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Xanten
Oh, wie schön ist Menzelen

Xanten: Oh, wie schön ist Menzelen
Heinz-Josef Angenendt fängt die Schönheit seiner Heimat mit der Kamera ein - stets dabei: Hund Bella. FOTO: bp
Xanten. Heinz-Josef Angenendt kennt sein Heimatdorf wie kaum ein anderer. Jeden Morgen ist der Motiv-Jäger mit der Kamera unterwegs, um die Schönheiten in und um Menzelen herum im Bild festzuhalten. Das Material liefert Stoff für den Dorf-Kalender. Der für 2018 ist jetzt fertig. Von Bernfried Paus

Ob Geißbock Hennes beim 1. FC Köln in der nächsten Saison noch in der Fußball-Bundesliga meckert, ist - derzeit zumindest - höchst fraglich. Sicher dagegen ist, dass, sobald sich das Jahr seinem Ende zuneigt, der neue Kalender mit Menzelen-Motiven auf den Markt kommt. Den Probeabzug hat der leidgeprüfte FC-Köln-Fan Heinz-Josef Angenendt (67) bereits zu Hause. Die Korrekturen sind gemacht. Das Werk - es ist sein zwölftes - mit 48 Fotomotiven aus Menzelen und der fußläufigen Umgebung kann in Druck gehen. Der Fotomann ist längst dabei, die Bilder für den Kalender 2019 zu sichten.

Das nächste Jahr hat er abgeschlossen. Dafür hat er bei seinen morgendlichen Spaziergängen - es vergeht kein Tag ohne - unzählige Schritte gemacht und noch mehr Bilder geschossen. Immer mit dabei: seine Digitalkamera. Ohne seine Canon 60 D geht er morgens nach dem Frühstück nicht aus dem Haus. Auch seine treue Begleiterin Bella, eine spanische Straßenhündin, ist bei der Motivjagd stets an seiner Seite. Ehefrau Angela schließt sich den beiden, wenn auch eher selten, an. "Schließlich muss mittags das Essen pünktlich auf dem Tisch stehen", sagt sie und lacht.

Das Titelbild rückt Menzelen in die Mitte der Welt. Es zeigt einen bunten Richtungsbaum mit namhaften Städten und Entfernungsanzeige. Danach liegt Memphis in Tennessee 7473 Kilometer von Menzelen-West entfernt, Berlin 565 Kilometer und Nütterden nur 42 Kilometer. Die schmucken Wegweiser hat die 16-jährige Lisa Bräm aus Kredenbach, Großnichte der Eheleute Claudia und Norbert Haentjes, bei ihrem Besuch am Giesenacker gemalt. Heinz-Josef Angenendt fand die Idee klasse - auch wenn Kölle nicht vorkommt.

Das Kalender-Jahr beginnt in den winterlichen Flöthwiesen. Schnee kommt nicht vor - nur einmal als atmosphärisch schmückender Hintergrund für die weihnachtlichen Dezember-Bilder. Raureif liegt auf dem Wiesengras, Sonnenlicht blinzelt durch laubkahle Bäume. Und gleich zu Jahresbeginn findet der aufmerksame Betrachter das Motiv, in dem "Bella" durchs Bild läuft. Da hält's der Kalender-Macher wie Alfred Hitchcock, der in jedem seiner Filme einmal kurz auftaucht.

Bereits im Februar kommt Farbe ins Spiel. Unverwüstliche Winterlinge strahlen in sattem Gelb und trotzen der Kälte. Statt Schneeflöckchen stehen Schneeglöckchen vor der Blüte, Weidekätzchen deuten erwachendes Leben in der Natur an.

Im März kommt der Frühling mit Macht. Der Tulpenbaum legt sich satt über eine Garage, ein Buntspecht klopft an einen toten Ast, und in Eppinghoven treffen Rehe und ein paar Schwäne aufeinander. Im April explodiert die Kirschblüte, und der Raps bringt sich machtvoll ins farbenschwangere Naturschauspiel.

Den Mai schmücken die Adebars im Horst an der Schmiede. Leider scheiterte auch ihr zweiter Versuch, eine Familie zu gründen. Heinz-Josef Angenendt ist dabei, als man mit dem Hubwagen zum Nest hochfährt und nur ein totes Junges entdeckt. "Traurig", sagt der Naturfreund: "Aber ich habe die Gelegenheit genutzt, Menzelen aus der Storchenperspektive zu fotografieren."

Eine Rarität: der blühende Nussbaum im Juni. Und eine optische Täuschung. Das üppig weiße Blütenband, das die Krone durchzieht, ist eine Kletterrose, die sich hier eingenistet hat. Im Juli ist Erntezeit in Menzelen. "Der Niederrheiner" pendelt durch abgeerntete Felder in der Mühlohley, wo ein mächtiges Mähwerk nach getaner Arbeit darauf wartet, abgeholt zu werden.

Das Bild vom Blumenfeld in der Morgensonne hat's am 7. August sogar in die "Aktuelle Stunde" geschafft, anders als die scheuen Jungrehe am Winnenthaler Kanal. Ein blühender Grashalm, umgarnt von wässrigen Fäden, zeigt, dass der Sommer sich im September auf den Rückmarsch macht. Doch der Oktober mischt noch mal kräftige Farben an - im Wald und im Erntekorb auf dem Altar im Schützenzelt.

Der November lässt die Gräben in der Mühlohley anschwellen, hinter Nebelschwaden beha uptet in einiger Entfernung die Kirche St. Walburgis ihre Präsenz. Das Kalenderjahr geht stimmungsvoll zu Ende. Mit erleuchteten Tannenbäumen und weihnachtlich dekorierten Häusern. Aber Schnee kommt hier nur als am PC eingearbeitetes, dekoratives Hintergrundmotiv vor.

70 Kalender sind vorbestellt für Stammkunden. Angenendt geht davon aus, dass noch mal knapp so viele dazu kommen. Ein Exemplar geht nach Kanada. Der Erlös geht diesmal an den Sachausschuss "Mach mit!" Der kümmert sich durch viele Aktionen im Jahr um die Kinder in Menzelen und möchte so die Dorfgemeinschaft pflegen. Die Sparkasse am Niederrhein hat schon 250 Euro für die gute Sache in die Schatulle getan. "Für mich ist die Unterstützung weitere Motivation, mich, so lange es noch geht, jeden Tag auf den Weg zu machen", sagt der 67-Jährige. Hoffentlich muss der FC-Fan nicht im kommenden Mai Trauer tragen, weil der Geißbock den Gang in Liga zwei antreten muss. Heinz-Josef Angenendt und Bella werden trotzdem auf Motiv-Pirsch gehen.

Quelle: RP
 
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