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Xanten
Menschen mit Handicap in APX-Werft

Xanten: Menschen mit Handicap in APX-Werft
In der römischen Werft neben dem Römermuseum: Milena Karabaic, Praktikant Stefan Achterberg (rechts), der Modellbauer im Team und Kees Sars. FOTO: arfi
Xanten. Beim Nachbau der römischen Schiffe in Xanten spielt die Integration von jungen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen eine zentrale Rolle. Am Ende steht das Ziel, die jungen Menschen betrieblich auszubilden. Von Peter Kummer

Der Archäologische Park Xanten (APX) baut weiter an seiner einzigartigen Stellung in der Museumswelt. Nachdem hier bereits im vergangenen Jahr der Lastenkahn Nehalennia nach römischen Vorgaben gebaut und auf der Lippe erfolgreich zu Wasser gelassen wurde, stehen nun im öffentlich zugänglichen Zelt neben dem Römermuseum zwei weitere Modellbauten kurz vor dem Abschluss: Philemon und Baucis. Später sollen weitere Boote, die vor 2000 Jahren den Rhein befuhren, die Flotte ergänzen, so dass am Ende ein großer Ausstellungsbereich über Transporte und Verkehr auf dem Rhein mit sechs verschiedenen Typen entstanden sein wird. Es sei ein Projekt mit Signalwirkung und ein in Europa einmaliges Vorhaben, betonte gestern Milena Karabaic, die Kulturdezernentin des Landschaftsverbands Rheinland, Träger des APX.

Eine weitere Besonderheit beim Bau der Boote ist die Integration von jungen Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen. In einem Langzeitpraktikum lernen sie vordergründig die Grundlagen der Holzverarbeitung kennen. Aber es geht um mehr: "Im Kampf um die ohnehin knappen Ausbildungsplätze haben die Jugendlichen ein zusätzliches Handicap und müssen mitunter auch gegen Vorurteile ankämpfen", sagte Prof. Dr. Angela Faber, die Dezernentin für Schulen und Integration beim Landschaftsverband Rheinland. "Mit diesem Projekt eröffnen wir jungen Menschen mit Behinderung eine Chance auf ihren Traumjob." Am Ende stehe das Ziel, die jungen Menschen betrieblich auszubilden.

Die Namen der beiden derzeit auf Kiel gelegten Boote, Philemon und Baucis, gehen zurück auf die antike Sage um dieses Ehepaar. Als einzige Menschen in der Stadt gewährte es dem verkleideten Göttervater Zeus beziehungsweise Jupiter Gastfreundschaft in ihrem bescheidenen Heim. Zum Dank dafür ging unter anderem der Wunsch in Erfüllung, sich nie trennen zu müssen, sondern gemeinsam sterben zu können. Am Ende ihres Lebens verwandelten sich beide in zwei Bäume, deren Äste sich eng umschlungen hielten.

Die Einbäume werden unter wissenschaftlicher Anleitung fast ausschließlich in Handarbeit gefertigt. Mit der Rekonstruktion wollen die Wissenschaftler die ausgeklügelte Bautechnik der Römer für die Versorgung des Niederrheins entschlüsseln und auch für die Öffentlichkeit greifbar machen. Während einst Menschen den zehn Meter langen Einbaum Philemon auf dem Rhein lenkten, zogen sie den wesentlich kleineren Kahn Baucis hinter sich her und füllten ihn mit dem gerade frisch gefangenen Fisch.

Quelle: RP
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