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Xanten
Pilgern im Zeichen der gelben Muschel

Xanten: Pilgern im Zeichen der gelben Muschel
Motiviert sind die Teilnehmer von Zyfflich bis Moers gelaufen. Die berühmte gelbe Jakobsmuschel, Zeichen des Pilgerns, hat sie begleitet. FOTO: Laura van den Berg
Xanten. 30 Grad im Schatten. Vor der Wallfahrtskirche in Marienbaum gibt es kaum Schatten. Und die Kirche ist wegen Bauarbeiten abgeschlossen. Dort kann man also auch keine Abkühlung finden. Auf einer Bank legt eine junge Frau ihr Bein hoch. Bremsen-Stich.

"Soll ich Dich lieber fahren?", fragt Begleiter Klemens Kreutz besorgt. "Nein, ich habe gesagt, ich laufe, also laufe ich auch. Ich ziehe das durch", entgegnet sie. Pure Entschlossenheit klingt aus ihrer Stimme. Kreutz fährt ohne sie weiter - wie geplant bringt er das Gepäck zum nächsten Zielpunkt, wo die Teilnehmer später übernachten werden.

Dass die Pilger der Caritas Wohn- und Werkstätten Niederrhein (CWWN) körperlich oder geistig beeinträchtigt sind, fällt auf den ersten Blick kaum auf. Voller Energie begeben sie sich nach der kurzen Pause weiter auf den Jakobsweg von Zyfflich nach Moers. "Wo müssen wir denn lang?", fragt eine Betreuerin. "Da, wo die Muschel ist", ruft einer. Mit großen Schritten läuft er zum nächsten Straßenschild und deutet auf eine blaue Tafel, auf der eine gelbe Muschel mit der Aufschrift "Pilgerweg" abgebildet ist.

Die Jakobsmuschel ist das Symbol des Pilgerns. Auch die Pilger der CWWN haben alle eine am Rucksack befestigt. Diese wurde am Anfang der Reise in Zyfflich gesegnet und begleitet die 14-köpfige Gruppe auf den insgesamt 110 Kilometern nach Moers eben nicht nur in Form von Straßenschildern.

Sieben Tage lang. Trotz Temperaturen von 30 Grad und Unwetterwarnung. Auch wenn das Wetter wechselhaft gewesen sei, habe keiner aufgegeben, sagt Vanessa Tepaß, die die Gruppe begleitet: "Ich bin stolz auf jeden einzelnen Teilnehmer." Die CWWN biete ihren Mitarbeitern unterschiedliche Urlaubsfahrten an, darunter eben auch den Fußweg von Zyfflich nach Moers.

Die Gründe, sich für den Jakobsweg zu entscheiden und nicht beispielsweise für eine Städtereise, klingen ähnlich: "Ich wollte mal etwas Anderes sehen als die Innenstadt", sagt Steffen Becker (39). Auch die Natur habe den Pilgern einen Anreiz gegeben, mitzulaufen - trotz der Strapazen.

Die Besonderheit dieser Aktion im Vergleich zu den anderen Angeboten sei, dass es kein örtliches Ziel gebe, von dem aus verschiedene Ausflüge unternommen werden, sagt Andrea Emde von der Caritas: "Hier ist der Weg das Ziel." Deutlich wird im Laufe der Wanderung, dass alle mit Leidenschaft und großer Freude unterwegs sind. "Aber man ist schon froh, wenn man am Ende des Tages im Bett liegt. Da weiß man, was man getan hat", sagt der 34-jährige Jörg Goutnik. Seine Kollegen, die neben ihm stehen, nicken zustimmend.

(pbm)
 
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