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Xanten
Noch zu viele Fallen für Behinderte

Xanten: Noch zu viele Fallen für Behinderte
Vertrauenslauf: Sabine Dubois ließ sich mit geschlossenen Augen von Wolfgang Diamant durch die Stadt führen. Langstock und Blindenhund sind für Sehgeschädigte unerlässlich. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Der Sozialverband VdK und die Interessensgemeinschaft "All inclusive" machten am "Europäischen Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung" am Xantener Markt auf das Thema Barrierefreiheit aufmerksam. Von Alexander Florié-Albrecht

"Wie barrierefrei ist Xanten?" Die Frage prangte auf dem großen Banner der "Aktion Mensch". Besucher des Xantener Marktes konnten ihre persönlichen Einschätzungen mit einem Klebebutton hinterlassen. Viele nutzten die Gelegenheit, am Infostand von VdK und "All inclusive," der Interessensgemeinschaft gehandicapter Menschen in Xanten, über die Smileys ihre Meinung kundzutun: Die meisten Buttons fanden sich später unter dem Smiley "geht so".

Katharina Schmitz von der Reeser Lebenshilfe hatte auch das mittlere der drei Smileys gewählt: "Ich finde die Straßen und Plätze sehr ,wellig'", erklärte sie. "Das geht voll in die Gelenke, wenn man Rollis schiebt." Für Menschen mit Spastiken und anderen Einschränkungen seien das "echte Stolperfallen".

"Die Straße am Dom ist eine Katastrophe - mit Rolli ist das schwer - so richtig sicher fühle ich mich da nicht", sagte Lara Theisen. Vorbild sei da ihre Heimatstadt Wesel. "Da hat man die Steine weggenommen und durch glatte Steine ersetzt." Die Pflasterung und der Zugang zu den Geschäften sei verbesserungswürdig, fand der Reeser Ralf Köppers. Simone Scholten von der Lebenshilfe Unterer Niederrhein ergänzte, "auch Menschen mit Handicaps haben das Recht, sich frei zu bewegen.

Für sie fehlen Piktogramme, an denen sie sich selbst orientieren können." Zum Auftakt des Aktionstages hatte eine Gruppe Rollstuhlfahrer versucht, eigenständig die Toilettenanlage aufzusuchen. "Das WC an sich ist spitze, aber der Aufzug - du musst da Zeit mitbringen, lesen, dich drehen und rechtzeitig reagieren", fasste Angela Weniger von "All inclusive" die Probleme in Worte. "Und mit einem Scooter kannst du zwar runterfahren, musst aber rückwärts rein und kommst schlecht bis gar nicht wieder raus."

Man wolle sich über den Protesttag bekannt machen als Gruppe gehandicapter Menschen, "um zu zeigen, wo es brennt", erläuterte Weniger. Die Stadt sei mit der Entscheidung für einen Behindertenbeirat einen Schritt in die richtige Richtung gegangen, fand auch Volker Markus vom VdK. "Es gibt aber noch viel zu tun", zeigten sich beide nach den Eindrücken des Tages überzeugt.

Am Infostand konnten sich Interessierte wie der Wardter Norbert Müller auch einige andere nützliche Tipps holen: "Ich eröffne im Oktober in Wardt ein Museum ,Alles rund ums Geld'. Da habe ich bewusst drauf geachtet, dass die Türen breit genug sind. Ich muss aber noch das WC vernünftig einrichten." Müller erkundigte sich nach Finanzierungsmöglichkeiten und begrüßte die Aktion. "Das ist eine wirklich gute Hilfe."

Dass Barrieren nicht nur im konkreten Alltag bestehen, unterstrich Sabine Sweetsir, die mit ihrer geistig behinderten Tochter Olivia gekommen war, um Solidarität zu zeigen. "Barrieren gibt es überall - vor allem im Kopf. Menschen mit geistiger Behinderung haben kaum Fürsprache - in der Schule, in Sachen Ausbildung, da fehlt noch was."

Dass dann ein Autokorso mit historischen Wagen auf dem Markt so nahe an die Aktionsfläche reichte, dass von der nicht mehr viel übrig blieb, war auch ein Indiz für mangelnde Aufmerksamkeit gegenüber den Menschen und dem Thema Barrierefreiheit im Alltag.

Quelle: RP
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