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Xanten
Mobile Redaktion: Börse für neue Ideen

Xanten: Mobile Redaktion: Börse für neue Ideen
Stefan Weigel (2. v. re.) im Gespräch mit (v. li.) Rainer Groß, Peter Kummer, Valerie Petit, Petra Strenk und Herbert Dissen. FOTO: arfi
Xanten. Auf dem Markt ging es im Gespräch mit Stefan Weigel, stellvertretender Chefredakteur der Rheinischen Post, auch um die Kommunalpolitik. Herbert Dissen kündigte an, Unterschriften gegen das geplante Gradierwerk zu sammeln. Von Peter Kummer und Bernfried Paus

Er kann's nicht lassen: Einer der ersten, die sich gestern am Stand der Mobilen Chefredaktion auf dem Xantener Marktplatz einfanden, war Polit-Dino Herbert Dissen. Der langjährige Sprecher der FBI, der ältesten politischen Bürgerinitiative in NRW, suchte früh das Gespräch mit dem stellvertretenden Chefredakteur der Rheinischen Post, Stefan Weigel, und den Vertretern der Xantener Lokalredaktion. Um es vorweg zu nehmen: Hier wie auch an den anderen Stehtischen entspannten sich rege Diskussionen um örtliche Themen wie die Kosten des Kurparks und um das, was die Republik bewegt wie die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin und der Landesregierung in Düsseldorf. Auch andere Leser, die nicht zu den Akteuren der Lokalpolitik gehören, berichteten von Sorgen und Nöten und gaben Anstöße für die eine oder andere Geschichte.

Herbert Dissen wie die FBI kann sich mit dem Konzept des künftigen Kurparks nur in Teilen anfreunden. Das Gradierwerk - eine Art Sole-Berieselungsanlage - ist ihnen ein Dorn im Auge. Zu teuer, zu aufwändig im Unterhalt. "Viele sind dagegen", wetterte der FBI-Senior und kündigte eine Unterschriftenaktion dagegen an. "Den Kurpark kann man auch mit anderen Mitteln umsetzen - mit schönen Blumen, Sträuchern und Laternen. Auch wenn es Landeszuschüsse gibt, an Xanten bleibt bei den Kosten immer einiges hängen."

Das wiederum rief Rainer Groß auf den Plan, Vorsitzender der CDU. Er wehrte sich dagegen, das Kurpark-Paket auf- und in abgespeckter Version wieder neu zu schnüren. "Die Zuschüsse sind bewilligt." Immerhin würden 80 Prozent der Kosten für die gesamte Umgestaltung der Wallanlagen vom Land getragen, über vier Millionen Euro. Darüber hinaus würde das Gradierwerk in der Nähe des Seniorenheims und von zahlreichen seniorengerechten Wohnungen an der Poststraße stehen. "Die Menschen sind dann sofort dort."

Einmütigkeit herrschte an diesem Tag beim Thema Flüchtlinge: Das Land lasse Xanten im Stich. Rund 10.000 Euro pro Flüchtlinge seien zugesagt worden, doch nun kann Xanten nur mit der Hälfte rechnen, weil, so Groß, Düsseldorf die Zahl der Flüchtlinge zu einem bestimmten Stichtag festgelegt habe.

Dadurch fehle der Stadt allein in diesem Jahr unterm Strich rund die Hälfte des erhofften Zuschusses. Worauf die neue FBI-Sprecherin Valerie Petit wieder den Bogen zum Gradierwerk schlug: "Die Frage ist jetzt: Was können wir uns noch leisten? Die Investitionsfreudigkeit darf nicht dazu führen, dass im Sozialen, in Bildung und bei der Kultur gekürzt wird. Das wäre dramatisch für die Stadt Xanten."

Theo Vries (79) ist "sehr zufrieden mit Xanten". Bei dem anfangs sonnigen Wetter ist der Senior mit der Fiets von der Südsee aus Wardt zum Großen Markt geradelt. Morgens hat er in der RP die Kritik des IGX-Vorsitzenden Ludger Lemken an Bürgermeister Thomas Görtz gelesen. Die könne er nicht so recht nachvollziehen, sagt der gelernte Maurer, der auch mal 15 Jahre Küster war. Wenn er Xanten mit anderen Städten in der Region vergleiche, sei der Zuspruch von Touristen hier doch deutlich höher.

Vries kommt regelmäßig nach Xanten, allein weil es im Dorf "noch die morgendlichen Brötchen gibt" - alles andere wie Post, Banken und Einkaufsläden seien weg wie auch die Gaststätten. "Dafür haben wir in Wardt jetzt viel Wasser und das Oktoberfest", sagte Vries und lachte. Je nach nach Windrichtung habe er an Wochenenden jeden Takt der Wiesenmusi im Ohr. "Die Stücke kenne ich inzwischen alle", sagt er.

Ursula Schülke hat bei Kaffee und Plätzchen aufmerksam zugehört und schmunzelt. Die ehemalige Vorsitzende des VdK-Ortsverbandes Menzelen ist vor einiger Zeit in die Domstadt umgezogen. Den Schritt bereut sie nicht. "Xanten ist zum Wohnen wunderbar", sagte sie. Sie sei froh, dass sie rechtzeitig den Schritt gemacht habe, ihr großes Haus in Menzelen mit dem üppigen Garten gegen eine Wohnung in Xanten eingetauscht zu haben.

Den VdK in Menzelen, den sie 15 Jahre geleitet hat, besucht sie, wenn sie Gelegenheit dazu finde. Aber nur noch als einfaches Mitglied. Ein rüstiger alter Landwirt aus Veen (82), der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, hatte sich mit seinem Auto - "einen neuen Gebrauchten" - aufgemacht, um der Mobilen Chefredaktion der Rheinischen Post, die er schon seit 60 Jahren regelmäßig lese, einen Besuch abzustatten. Er berichtet davon, dass mehrere Landwirte in Veen von Dieben heimgesucht worden seien, die es auf ihr Werkzeug abgesehen hatten. "Wir haben jetzt wieder zwei Hunde auf dem Hof", erzählt der Altbauer.

Mehr noch sorge er sich, weil der Milchpreis tief im Keller sei. Da fehle das Geld, um einen teuren Trecker zu bezahlen. "Es ist eine Katastrophe."

Quelle: RP
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