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Sonsbeck
Nellesen - eine Institution macht Schluss

Sonsbeck: Nellesen - eine Institution macht Schluss
Klaus Nellesen lädt die Schnäppchenjäger zum letzten Gefecht. Wenn der Räumungsverkauf abgeschlossen ist, hört der Geschäftsmann auf. FOTO: Armin Fischer
Sonsbeck. 86 Jahre war Nellesen eine angesehene Größe im Sonsbecker Einzelhandel. Nun hat der Räumungsverkauf begonnen. Klaus Nellesen (60), der das Geschäft - Fahrräder und Sportartikel - in dritter Generation führt, will das Haus verkaufen. Von Bernfried Paus

"Abpfiff!" Klingt sportlich, ist es aber nicht. Grund zum Jubeln gibt's keinen. Denn mit dem Räumungsverkauf bei "Sport und 2Rad Nellesen" an der Hochstraße 51 geht ein bedeutsames Kapitel Einzelhandelsgeschichte in Sonsbeck zu Ende. Mit dem Anbieter für Fahrräder und Sportartikel verliert der Ort eines seiner letzten großen Fachgeschäfte und damit weiter an Zugkraft. Klaus Nellesen (60), der das Geschäft in dritter Generation führt, hat sich die Entscheidung zur Aufgabe nicht leicht gemacht. "Es ist bitter", sagt er: "Ich hätte gerne weitergemacht. Aber unterm Strich bleibt zu wenig übrig für den erheblichen Einsatz, den so ein Laden erfordert. Es lohnt sich einfach nicht mehr."

Verschiedene Umstände hätten seinen Entschluss, "einen radikalen Schnitt" zu machen, beschleunigt. Ein Trend habe sich lange abgezeichnet: "Das Einkaufsverhalten allgemein und das in einem kleinen Ort wie Sonsbeck hat sich in den zurückliegenden fünf Jahren massiv zu ungunsten der inhabergeführten Geschäfte verändert", sagt der 60-Jährige. Das Internet habe viele Kunden gekostet. Auch Outlets und große Einkaufszentren in den Städten seien übermächtige Magneten, die dörfliche Standorte leerfegen würden. Als zuletzt gesundheitliche Probleme auftauchten, sei das der letzte Schubser gewesen, nach mehr als 20 Jahren hinterm Tresen, den Schlussstrich zu ziehen.

Der Räumungsverkauf sei noch mal ein Frequenzbringer, wie man sich ihn zuvor immer gewünscht hätte. Aber die Schnäppchenjäger können das Ende nur noch beschleunigen. Wenn die Regale leer sind und alle Räder rollen, schließt Klaus Nellesen das Traditionsgeschäft ab - für immer. Wann das genau sein wird, vermag er noch nicht zu sagen. "Ende Januar, vielleicht ein paar Wochen später", vermutet er. Seinen fünf, meist langjährigen Mitarbeitern hat er "schweren Herzens" kündigen müssen.

Auch um die treuen Kunden tut's ihm leid. "Manche stehen vor mir, fast flehend, mit Tränen in den Augen", so der scheidende Geschäftsmann. "Das kannst Du doch nicht machen. Wohin sollen wir jetzt gehen" - nicht nur einmal habe er das gehört. Klar, dass ihn das anrührt: "Ich habe schließlich viel Herzblut investiert in all den Jahren."

Was aus seinem Geschäft wird, weiß der gebürtige Sonsbecker, der seinem Heimort bis heute die Treue gehalten hat, selbst noch nicht. "Ein Plan B liegt nicht in meiner Schublade", sagt er. Eins aber steht fest: Er will die Immobilie mit 500 Quadratmeter Ladenfläche und zwei Wohnungen verkaufen. "Aber erst wickle ich noch den Räumungsverkauf ab. Dann sehen wir weiter", sagt der Vater zweier erwachsener Söhne, die beruflich ganze andere Wege eingeschlagen haben.

Auch was ihn persönlich betrifft, sei nichts entschieden. Aber er fühle sich mit 60 zu jung, um sich ganz aufs Altenteil zu begeben. "Ich habe verschiedene Ideen im Kopf, geschäftlich weiterzumachen", sagt er. Aber noch sei nichts spruchreif. Es zeichne sich ab, dass er aufgrund persönlicher Bindungen seine Idee wohl weit außerhalb von Sonsbeck realisieren wird.

Dann verschwindet mit Nellesen eine Adresse aus dem Ortsbild, die in Sonsbeck und auch darüber hinaus 86 Jahre lang einen guten Klang hatte. Großvater Jakob Nellesen ging Anfang der 30er Jahre mit dem Verkauf von Motorrädern (DKW, NSU-Quickly) an den Start. Die nächste Generation, Franz und Maria Nellesen, nahmen Ende der 60er Jahre auch Autos dazu: NSU und später auch Renault. Als Franz Nellesen starb, kamen an der Hochstraße 51 Zweiräder ins Rollen.

1996 übernahm - eigentlich ungeplant - Klaus Nellesen, gelernter Buchhalter, das Steuer. Er erweiterte das Sortiment: Neben Rädern konnte man von da an - im Intersport-Verbund - fast die komplette Palette an Sportartikeln kaufen. Doch beiden Segmenten ging trotz E-Bike-Boom und dem geschätzten Kundenservice ganz allmählich die Luft aus. So verlor der Chef am Ende die Lust, sich ohne lohnenden Ertrag weiter mit ganzem Herzen reinzuhängen. Heißt in letzter Konsequenz: "Abpfiff! Wir schließen."

Quelle: RP
 
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