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Xanten
Nicole Staudinger liest aus ihrem Buch über Krebserkrankung

Xanten. Darf man von einem schönen, einem interessanten Abend sprechen, auch wenn die Hauptperson gerade von ihrer Krebserkrankung erzählt hat? Man darf, wenn es sich bei der Hauptperson um eine so positive junge Frau handelt, die nicht nur sich selber Mut macht, sondern auch den etwa 50 Zuhörerinnen und vier Männern. Von Heidrun Jasper

Im Rathaussaal las Nicole Staudinger jetzt aus ihrem Buch mit dem provokanten Titel "Brüste umständehalber abzugeben: Mein Leben zwischen Kindern, Karriere und Krebs".

"Ich hab' auch einen Füller dabei, ich kann auch signieren", sagt die Mutter von zwei kleinen Söhnen und lacht. Und hebt durch ihre fröhliche, ihre humorvolle Art zu lesen und zu erzählen von der ersten Sekunde an die Distanz auf zwischen sich und den Zuhörern.

"Ich hätte mir gerne noch ein paar Jahre Unbeschwertheit gewünscht. Noch nicht so früh mit Todesangst konfrontiert zu werden", gibt die 33-Jährige zu, die vor einem Jahr, an ihrem Geburtstag, beim Duschen einen Knoten in der rechten Brust ertastet hat. Eine Frau, die vor ihrer Erkrankung Verlagsleiterin war und versucht hat, in die knappe freie Zeit so viel Programm wie möglich mit den Kindern zu packen.

"Oha, in Ihrer Haut möchte ich jetzt nicht stecken." Diesen wenig einfühlsamen Satz ihres Frauenarztes wird sie nie vergessen, als er das Ultraschallbild betrachtete und das Wort aussprach, vor dem sie sich so fürchtete: Tumor. Und ein aggressiver dazu. Ambulante Chemotherapie, 16 Sitzungen, nach der zweiten fallen ihr die wunderschönen Haare aus. Die Mutter, neben ihrem Ehemann die engste Vertraute, begleitet sie zu jeder Sitzung. "Das ist keine Option", antwortet diese auf die bange Frage der Tochter: "Und was, wenn ich es nicht schaffe?"

Nicole Staudinger hat das Gen, das auch die Schauspielerin Angelina Jolie hat. Sie hat sich wie diese nicht nur die Brüste, sondern auch die Eierstöcke entfernen lassen. Was sich seit der Diagnose verändert hat, will die Gleichstellungsfrau Elke Balenzia wissen. "Alles. Nichts ist mehr so wie es war. Es gibt die Zeit vor und die seit dem Krebs".

Ihr Mann, mit dem sie seit 13 Jahren zusammen und seit zehn Jahren verheiratet ist, stand und steht immer hinter ihr. "Das muss eine Ehe verkraften können", sagt sie und liest aus ihrem Buch das Kapitel vor, in dem sie sich mit ihrem ältesten Sohn Max (6) auf den Teppich gesetzt, die Legokiste ausgekippt und ihm beim Zusammenbauen erzählt hat, dass sie sehr krank sei und jetzt Medizin bekomme, die sie müde, aber gesund machen würde.

Ein Jahr ist ins Land gegangen, die Haare sind nachgewachsen, alle drei Monate muss Nicole Staudinger zur Kontrolle. Sie sei Weltmeisterin im Wegschieben geworden. "Wenn man eine Krankheit hat, die einem an die Zukunft will, neigt man dazu zu vergessen, dass es auch ein Hier und Heute gibt", sagt sie und erzählt, dass sie sich nur noch dann mit Problemen befasst, wenn sie da sind, und nicht prophylaktisch, vorsorglich.

Nicole Staudinger hat inzwischen ein zweites Buch geschrieben, das in Kürze erscheinen wird und in dem sie sich mit der Eigenschaft befasst, die sie mittlerweile auch in Seminaren lehrt: Schlagfertigkeit.

Quelle: RP
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