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Xanten
Mit Großpumpen gegen den Wasserstau

Xanten: Straßen nach Unwetter überschwemmt
Xanten: Straßen nach Unwetter überschwemmt FOTO: Fischer, Armin
Xanten. In Sonsbeck fließt das Wasser nicht ab. In Xanten ist das Umspannwerk weiter überflutet, der Strom könnte ausfallen. Von Heinz Kühnen

Die Feuerwehr, das Technische Hilfswerk, der Dienstleistungsbetrieb und die Lineg waren auch in der Nacht zum Freitag lange im Hochwassereinsatz. Zum einen galt es, das bedrohte Umspannwerk zu sichern, zum anderen das Problem des zugelaufenen Kanalnetzes zu mildern. Bis spät in die Nacht hinein arbeiteten die Kräfte nochmals, lobt Bürgermeister Thomas Görtz die letztlich erfolgreichen Helfer.

Die Lage des Umspannwerks am "Maulbeerkamp-Kreisel" im Gewerbegebiet hat offensichtlich seine Tücken. Die Xantenische Ley war nach dem Dauerregen von Mittwoch auf Donnerstag über die Ufer getreten. Das Wasser war in die Westnetz-Anlage gelaufen. Bei einem Ausfall des Werks wären weite Teile Xantens ohne Strom gewesen. Das Wasser musste aus dem Gelände gepumpt werden. Allerdings war das Kanalnetz rund um die Sonsbecker Straße randvoll. An der Bahnhofstraße pumpten das Technische Hilfswerk und die Feuerwehr das Wasser hinüber ins andere Netz. Von dort führt der Weg zur Kläranlage in Lüttingen, wo die Lineg mit einer weiteren Pumpe für den Transport in den Rheinstrom sorgte - auch eben das Wasser aus der der Umspannwerk-Mulde. "Die Helfer haben da ganze Arbeit geleistet", erklärte gestern Werner Mattheis, Leiter Netzbetrieb der Westnetz GmbH am Standort Wesel.

Sorgen bereitet Xantens Bürgermeister Görtz allerdings die Lage mancher vom Hochwasser betroffenen Familien. "Wer keine teure Elementarversicherung abgeschlossen hat, steht schlecht da", weiß das Stadtoberhaupt spätestens nach den ersten Anrufen um Hilfe bittender Anlieger, deren Keller unter Wasser stand. "Im Stich lassen werden wir sie nicht", sagte Görtz. Er wird sich nun mit der Verwaltung und der Politik ins Benehmen setzen. "Vermutlich muss ein Dringlichkeitsbeschluss her", nimmt Görtz an. Er wolle die Betroffenen nicht im Stich lassen. "Mit einem Füllhorn können wir allerdings nicht dienen", sagte er gestern.

In Xanten wurde die Feuerwehr gestern nur noch vereinzelt in Haushalte gerufen, um Wasser aus Kellern zu Pumpen, sagte Stadtbrandinspektor Markus Windhuis. Trotzdem war sie noch im Einsatz, vor allem, um Wasser aus den überlasteten Kanälen zu pumpen.

Dramatischer war die Lage in Sonsbeck. Die Ley führt so viel Wasser quer durch die Gemeinde, wie es selbst "alte Sonsbecker" so noch nicht erlebt haben, sagt Bürgermeister Heiko Schmidt. Auch der Grundwasserstand ist enorm hoch. Das hat Folgen: Die Feuerwehr kriegt das Wasser nicht aus den Häusern. Es fließt ständig nach. Auch alle Um- und Ableitungsversuche schlugen zunächst fehl. Betroffen sind vor allem die Straßen um den Kiwitt-, Tauben- und Meisenweg. Das Kanalnetz ist überlastet. "Solange das Wasser nicht von allein abfließt, hilft in den Häusern nur ein Dauerbetrieb der Pumpen", erläutert Schmidt.

Hilfe kam gestern vom THW aus Dinslaken. Die 15-köpfige Fachgruppe Wasserschaden / Pumpen, die gemeinsam mit zwei Kollegen aus Wesel (sie sorgen für Strom) seit der Nacht zum Donnerstag im Schichtbetrieb in Sonsbeck tätig ist, nutzte das Trennsystem der Kanalisation, erklärte Gruppenführer Daniel Kleinbölting. Mit einer Großpumpe (15.000 Liter je Minute) wurde das Wasser von einem in den anderen Kanal geführt. Das führt irgendwann zur Entlastung. Und dann können auch die Häuserkeller drankommen.

Wie stark die Sonsbecker von den zwei Starkregen in dieser Woche betroffen sind, zeigt sich auch auf andere Weise. An den Straßenrändern dürften sich heute Morgen Kellereinrichtungen türmen. 120 Familien sehen sich gezwungen, ihren Sperrmüll heute den Mitarbeitern der Firma Schönmackers zu übergeben, zog Norbert Kalscheur von der Gemeindeverwaltung gestern Mittag Bilanz zum Anmeldeschluss. Darunter, so Kalscheur, seien nicht wenige aus den Ortschaften und den Außenbereichen. Da ist so manche Halle vollgelaufen. Schönmackers wird heute ab 6 Uhr mit drei großen Abfuhr-Lastwagen ans Werk gehen.

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Quelle: RP
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