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Xanten
Nach der Flut fallen die Bäume

Xanten. Als die Kanäle vollliefen, wurde das Grundstück von Marianne Schleß überflutet. Durch bessere Kanäle hätte sich das vermeiden lassen, glaubt sie. DBX, Niersverband und Deichverband wollen Abhilfe schaffen. Von Heinz Kühnen

Marianne Schleß ist fertig mit den Nerven. Seit Anfang Juni kämpft die Xantenerin an der Sonsbecker Straße mit den Wassermassen. Erst lief das 2,5 Hektar große Grundstück durch das über die Ufer tretende Wasser des Entwässerungsgrabens voll, Jagdhütte, Teich, Hundezwinger, die Garage und ein kleiner Wald - alles ist seither feucht und modrig. Dann stand das Wasser im Keller des riedgedeckten Hauses, das schon auf einem angeschütteten kleinen Hügel steht, 40 Zentimeter hoch auf einer Fläche von 120 Quadratmetern. "Hilfe bekam ich nicht, es gab nicht genug Pumpen", sagt sie. Die Pumpen hat sie schließlich selbst gekauft, Freunde halfen beim Aufräumen. Im benachbarten Champignon-Zucht-Betrieb zerstörte das Wasser den fast fertigen Umbau des alten Verwaltungsgebäudes. Ende der vergangenen Woche stieg das Grabenwasser nach dem Gewitter wieder bedrohlich an. Und jetzt dies: Der Boden ist so nass, dass - bei absoluter Windstille - bereits ihr Lieblingsbaum, eine 60 Jahre alte Linde, dann der Essigbaum und eine Konifere umstürzten. "Ich weiß, das Anwesen liegt an der tiefsten Stelle der Sonsbecker Straße. Aber so kann es einfach nicht weitergehen", klagt Marianne Schleß, die auch materiell enorme Einbußen hat.

Das sieht der Leiter des Dienstleistungsbetriebs Xanten (DBX), Harald Rodiek, ähnlich. Das Dilemma beschäftigt den DBX seit dem ersten Dauerregen Anfang Juni. "Eine echte Herausforderung", sagt Rodiek. Gut zwei Monate nach seinem Amtsantritt in Xanten arbeitet der Bauingenieur mit Hochdruck an einem Hochwasserkonzept für den Bereich um die Sonsbecker Straße. Ein - allerdings keineswegs schöner - "Volltreffer" für den Siedlungswasserwirt, der die Aufgabe als "hartes Brot" bezeichnet.

Bislang habe nichts darauf hingewiesen, dass die Entwässerungsmaßnahmen hier nicht ausreichten. Für solche Vorkommnisse wie in den vergangenen Wochen seien diese aber offensichtlich nicht ausgelegt. Der Sonsbecker Graben steht so voll mit Wasser wie nie zuvor. Bei jedem Starkregen drohe er allein deshalb überzulaufen, weil der Grundwasserpegel enorm hoch ist. Das Grabenwasser werde unter dem Kreisverkehr hindurch in Richtung Regenrückhaltebecken geleitet und von dort über die Xantische-, die Niedere- und Untere Ley weiter in Richtung Kleve bis zum Kalflak-Schöpfwerk. Dort wird es über den Deich gepumpt. Bei den Regenfällen, so Rodiek, habe sich aber gezeigt, dass der Abfluss bei den vollgelaufenen kleinen Flüsschen nicht mehr gewährleistet ist.

Schon gar nicht, wenn demnächst das Hochbruch-Gelände besiedelt ist. Dort würde wohl nur vorübergehend der große Stauraumkanal helfen, der unter dem neuen Schutzwall verlegt wurde. Rodieks Plan sieht vor, das Grabenwasser durch einen neuen Kanal in Richtung Bahnhofstraße zu leiten. Von dort aus könne es zum Schöpfwerk Lüttingen und über den dortigen Deich in den Rhein gelangen.

Damit ist auch der Niersverband in die Planung eingebunden, ebenso wie der Deichverband Xanten-Kleve, zuständig für die "Leyen" und ihre Überflutungsflächen. Die Gespräche seien im vollen Gang, sagt der 49-jährige Xantener. Die Verbände seien sehr kooperativ.

Der DBX-Leiter hofft sogar, "dass bereits in zwei Wochen die ersten Baugruben ausgehoben werden können". Langfristig müsse aber in Sachen Hochwasser vermutlich noch mehr im Stadtgebiet geschehen. "Wir arbeiten dran."

Marianne Schleß wird es aktuell nicht trösten, aber vielleicht in der Zukunft. Ihr wird nun auf andere Weise geholfen: Ein Baumexperte will versuchen, ihren Wald zu retten. Rodiek sagt: "Der Mann ist ohnehin in der Stadt, weil er unser Baumkataster erstellt."

Quelle: RP
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