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Xanten
Niemandsland auf der Bislicher Insel

Xanten: Niemandsland auf der Bislicher Insel
Werner Postertz und das Niemandsland zwischen den Zäunen. Hier gedeihen vor allem Brennnesseln. FOTO: Heidrun Jasper
Xanten. 40 Zentimeter zwischen Bonanza- und Maschendrahtzaun - ein ideales Revier für Brennnesseln. Von Heidrun Jasper

"Ich kümmere mich nicht mehr, dazu haben die mich zu viel geärgert. Die sollen das einfach nur sauber halten." Eigentlich ist Werner Postertz ein friedlicher Mensch. Aber dafür, dass Brennnessel wild wuchern, weil der Regionalverband Ruhr-Grün (RVR) einen Holzzaun zwischen seinem Grund und Boden und der benachbarten Obstwiese so gesetzt hat, dass ein 40 Zentimeter breites und gute 14 Meter langes Niemandsland entstanden ist, hat der 77-Jährige kein Verständnis.

Der Reihe nach: 1969 hat Werner Postertz ein Haus auf der Bislicher Insel gekauft, genau gegenüber dem NaturForum und neben einer Wiese, auf der der RVR Obstbäume gepflanzt hat und auf der bislang Schafe grasten. Damit die nicht auf sein Grundstück laufen, hat er auf 14 Meter Länge einen Maschendrahtzaun gesetzt. Den haben die Schafe allerdings an einigen Stellen runter gerissen. Postertz telefonierte mit Dirk Janzen, Teamleiter im NaturForum und beim RVR zuständig für das Gebiet Ökomanagement. "Wir kümmern uns", hieß es. Haben sie auch getan. Als Werner Postertz, der das Haus mit Wohnrecht auf Lebenszeit an den Deichverband verkauft hat und mit seiner Lebensgefährtin seit drei Jahren vorwiegend an der Mosel lebt, eines Tages wieder mal in der Heimat war, traute er seinen Augen nicht: Der RVR hatte tatsächlich einen Holzzaun gesetzt, entlang des ganzen Postertz'schen Grundstücks. Aber nicht etwa direkt dran: Nein, er hat einen 40 Zentimeter breiten Streifen gelassen. Zu eng für jeden Rasenmäher, vom Menschen, der den Mäher bedienen müsste, ganz zu schweigen.

Die Folge: Auf dem Streifen breiten sich Brennnessel und Unkraut aus. "Warum haben die die Bretter nicht einfach an unseren Pfählen festgemacht?" fragt sich Werner Postertz. Und er hat dies auch den Regionalverband Ruhr gefragt, hat den Streifen Niemandsland fotografiert, die Bilder nach Essen geschickt und nachgehakt. Auf seine Schreiben habe er gar keine Antwort bekommen, am Telefon habe es immer nur geheißen "wir kümmern uns". Seit zwei Jahren geht das so.

"Stimmt", bestätigt RVR-Teamleiter Dirk Janzen auf Nachfrage unserer Zeitung; "wir kümmern uns tatsächlich. Nächste Woche wird der Streifen wieder runter geschnitten". So sei es auch mit Werner Postertz besprochen worden, als man den Bonanzazaun gesetzt hatte. Einmal im Jahr werde das "Niemannsland" frei geschnitten; auch das, so Dirk Janzen, sei dem Nachbarn mitgeteilt worden.

Haben sie nun auch getan: Gerade ist ein RVR-Mitarbeiter mit der Motorsense angerückt. Warum man 40 Zentimeter Platz zum Zaun des Nachbarn gelassen hat? "Damit die Schafe da nicht mehr dran kommen." Der RVR hat mit einem Schäfer vor Jahren einen Pachtvertrag gemacht. Janzen: "Wir sind froh, dass wir die Schafe haben, die fressen das Gras von der Obstwiese und auch das Obst auf, das von den Bäumen fällt."

Quelle: RP
 
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