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Sonsbeck
Margret Schiffer hält das Korbmacher-Handwerk lebendig

Sonsbeck. Perfekt sehen die Weidenkörbe aus, die die Sonsbecker Korbmacher-Meisterin Margret Schiffer als Anschauungsobjekte für ihre VHS-Kursteilnehmer mitgebracht hat. Die kleine Galerie mit Einkaufs- und Brotkörben macht etwas her, ist Ansporn für die Anfängergruppe zugleich, und der Rheinberger Treffpunkt im "Haus der Generationen" ideal. Von Sabine Hannemann

Zu den Kursinhalten zählen verschiedene Flechttechniken, um einen Boden, die Seitenwand mit Kimme, Gang oder Schicht und Zuschlagrand herzustellen. Im letzten Produktionsschritten werden Griffe oder Henkel an die jeweiligen Objekte angebracht. Bei Teilnehmerin Helga Delaporte soll der fertige Brotkorb bereits am nächsten Tag auf dem Tisch stehen. "Das ist schon eine Herausforderung und geht richtig in die Hände. Für das Flechten braucht man Fingerspitzengefühl", sagt sie. Die Motivation in der Gruppe ist gleich: handwerklich etwas Neues ausprobieren und mit etwas Eigenem nach Hause gehen. Das ruft nach Respekt und ist in jedem Fall mehr als das Jodeldiplom im Loriot-Sketch. "Einfach mal reinschnuppern", heißt das Motto von Jörg und Barbara Scheel. Beide nehmen an Mittelalter-Märkten teil, auf denen das "Selbermachen" von Gegenständen einen hohen Stellenwert hat. "Das eigene Körbchen ist unser Ziel", freut sich augenzwinkernd das Ehepaar. Margret Schiffer ist in ihrem Element. Sie hat die gut biegsamen Weiden aus der Region mitgebracht. Mit ihren Anleitungen geht es in einem ersten Schritt darum, den Korbboden zu flechten, danach ist das Seitenteil dran. Ein wenig kniffelig scheint diese Aufgabe, denn für das Umbiegen der Ruten ist ein präzise gesetzter Schnitt mit dem Messer nötig. "Ich gehe mit dem Messerspitze in die Weide und drehe", erklärt die Budbergerin Gisela Sper die Technik ihrer Nachbarin Karin Jochums aus Moers.

Klappt es bei den störrischen Weiden oder aus Unerfahrenheit nicht auf Anhieb, zieht Margret Schiffer einfach die Weide raus, spitzt sie erneut an und setzt sie wieder an entsprechender Stelle ein. "Wir haben eine lustige Truppe zusammen. Die hat viel positive Energie", stellt die Korbmacher-Meisterin aus Sonsbeck in ihrem Rheinberger VHS-Kurs fest. Dabei legt sie Wert auf traditionelle Muster, auf runde oder ovale Korbformen. Körbe gehörten früher als Gebrauchsgegenstand in jeden Haushalt, wie eben auch ein Kartoffelkorb. Zur Flechttechnik lautet die Anweisung einfach nur "vor drei, hinter eins", die jeder der Kursteilnehmer bereits umzusetzen weiß. Die einzelnen Ruten, die im Boden entsprechend verankert sind, werden anschließend mit einem Ring in Form gehalten, damit das eigentliche Flechten problemloser von der Hand gehen kann. Vom einfachen Flechtmuster wird es bei weiteren Kursangeboten zu aufwändigeren Techniken gehen, so der Plan von Margret Schiffer mit Blick auf Zick-Zack-Muster oder das Würfelgeflecht, das früher bei Reisetruhen zu sehen war. Auch der viereckige Einkaufskorb bleibt ebenfalls noch Zukunftsmusik für die kreative Gruppe. "Für solchen Korb brauchen wir mehr Zeit", sagt Margret Schiffer, die das traditionsreiche Handwerk gerade auf der Grünen Woche in Berlin demonstriert hat. "18 Aussteller aus NRW wurden ausgewählt, um auf der Bühne altes Handwerk zu zeigen", sagt sie. Auch bei anderen Ausstellungen, zum Beispiel im Haus Riswick, ist sie vertreten und lädt zu Workshops ein.

Am Mittwoch, 24. Februar, 18 bis 20.15 Uhr, dreht sich in der Xantener Hauptschule alles um dekorative Gartenaccessoires aus Weiden. Infos unter www.vhs-rheinberg.de

Quelle: RP
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