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Xanten
Plünderkiste für Fans ein Riesenerfolg

Xanten: Plünderkiste für Fans ein Riesenerfolg
Nils Bartels, einer der drei Unternehmensgründer, zeigt den Inhalt eines der Fan-Pakete, die "Lootchest" genannt werden. FOTO: EVERS/DPA/Pixabay
Xanten. Die Firma Lootchest verschickt Überraschungspakete mit Werbe-Produkten bekannter Computerspiele, Filme und Serien. Das 2014 gegründete Start-up hat mittlerweile 14 Mitarbeiter. Alles begann in einem kleinen Büro in Rees. Von Joris Hielscher

Ein Schlüsselanhänger zu der kultigen Filmreihe "Zurück in die Zukunft", ein T-Shirt zu einem Comic-Superhelden, eine Figur zu dem Videospiel-Klassiker "Mortal Kombat" oder ein Lufterfrischer in Batman-Form - die Pakete, die das Gocher Unternehmen "Lootchest" verschickt, sind ohne Frage etwas für Liebhaber von Video- und Computerspielen, Comics oder angesagten Serien aus den USA wie "Walking Dead" oder "Game of Thrones". Das Besondere dabei: Die Käufer erhalten das online bestellte Paket einmal im Monat per Post, ohne zu wissen, was drin sein wird. Es ist also eine Art Wundertüte für Nerds und Geeks - die englischsprachigen Begriffe beschreiben sowohl Computerfreaks als auch Fans von Science-Fiction und Fantasy.

Diese Fankultur, die durch die US-Serie "The Big Bang Theory" (Englisch für "Die Urknalltheorie") bekannt geworden ist, etabliert sich zunehmend hierzulande. Davon profitiert die Gocher Firma "Lootchest" (englisch, bedeutet soviel wie "Plünderkiste"), die seit ihrer Gründung vor zweieinhalb Jahren rasant gewachsen ist. Das Start-Up hat mittlerweile rund 8000 Kunden - die meisten bestellen die Boxen als sechsmonatiges Abo - und beschäftigt 14 Mitarbeiter. Der Jahresumsatz liegt nach eigenen Angaben bei über zwei Millionen Euro.

Vor kurzem hat die Firma ein Geschäft in der Klever Innenstadt eröffnet. Und ein Büro in den Niederlanden berät Kunden auf Holländisch. Vom Gocher Gewerbegebiet aus werden Kunden in mehreren europäischen Ländern mit Gimmicks aller Art - Tassen, Plakaten, Sammelfiguren - zu beliebten Filmen, Serien und Videospielen beliefert.

"Wir sind selber Gamer und Geeks und haben solche Produkte vermisst", sagt Jörn Bartels, der Lootchest zusammen mit seinem Bruder Nils und einem weiteren Partner gegründet hat. So sei ihnen die Idee gekommen, Merchandising-Artikel anzubieten, die es bislang nicht in Deutschland gebe oder die nur sehr teuer zu bekommen seien. Anstatt eines normalen Online-Handels entschieden sie sich für das Modell mit Überraschungsboxen, die vorzugsweise als Abonnement angeboten werden. "Weil der Kunde nicht weiß, was er bekommt, entsteht ein besonderes Kauf-Feeling", sagt Bartels. Zudem wirbt die Firma damit, dass sie die Merchandising-Produkte unter dem Marktpreis anbiete, weil sie große Mengen bestelle, und verspricht einen Mehrwert von bis zu 20 Euro. "Die Idee haben wir aus den USA", erklärt der 34-Jährige, der in Kleve geboren ist und in Emmerich lebt. 2012 ging dort die Firma "Loot Crate" an den Start und verschickt mittlerweile monatlich 600.000 Pakete in über 35 Länder. Der Wert des US-Unternehmens wird auf über 100 Millionen Euro geschätzt.

Von solchen Dimensionen ist die Gocher Firma weit entfernt, dennoch ist deren Entwicklung beachtlich. Ohne Fremdkapital fingen sie im Frühjahr 2014 zu dritt an. In einem kleinen Büro in Rees arbeiteten die drei Gründer anfangs nur nebenbei. Bekannt wurden sie durch Mund-zu-Mund-Propaganda und vor allem durch die sozialen Netzwerke, denn Geld für Werbung hat das Start-up nicht. So finden sich auf der Videoplattform Youtube tausende Videos zu der kleinen Gocher Firma. Bekannte Youtube-Stars filmen sich dabei, wie sie die "Lootchest"-Pakete öffnen und jeden einzelnen Fanartikel ausführlich kommentieren. Auf Facebook tauschen sich 1600 Mitglieder in einer "Lootchest"-Fangruppe über den Inhalt der Boxen aus. "Durch die sozialen Medien bekommen wir genau mit, welche Produkte gut ankommen", erklärt Bartels, der sich vor allem ums Marketing kümmert. Er selbst ist auch in der Gruppe aktiv und startet regelmäßig Umfragen, wie die Nutzer die monatlichen Boxen bewerten und welche Serie gerade besonders angesagt ist. "So können die Kunden direkt Einfluss nehmen." Diese seien in der Regel zwischen 25 und 40 Jahre alt.

Obwohl sich das Unternehmen als Online-Händler versteht, hat es Anfang Oktober ein Geschäft mitten in der Klever Fußgängerzone eröffnet. Dort werden sowohl die Boxen als auch Artikel, die nicht in den aktuellen Paketen zu finden sind, verkauft. "Wir wollen den Namen bekannter machen und Kunden ansprechen, die nicht online shoppen", sagt der 34-Jährige. Die Gocher Firma will kontinuierlich wachsen, in der Überlegung sind weitere Geschäfte. Der Niederrhein sei logistisch gut angeschlossen und die Nähe zum Ruhrgebiet, wo wichtige Hersteller sitzen, ein großer Vorteil, erklärt Bartels. Denn mittlerweile biete "Lootchest" auch exklusive Produkte an.

Im Gocher Gewerbegebiet werden Fan-Artikel entwickelt, die Menschen überall in Europa Spaß bringen sollen. Und vielleicht entsteht hier zwischen Lagerhallen und Autohäusern ein ganz neuer Trend.

Quelle: RP
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