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Xanten
Musik in anrührender Natürlichkeit

Xanten: Musik in anrührender Natürlichkeit
Der ursprünglich im Wohnzimmer gegründete Chor überraschte mit der engagierten Qualität seiner elf Frauen- und nur fünf Männerstimmen. FOTO: Olaf Ostermann
Xanten. Das Alpener Vokalensemble Resonanz beeindruckte beim Konzert im Kloster Mörmter. Flötengruppe gab den Rahmen. Von Udo Spelleken

In der Klosterkirche des Franziskanerklosters Mörmter gastierte das Alpener Vokalensemble Resonanz. Den 16 Sängern unter der Leitung von Maria-Elisabeth Booms gelang es, in einem abwechslungsreichen Programm Chorliteratur aus mehreren Jahrhunderten und Stilepochen einem interessierten Publikum näherzubringen. Eine Flötengruppe umrahmte die Gesangsdarbietungen mit einem barocken Menuett von Jean-Baptiste Lully und einer Gavotte von Philipp Heinrich Erlebach, wie sie am Hof Ludwigs XIV gespielt und getanzt wurden.

Mit einem Hebräischen Psalmvers und einem orthodoxen Hymnus eröffnete der Chor seine ausgewogen verhaltenen Darbietungen. Dieser "Phoshilaron" (heiteres Licht) ist ein frühchristlicher Christushymnus, der bereits in der Mitte des 2. Jahrhunderts nachweisbar und in der byzantinisch-orthodoxen Vesperliturgie bis heute in Gebrauch ist. Als Vesperhymnus zur Auswahl findet er sich auch im Stundengebet der römisch-katholischen Kirche. Zu spüren war eine aufrichtige Ernsthaftigkeit, mit der alle Beteiligten vom ersten bis zum letzten Ton der Partitur bei der Sache waren.

Der ursprünglich im Wohnzimmer gegründete Chor überraschte mit der engagierten Qualität seiner elf Frauen- und nur fünf Männerstimmen in seiner anrührenden Natürlichkeit und Naturhaftigkeit.

Die romantische Motette "Singet dem Herrn ein neues Lied", des Komponisten Bernhard Klein verkörperte die Vorliebe des Autors für die italienische Vokalpolyphonie, die vom Alpener Ensemble in der Klosterkirche in einem bewusst ruhigen Tempo vorgetragen in seinen dynamischen Abstufungen besonders beseelt klang.

Von den Stimmen ausdrucksstark und eindringlich wirkte Johann Sebastian Bachs "Der lieben Sonne Licht und Pracht". Mit Flöten- und Pianobegleitung gab es den zur Reformation entstandenen Choral "O Herr, mein Gott, jetzt vor der Nacht" des englischen Komponisten Thomas Tallis zu hören.

Mit präzisem und hinreichend expressivem Klavierspiel begleitete Maria-Elisabeth Booms "O wie schön ist deine Welt" von Franz Schubert, in dem Roland Booms Stimme über weite Strecken emotional sehr distanziert klang. Wundervoll ruhig und friedvoll interpretierte das Ensemble in klanglicher Ausgewogenheit Josef Rheinbergers Abendlied "Bleib bei uns", das 1855 entstand.

"Für die Schönheit dieser Welt" bestach durch die absolut perfekt gearbeiteten Chorsätze von John Rutter und dessen typisch lichte Textur. Werk und Chor beeindruckten durch ihre fein durchgehörte Textausdeutung und reiche, farbige Harmonik.

Der Applaus belohnte die Akteure für ihr sakral musikalisches Engagement.

Quelle: RP
 
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