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Xanten
Nach dem Brand: Kirche wird restauriert

Xanten: Nach dem Brand: Kirche wird restauriert
Hier hat im März der brennende Abfalleimer gestanden. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die Wallfahrtkirche in Marienbaum ist im März nur mit Glück einem Großbrand entkommen. Auch wenn das Feuer schnell gelöscht werden konnte, ist der Schaden immens. Von Peter Kummer

Es war das sprichwörtliche Glück im Unglück. "Die ganze Kirche hätte abbrennen können. Die Kreuzwegstation war schon angekokelt", sagt Propst Klaus Wittke in Erinnerung an das Feuer, das am 1. März in der Wallfahrtskirche von St. Mariä Himmelfahrt in Marienbaum ausgebrochen war. Schwester Ansa hatte noch kurz vorher alles kontrolliert und nichts Auffälliges beobachtet. Kurz darauf jedoch hatte eine zufällig hereinkommende Pilgergruppe schwarze Rauchschwaden entdeckt, die schon durch das Kirchenschiff waberten. Sie eilten zur Sparkasse, von wo aus eine Angestellte sofort die Feuerwehr alarmierte. Als diese eintraf, war das Feuer durch einen zufällig anwesenden Dachdecker schon gelöscht worden.

Zurück blieb ein immenser Schaden, der bis heute nicht behoben ist. Das Gotteshaus ist seitdem geschlossen und inzwischen völlig ausgeräumt. An den Wänden hängen noch schwarze Rußfäden, das Inventar muss aufwendig restauriert werden. Aber noch für Dezember hat der Propst die Wiedereröffnung avisiert - rechtzeitig zu Weihnachten.

Teelichter am Opferstock hatten seinerzeit in einem Kunststoffeimer vor sich hingeschwelt. Vielleicht war es Brandstiftung. Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen. "Die ganze Kirche war eingenebelt", schüttelt es Klaus Wittke auch heute noch. Fettige, schwarze Minipartikel ließen sich, als sie abkühlten, als Flocken in jeder Ritze nieder. "Der eigentliche Brandschaden ist relativ gering", sagt Wittke.

Nach einem Brand im Eingangsbereich muss der ganze Kirchenraum aufwendig gereinigt werden. Dabei müssen alle sakralen Werke und der Boden geschützt werden. Diakon Arnold Dormann, Birgit Rennings, Tobias Faasen und Propst Klaus Wittke (von links) sehen sich den Arbeitsfortschritt an. FOTO: Armin Fischer

Doch die Grundsanierung mit einer ordentlichen Reinigung dauert zwangsläufig. Kirchenbänke mussten ebenso zu einem Restaurator wie das gerade einen Tag vor dem Feuer aufgehängte Hungertuch und die Orgelpfeifen, die durch ein Bad gezogen werden, um sie auch von innen zu säubern. Die Sitzkissen wurden entsorgt, der Natursteinboden gereinigt, der Teppich auf der Empore herausgerissen, die Reliquienkästen ausgebaut. Alle Kunstgegenstände werden in Fachwerkstätten von Experten behandelt.

Das Kirchenschiff sieht trostlos leer aus. Das Chorgestühl ist mit Holzplatten verkleidet, der Boden mit Trittplatten und Filzdecken ausgelegt. An der Seite liegen schon die Stangen für das Gerüst. Die Decke ist voller schwarzer "Spinnweben" aus Ruß. An manchen Stellen wurde probehalber schon mal gesäubert. Das so unter dem schmutzigen Grau wieder zutage geförderte Cremeweiß lässt erahnen, wie die Kirche vor dem Brand ausgesehen hat. Alles geschieht in Abstimmung mit dem Denkmalschutz.

Ein Architekt überwacht und koordiniert die Arbeiten. Unterstützung kam auch aus dem Bistum Münster. Die Versicherung hat ihre Untersuchungen abgeschlossen und zahlt einen Großteil der Maßnahmen. Aber nicht alles, da nun bei der Gelegenheit in einem Rutsch auch Arbeiten, die nicht mit dem Brand zusammenhängen, vorgenommen werden. Wittke: "Die Gemeinde wird auch einen finanziellen Teil übernehmen müssen. Da wird genau differenziert. Aber wir wollen die Chance nutzen."

Für die Wiedereröffnung ist im Kalender der Pfarrgemeinde fest der Dezember markiert. Vermutlich wird dann jedoch nicht die gesamte Inneneinrichtung wieder zurückgekehrt sein. "Manches wird erst später bei den Restauratoren fertig werden. Aber wir können zumindest den Kirchenraum wieder nutzen", ist der Propst optimistisch.

Besucher werden sich auf Dauer auf Änderungen einstellen müssen. Zu den Gottesdiensten oder für größere Pilgergruppen ist das Gotteshaus natürlich in Gänze geöffnet, aber ansonsten wird demnächst ein Gitter im Eingangsbereich hinter dem Gnadenbild und dem Opferstock den privaten Zugang ins Kirchenschiff selbst verwehren. Dafür wird für die Gläubigen links vom Hauptportal ein ehemaliger Abstellraum, der lange Zeit als Taufkapelle gedient hatte, zu einer Andachtskapelle umgebaut.

Quelle: RP
 
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