind, haben wir - in Abstimmung mit dem Kartellamt NRW - den Grundpreis angepasst."

Das Ehepaar Gesper freut sich über das Schreiben, noch mehr hätten sie sich allerdings über einen Rabatt gefreut.

Quelle: RP
 
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