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Xanten
Lauter Linien stiller Schönheit

Xanten: Lauter Linien stiller Schönheit
FOTO: Christoph Reichwein (crei)
Xanten. Das Museum DKM zeigt bis zum 18. April neue Arbeiten auf Papier der beiden Kunstprofessorinnen und Zeichnerinnen Katharina Hinsberg und Beate Terfloth. Die Gemeinschaftsausstellung trifft das Motto des Museums punktgenau. Von Peter Klucken

Es sind "nur" Zeichnungen, doch wer sie mit Muße betrachtet, dem fallen Worte wie "rein", "filigran" und "kostbar" ein. Das Motto des privaten Museums DKM in Duisburg heißt von Anfang an "Linien stiller Schönheit". Die Gemeinschaftsausstellung der beiden Künstlerinnen Katharina Hinsberg und Beate Terfloth trifft dieses Motto punktgenau. Katharina Hinsberg (Jahrgang 1967) und Beate Terfloth (Jahrgang 1958) zählen zu den renommiertesten Zeichnerinnen der Gegenwart. Beide Künstlerinnen haben eine Professur inne; Katharina Hinsberg an der Hochschule der Künste Saar, Beate Terfloth an der Universität Mozarteum in Salzburg. Beide Künstlerinnen arbeiten mit sparsamsten Mitteln, doch auf höchst unterschiedliche Weise.

Katharina Hinsberg, die bereits 2011 im Museum DKM ausstellte (eine raumfüllende Installation mit leuchtend orangefarbenen Papierstreifen), zeigt diesmal nahezu monochrome, weiße Arbeiten. Dabei benutzt sie kleine Messer und Scheren, mit denen sie unter einer Lupe winzige Pünktchen ins Papier einschneidet. Auf diese Weise formt sie in vielstündigen Arbeitsprozessen Strukturen. Der Betrachter ihrer Werke wird zum Spurensucher. Und wer genau hinschaut, entdeckt, dass die Löcher im Papier unterschiedlich wirken. Katharina Hinsberg gelingt dieser Effekt, in dem sie immer wieder die Papiere umdreht und die Löcher von der anderen Seite einschneidet. Ihre Technik, so erklärte die Künstlerin gestern, habe sie von der Freskenmalerei adaptiert.

Einen gelehrten lateinischen Titel trägt ihre einzige skulpturale Arbeit: Nulla dies sine linea (kein Tag ohne Linie). Die Künstlerin spielt damit auf eine vom römischen Gelehrten Plinius dem Älteren erzählte Geschichte an, bei der ein Künstler keinen Tag verstreichen lässt, ohne zumindest eine (perfekt gezeichnete) Linie zu hinterlassen. Katharina Hinsbergs Tagewerke sind 1000 aufeinandergestapelte Papiere, auf denen jeweils eine Linie gezeichnet ist. Das Werk ist zugleich ein wunderschönes Beispiel der konzeptuellen Malerei, die zum Lehrstoff der Professorin Hinsberg gehört. Das einzig farbige Werk der Künstlerin ist in dieser Ausstellung eine ungemein filigrane, rot-weiße Wandarbeit, die aus der Distanz flirrend und dreidimensional wirkt, von nahem aber ruhig und zweidimensional: ein faszinierendes Seh-Erlebnis!

Die in Duisburg gezeigten Pinselzeichnungen, Bücher und Leporellos von Beate Terfloth sind vor eineinhalb Jahren während eines zweimonatigen Aufenthaltes in Beijing entstanden. Die Künstlerin fühlt sich persönlich dem chinesischen Kulturkreis nahe: Sie wurde in Hong Kong geboren, wo ihre Eltern längere Zeit lebten. Zwar zog Beate Terfloth schon als Kind von dort nach Deutschland, doch liebt sie beispielsweise die Auseinandersetzung mit der chinesischen Literatenmalerei. Ihre mit Pinsel und Chinatusche auf kostbare Papiere gezeichnete Linien sind gleichsam sichtbar gemachte Meditationen. Einen eigenen Stellenwert haben neben den Wandarbeiten die Kunstbücher und Leporellos, bei denen die Tuschelinien auf dem transparenten Papier wellenförmig werden. Der Betrachter dieser Bücher hat den Eindruck, mit den Augen eine Reise durch eine Hügellandschaft zu unternehmen. In einem abgedunkelten Raum des Museums, kann man per Video sehen, wie die Künstlerin ruhig durch ihre von chinesischen Meistern gebundenen Kunstbücher von Seite zu Seite blättert. Einfach schön.

(Ausstellung bis 17. April.)

Quelle: RP
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