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Xanten
Lebendige Gemeinde - eine ewige Baustelle

Xanten. Die katholischen Kirchengemeinden entwickeln Konzepte für ihre Zukunft. In Xanten zum Beispiel hat der Prozess zwei Jahre angedauert. Jetzt ist der lokale Pastoralplan mit einer Bestandsaufnahme und vielen Ideen fertig - vorläufig jedenfalls. Von Heinz Kühnen

Die Kirchen werden leerer, es gibt immer weniger Priester, die Gemeindemitglieder werden älter. Das Gesicht von Kirche ändert sich. Ein Prozess, der auch in den nächsten Jahren anhalten wird. Das Bistum Münster reagiert darauf mit Zusammenlegen von Gemeinden und hat sich selbst einen Pastoralplan gegeben, in dem es sich für die Zukunft positioniert. Auch die Gemeinden sind gefragt. Lokaler Pastoralplan lautet das Stichwort. Beispiel Xanten: Hier hat die Viktor-Gemeinde mehr als zwei Jahre lang daran gearbeitet. Herausgekommen ist ein 40 Seiten umfassendes DIN-A4-Papier, das der Pfarreirat jetzt nach Münster schickt, wo es begutachtet wird.

Zwei Jahre Arbeit, das ist eine lange Zeit. Propst Klaus Wittke wiegt den Kopf: "Wir haben sieben Gemeinden mit unterschiedlichen Prägungen, die sich alle wiederfinden müssen." Schließlich gehe es darum, Strukturen nicht zu zerstören, sie andererseits aber auch weiterzuentwickeln und neue zu entwickeln. Deshalb wurden Statistiken ausgewertet, um zu wissen, wie die Bevölkerung in den einzelnen Ortsteilen aussieht. Da wurden Gottesdienstbesucher ebenso befragt wie andere Bürger der Stadt. Und da wurden letztendlich Leitsätze aufgestellt, an denen sie sich orientieren wollen. Kein starres Korsett: Kirchliches Leben müsse immer eine Baustelle bleiben, damit Kirche lebendig bleibt, sagen die Pastoralreferent Lars Lindemann und Jochem Int-Veen vom Pfarreirat.

Baustelle Kirche vor Ort Wichtig sei aber vor allem, Kirche da zu stärken, wo die Menschen sind. In regelmäßigen Treffen in den Altersheimen zum Beispiel oder mit der Elternarbeit in den Kindergärten. "Wir dürfen nicht warten, bis die Menschen zu uns kommen, sonst haben wir verloren", sagt Propst Wittke.

Baustelle Ehrenamt Dafür müsse allerdings das Ehrenamt gestärkt werden, da, wo es schon in den vereinen und Verbänden lebendig ist. Lindemann nennt da zum Beispiel die Caritas, die hervorragende Arbeit leiste, aber auch enger vernetzt werden könne, und für deren Mitarbeiter Fortbildungen am Ort möglich gemacht werden müssten. "Wir können doch nicht regelmäßig nach Bad Bentheim fahren." Ehrenamt müsse aber auch projektorientiert möglich sein, um immer wieder andere Gemeindemitglieder zu begeistern, die sich auf ein dauerhaftes Engagement nicht einlassen wollen oder können. Ein gutes Beispiel, wie sich plötzlich ein wunderschönes Zusammenspiel entwickeln kann, sei die lebendige Krippe in Birten. Nach der Schließung der dortigen Schule habe sich der Gemeindeausschuss die Frage gestellt, ob der Brauch des Christbaumschmückens durch die Grundschüler so erhalten bleiben könnte, erklärt Lindemann. "An den Adventswochenenden hat der Gemeindeausschuss schließlich mit einer stetig wachsenden Gemeinschaft Gottesdienste an dieser Krippe gefeiert. Und alle waren begeistert."

Baustelle Umdenken Solche Fortentwicklungen, so Jochem Int-Veen, erforderten allerdings auch in anderen Bereichen ein Umdenken. In Zukunft werde man von den Gläubigen erwarten müssen, dass sie "in ihrem Verhalten beweglicher werden", wie Wittke es ausdrückt. Lindemann ergänzt: "Nur weil es ein Angebot schon lange gibt, muss es nicht bestehen bleiben, wenn es keine Nachfrage mehr gibt oder niemanden, der sich darum kümmern kann." Statt zum Beispiel in allen Gemeinden einzeln sonntags Familiengottesdienste anzubieten, in denen gerade einmal zwei Kinder anwesend sind, könnte diese Art der Messen auch mit mehreren Gemeindebezirken gemeinsam gefeiert werden. Oder: In Lüttingen gebe es inzwischen eine engere Verzahnung von Gemeindeausschuss und Schule, und in Marienbaum und Xanten solle nun die Wallfahrt gestärkt werden. Wittke: "Wir wollen die angestammten Gruppen halten, müssen aber auch frische Angebote für jungere Leute ins Leben rufen."

Baustelle Kommunikation Wichtig dabei: "Wir müssen Helfer auch unter denen suchen, die nicht jeden Sonntag in die Kirche kommen", sagt der Dompropst. "Diese Menschen sind doch nicht auf einmal ungläubig und können hier und da doch Kirche mitgestalten." Mehr Kommunikation ist ein zentrales Thema für die Zukunft - sowohl zwischen den unterschiedlichen Gemeinden der Pfarrei, als auch mit anderen Organisationen, die außerhalb der Kirche stehen. So soll es unter anderem einen Runden Tisch geben, an dem darüber gesprochen wird, wo und wie sich Kirche in Xanten und den Ortschaften einbringen kann.

Allerdings: Alle Helfer hätten für ihren Einsatz auch ein Lob verdient. Im nächsten Jahr wird es deshalb erstmals einen eigenen Dankeschöntag geben.

Wenn der Plan ankommt, gibt's eine Baustelle weniger - erstmal jedenfalls. Bis zu einer noch besseren Idee.

Quelle: RP
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