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Xanten
LVR gegen "Tag der Begegnung" in Xanten

Xanten: LVR gegen "Tag der Begegnung" in Xanten
Die Auftritte von Guildo Horn gehörten stets zum Höhepunkt beim Tag der Begegnung in Xanten. Der "Meister" und seine Strümpfe sind Stammgäste bei den Veranstaltungen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Das Konzept des Landschaftsverbands Rheinland für die Sitzung des Landschaftsausschusses sieht vor, den APX nicht mehr für die integrative Veranstaltung zu nutzen. Bürgermeister Thomas Görtz findet das Vorgehen sehr seltsam. Von Heinz Kühnen

Der "Tag der Begegnung" soll nicht mehr in Xanten stattfinden. Dies sieht ein Konzept des Landschaftsverbandes Rheinland vor, das der Rheinischen Post vorliegt. Das 13-seitige Papier wird am Dienstag, 24. Mai, politisch in der Sitzung des Landschaftsausschusses beraten.

Für das Fest der Begegnung hatten sich die zuständigen LVR-Stellen eigens eine einjährige Denkpause genommen (wir berichteten). Nach 20 Jahren sollte geklärt werden, ob und wie die Veranstaltung weitergeführt werden solle, hieß es zur Begründung. Und zuletzt hatte sich auch Bürgermeister Thomas Görtz für eine Rückkehr des Festes an den Niederrhein stark gemacht. Das Ergebnis dürfte Xantens Stadtoberhaupt weniger gefallen: Europas größtes Familienfest für Menschen mit und ohne Behinderungen wird es auch zukünftig geben. Alle zwei Jahre - und in einem großen Rahmen - mit einem Haushaltsansatz von 400.000 Euro. In den Jahren dazwischen soll es für das insgesamt gleiche Geld mehrere regionale Events geben - unter anderem auch in Xanten.

Der Archäologische Park hat für den "Tag der Begegnung" aber ausgedient. Zwar sei er einschließlich seines Raums für zusätzliche Bühnen, Stände und Aktionsflächen für kulturelle Angebote hervorragend geeignet, heißt es in der Vorlage von LVR-Direktorin Ulrike Lubek. In die anderen Bewertungsraster passe der APX aber nicht: Für anvisierte 50.000 Gäste sei das Gelände zu klein, umfangreiche Sicherheitseinrichtungen wie ein "Schutzgebäude" seien nicht vorhanden, und Xanten liege nicht "zentral" genug. Gefordert ist nämlich "ein Ort mit möglichst vielen Menschen im Umfeld, eine gute Erreichbarkeit mit Bus und Bahn beziehungsweise Privat-Pkw sowie die Chance auf ein Laufpublikum, "um mit dem Großevent auch Menschen erreichen zu können, die bisher noch keine Berührung mit Inklusion hatten".

In Xanten ließe sich die Botschaft "Inklusion" weniger gut vermitteln. Die Erfahrung zeige, dass nur wenige Menschen erreicht werden, die nicht ohnehin schon einen Bezug zur Inklusion haben und eigens für den Familientag nach Xanten kommen.

Angesichts dieser Anforderungen ist auch ein ständig wechselnder Austragungsort, wie er einmal angedacht war, ausgeschlossen. Genauer gesagt: Im Verbandsgebiet sieht der LVR nach eigenen Angaben nur zweieinhalb Areale, die diesen Anforderungen genügen. Da ist zum einen der Rheinpark vor der Haustür des Landschaftsverbandes in Köln. Dort fanden bereits die bislang letzten drei Feste dieser Art statt. Und dort soll es 2017 auch weitergehen. Zum anderen soll es (im Jahr 2019) auf das CHIO-Reiterfest-Gelände nach Aachen geben. In die engere Auswahl kommt dann noch der Gruga-Park in Essen, wo der "Tag der Begegnung" aus Anlass des Kulturhauptstadtjahres 2010 zu Gast war. Allerdings hapere es da noch im "Innenraum" mit der Barrierefreiheit.

Auch inhaltlich soll sich etwas tun: Um auch die "breite Öffentlichkeit" anzulocken, sollen als "Zugpferde" beliebte behinderte und nicht behinderte Künstler gewonnen werden. Es müsse mehr Mitmachangebote geben (unter anderem im Sinne eines inklusiven Parcours). Dann soll es Rückzugsräume geben, die Anreize geben, dass sich alle Gäste spontan austauschen und kreativ werden können.

Xanten könnte dann noch in den Zwischenjahren zum Zuge kommen. In Regionalisierungskampagnen will sich der LVR an bestehende Aktionen anhängen: "Dahin gehen, wo die Menschen sind", lautet der Slogan. Und Kooperationen sind gefragt: Das Fan-Projekt des 1. FC Köln oder Präsentationen der LVR-Aktion "Karneval für alle" hätten sich auch übers Jahr als fruchtbar erwiesen, heißt es. Wo es in Xanten genau hingehen wird, soll in enger Absprache mit den LVR-Mitarbeitern vor Ort, der Politik und der Verwaltung abgestimmt werden.

Das wiederum findet Bürgermeister Görtz dann doch sehr seltsam. "Mit keinem Verantwortlichen in Xanten ist zuvor ein einziges Wort über den ,Tag der Begegnung' geredet worden." Das sei, "vorsichtig gesagt", doch schon etwas seltsam. Desgleichen dass die Vorlage nun ohne Vorberatung in den politischen Gremien eingebracht und sofort zur Abstimmung gebracht werden soll. "Vielleicht sollten unsere Vertreter in der Versammlung da noch mal genau hinsehen", sagt Görtz, der gerade noch Vertreter des LVR nach Xanten eingeladen hatte. "Dass diese Veranstaltung für die nächsten Jahre sang- und klanglos aus Xanten verschwinden soll, ist jedenfalls völlig indiskutabel." Hier verfüge der LVR über ein eigenes Gelände, das mit großem Aufwand barrierefrei gestaltet worden ist.

Quelle: RP
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