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Nach Oktoberfest
Entsetzen über brutale Prügelattacke in Xanten

Oktoberfest 2016: So wird in Xanten gefeiert
Oktoberfest 2016: So wird in Xanten gefeiert FOTO: Fischer, Armin
Xanten. Die drei Familienväter, die nach einem Oktoberfestbesuch in Xanten zusammengeschlagen worden sind, konnten von der Polizei wegen ihrer Verletzungen noch nicht vernommen werden. Die Täter sind flüchtig. Das Fest geht aber weiter. Von J. Isringhaus, H. Jasper, D. Möwius und C. Schwerdtfeger

In Xanten-Wardt ist von Großstadt wenig zu spüren. Die Menschen dort fühlen sich als Dörfler; viele pendeln täglich in die nahe gelegenen Städte. Eines der größten Ereignisse ist das jährliche Oktoberfest, wohl das größte in Nordrhein-Westfalen. Dann drängen sich an vier Wochenenden Tausende Menschen im Festzelt. Auch in der Nacht von Freitag auf Samstag war die Stimmung der 4700 Gäste ausgelassen.

Doch offenbar bekamen nur ganz wenige Besucher das blutige Drama mit, das sich neben dem Festgelände abspielte: Fünf bis sechs junge Männer sollen, so die bisherigen Ermittlungen der Polizei, drei Familienväter (zwischen 35 und 40 Jahren) gegen 0.30 Uhr von ihren Fahrrädern gerissen, niedergeschlagen und die am Boden Liegenden mit Tritten so schwer verletzt haben, dass sie in Krankenhäuser gebracht werden mussten. Die Opfer erlitten laut Polizei Kiefer-, Nasenbein- und Trümmerbrüche.

Opfer konnten bislang nicht aussagen

Noch immer fehlt von den Tätern jede Spur. Zeugen, so berichtet es die Polizei, hätten einen osteuropäischen Akzent herausgehört. Weitere Angaben zu den Tätern konnten die Zeugen aber offenbar nicht machen. Die Opfer selbst konnten wegen ihrer schweren Verletzungen bislang noch nicht zum Tatgeschehen aussagen. "Sie werden in den nächsten Tagen von uns vernommen", so ein Polizeisprecher.
Bei Betreiber und Besuchern des Oktoberfestes wie auch bei vielen anderen ist das Entsetzen über die Tat groß. Auf Facebook gibt es zahlreiche Einträge: "So etwas gab es bisher noch nicht im Zusammenhang mit dem Besuch unserer Oktoberfeste", betont Wilfried Meyer, Geschäftsführer des Freizeitzentrums Xanten (FZX).

Am Tatort: Die drei Xantener wurden an der Ecke Am Meerend/Am Kerkend zusammengeschlagen. Im Hintergrund sieht man das Festzelt. FOTO: Fischer, Armin

Bislang habe es in den vergangenen Jahren nur Rangeleien auf den Parkplätzen gegeben, sagt er. Meyer betont aber, dass sich der brutale Überfall nicht auf dem Festivalgelände ereignet habe. "Wir sind für unser Gelände verantwortlich, haben dort die Zahl der Sicherheitskräfte schon erhöht, haben ein Sicherheitskonzept, stehen in Funkkontakt mit dem Security-Personal auch auf den Parkplätzen", sagt er. "Wir können nicht auch noch für die Sicherheit der Besucher auf dem Heimweg sorgen", betont der Xantener Oktoberfest-Chef. Der Tatort liegt allerdings in Sichtweite zum Festzelt. Nahe der Stelle, wo die drei Xantener zusammengeschlagen worden sind, halten unter anderem die Shuttle-Busse für die Besucher. Ein Schild weist dort den Weg zu den Parkplätzen.

Zahl der brutalen Angriffe nimmt zu

Für die Polizei ist die Brutalität der Attacke nichts Neues. Zwar gehe die Gesamtzahl der Gewalttaten zurück, es werde heute aber wegen Nichtigkeiten schneller geschlagen als früher, sagt Arnold Plickert, NRW-Landesvorsitzender der Gewerkschaft der Polizei. Die Qualität der Taten habe sich zudem verändert. Als Beispiel nennt er die Gewalt unter Hooligans. "Früher hat man sich gegenseitig geboxt, bis einer am Boden lag, und dann von ihm abgelassen", erklärt Plickert. Heute würden die brutalen Angriffe auch noch gefilmt und als Trophäe ins Internet gestellt werden.

Obwohl die Schläger noch flüchtig sind, die Opfer im Krankenhaus liegen und die Betroffenheit allgemein groß ist, geht das Oktoberfest in Xanten weiter. Übermorgen zunächst mit einem Fest für Kinder und am Freitagabend, eine Woche nach der Tat, mit der Wiesn-Gaudi.