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Xanten
Lüttinger Knabe versetzt

Xanten: Lüttinger Knabe versetzt
Freuen sich über den neuen "Knaben-Platz": den Everhard Mingels vom NAVX und die Leiterin des Römermuseums, Dr. Charlotte Schreiter. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die Nachbildung hat einen neuen Platz im Foyer des Rathauses gefunden. Von Erwin Kohl

Als Lüttinger Fischer am 16. Februar 1858 bei Stromkilometer 824 den zentnerschweren Jüngling aus dem Rhein zogen, konnten sie nicht ahnen, dass es sich bei dem "Fang" um die bedeutendste antike Bronzefigur nördlich der Alpen handelt. Acht Monate später wanderte der Fund in ein Berliner Museum, die Xantener erhielten dafür etwa 50 Jahre später einen vom Original angefertigten Gipsabdruck.

Dieses Ebenbild befand sich viele Jahrzehnte im damaligen Museum Klever Tor. Im Jahre 2010 hat der Niederrheinische Altertumsverein Xanten das Exponat der Stadt als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt. Die postierte den Lüttinger Knaben in eine Nische neben der Drehtür im Eingangsbereich, was ihm allerdings nicht sehr gut bekam.

"Der hatte schon ziemlich viele Macken, ich bin dem Altertumsverein dankbar dafür, dass er eine Restaurierung in Angriff genommen hat" berichtete Bürgermeister Thomas Görtz, dessen Dank auch an die Dombauhütte ging, die dem Mainzer Restaurator Janos Neumann ihre Räumlichkeiten für die vier Tage dauernden Arbeiten überlassen hat.

Gestern wurde der Knabe in neuem Glanz an einem neuen Ort aufgestellt. "Das Original steht in Berlin an exponierter Stelle direkt gegenüber der Nofretete, da wollten wir unseren Lüttinger Knaben natürlich auch an einen besonderen Ort stellen", so Görtz. Dieser besondere Ort ist das frisch renovierte Foyer des Eingangsbereiches - direkt an der Treppe. "In diesem Durchgangsbereich sieht ihn jeder, der eine Ausstellung besucht, zur Ratssitzung geht oder in meine Bürgersprechstunde möchte", begründete Görtz die Standortwahl. Einen Symbolcharakter sieht der Verwaltungschef in der nackten Figur nur scherzhaft: "Der Knabe zeigt allen, dass es bei uns nichts zu holen gibt."

Übrigens: Wem der Lüttinger Knabe so gut gefällt, dass er ihn am liebsten im heimischen Wohnzimmer sähe, kann geholfen werden. "Die Gipsformerei des staatlichen Museums in Berlin hat noch die Urform.

Wer möchte, kann sich dort ein Duplikat unseres Knaben bestellen. Der heißt dort allerdings Xantener Knabe, weil in Berlin niemand etwas mit der Bezeichnung Lüttingen anfangen kann", erläuterte Dr. Charlotte Schreiter, Leiterin des Römermuseums. Ein preiswertes Vergnügen ist das aber nicht; rund 15 000 Euro müssen Liebhaber antiker Kunst für die Knaben-Kopie hinblättern.

Ganz so tief musste Werner van Hüth jedenfalls nicht in die Tasche greifen. "Dank der Unterstützung der Dombauhütte beliefen sich die Kosten mit An- und Abtransport auf etwa 500 Euro", berichtet der Schatzmeister des Niederrheinischen Altertumsvereins (NAVX) gestern.

Quelle: RP
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