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Xanten
Leader: So langsam kann es losgehen

Xanten: Leader: So langsam kann es losgehen
Die Beschlüsse fielen einstimmig, die Gespräche waren angeregt. Doch bürokratische Vorgaben lähmen das Leader-Projekt. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Vor zehn Monaten haben Xanten, Rheinberg, Alpen und Sonsbeck einen Verein gegründet, der das Projekt Leader umsetzen soll. Dabei sollen EU-Fördergelder ländliche Regionen unterstützen. Bisher wurde kein Projekt umgesetzt. Von Erwin Kohl

Leader ist ein Förderprogramm der Europäischen Union zur Entwicklung ländlicher Regionen. Als Kind Brüssels ist es mit allerlei bürokratischen Finessen und Hürden ausgestattet. "Der bürokratische Aufwand ist insgesamt sehr viel größer geworden", stellte unlängst Wesels Bürgermeisterin Ulrike Westkamp fest. Das mussten auch die Mitglieder der LAG Niederrhein erfahren. Vor zehn Monaten wurde der Verein gegründet, der den Leader-Prozess in Alpen, Sonsbeck, Rheinberg und Xanten voranbringen soll. Doch bislang konnte noch kein Projekt auf den Weg gebracht werden. Nicht einmal eine Internetseite informiert über die gemeinsame Arbeit der vier Kommunen. Stattdessen musste man einen ersten Rückschlag hinnehmen.

"Das Finanzamt hat die Gemeinnützigkeit des Vereins nicht anerkannt, weil die Förderung des ländlichen Raumes nicht von gemeinnützigem Interesse sei", berichtete am Dienstag der Vorsitzende der LAG Niederrhein, Leo Giesbers, im Rahmen der ersten Mitgliederversammlung im Ratssaal der Stadt Xanten. Nach dieser Entscheidung darf die LAG Niederrhein keine Spendenquittungen ausstellen. Das betrifft vor allem gemeinnützige Vereine und deren Projekte. Um dieses Manko wenigstens teilweise zu kompensieren, werden diese Vereine nach einem einstimmigen Beschluss der 34 anwesenden Stimmberechtigten beitragsfrei gestellt.

Insgesamt sind mittlerweile 120 Projektvorschläge in der Sonsbecker Geschäftsstelle eingegangen. Die Höhe der Förderquoten ist in der Regionalen Entwicklungsstrategie (RES) festgelegt. Mit dem Höchstsatz von 65 Prozent werden Projekte bezuschusst, die sich in privater Trägerschaft befinden und mindestens zwei Kommunen betreffen, eine 55-prozentige-Unterstützung bekommen kommunale Projekte, die ebenfalls mindestens zwei Kommunen einschließen. Geht ein Projekt nicht über die Stadtmauer hinaus, wird es mit 50 Prozent gefördert.

Bei der Wahl der zu fördernden Projekte gibt es verschiedene Kriterien. Dazu zählt eine Prioritätenliste der Handlungsfelder. Die besten Karten haben demnach Projekte, die generationsübergreifend ausgerichtet sind, vor der Freizeit- und Tourismusförderung, der Ortskern- und Wirtschaftsentwicklung. Darüber hinaus soll künftig das Interesse der Bevölkerung einfließen. Abgefragt werden könnte das zum Beispiel über die künftige Website des Vereins oder das soziale Netzwerk. Dann heißt es: Daumen hoch für das Generationen-Café.

Geschäftsstellenleiterin Kristin Hendriksen stellte den Mitgliedern einige der bislang eingereichten Ideen vor. Dazu zählte die Anlage von Streuobstwiesen und Lehrpfaden oder der Aufbau eines Knotenpunktsystems für Radwege nach niederländischem Vorbild. Für Diskussionen sorgte das eingereichte Projekt "Integration von Flüchtlingen". Zu den Kernpunkten dieses Projektes zählen unter anderem ein kommunaler Bildungskoordinator, ein Job-Scout und eine Veranstaltungsreihe, in der interkulturelle Kompetenz für alle im Vordergrund steht. "Damit versuchen wir, als Leader-Region Dinge auszugleichen, die von der Landesregierung nicht ausreichend unterstützt werden", lautete ein Einwand. Dazu sagte Geschäftsstellen-Mitarbeiterin Beate Pauls: "Wir müssen im Auge behalten, was die Region langfristig nach vorne bringt, und da können wir Integration nicht außen vor lassen."

Welche Vorteile das Leader-Programm schon heute bietet, machte Anneliese Hawix deutlich. Mit ihrer Hoffleischerei hat sich die Familie Hawix dem Projekt "Feines vom Land" der Leader-Region Lippe-Issel-Niederrhein angeschlossen und ist begeistert. "Das wir unseren kleinen Betrieb bei der Grünen Woche in Berlin präsentieren konnten, hätten wir alleine nie hinbekommen."

Quelle: RP
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