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Kreis
Polizei stoppt illegales Autorennen in Wesel

Kreis. Zwei 19-jährige Autofahrer haben sich ein Rennen geliefert. Auf dem Südring waren sie mit 121 Sachen unterwegs. Einer befand sich noch in der Probezeit. Von Sebastian Peters

wesel Mit Spitzengeschwindigkeiten von 121 Kilometern pro Stunde haben sich zwei 19-Jährige in Wesel ein Rennen geliefert. Aus Richtung Lippeschlösschen kommend rasten sie über den Ring, lieferten sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Für ihr kriminelles Handeln müssen sie jetzt büßen. Beide verlieren ihren Führerschein. Ein hohes Bußgeld droht. Einer der beiden Fahrer befand sich noch in der Probezeit.

Der Fall wirft ein Schlaglicht auf die Raserszene in NRW, die nach Schilderung von Insidern auch im Kreis Wesel aktiv ist. Der Vorfall geschah bereits am Sonntag gegen 21.30 Uhr, erst am Dienstag machte die Polizei darauf aufmerksam. Einem zivilen Videofahrzeug der Polizei seien die zwei hochmotorisierten Fahrzeuge auf der Dinslakener Landstraße aufgefallen, als sie mit überhöhter Geschwindigkeit aus Richtung Voerde stadteinwärts in Richtung Oberndorfstraße unterwegs waren.

Bei gleichbleibend hoher Geschwindigkeit hätten sie dort trotz durchgezogener Linie mehrere Fahrzeuge überholt, ehe eine rote Ampel an der Kreuzung Oberndorfstraße / Schillstraße / Südring die beiden kurzfristig ausbremste. In Pole-Position hätten die beiden zunächst nebeneinander angehalten, um bei Grünlicht sofort wieder Gas zu geben. "Nebeneinander, Kopf an Kopf, heizten sie über den Südring", heißt es im Polizeibericht. Dort sei die Geschwindigkeit von 121 Kilometern pro Stunde gemessen worden, abzüglich der Toleranz immer noch 66 zu schnell. Tempo 50 ist auf dem Südring in Wesel vorgegeben.

In Höhe der Fischertorstraße am Rande der Weseler Innenstadt konnten die Polizisten das Privatrennen beenden. Die beiden 19-Jährigen sind befragt worden, haben aber noch keine Gründe für ihr Rennen genannt. Beide müssen jetzt mit hohen Bußgeldern rechnen - wegen eines nicht genehmigten Rennens und vorsätzlicher Geschwindigkeitsüberschreitung. Die Polizei stellt im Pressebericht weiterhin die Frage, ob die Heranwachsenden überhaupt geeignet sind, ein Fahrzeug im Straßenverkehr führen zu dürfen.

Die Polizei nahm den Fall zum Anlass, auf die Gefahr von illegalen Autorennen hinzuweisen. Zuletzt hatte es im Juni in Mönchengladbach einen Fall gegeben, bei dem eine Person bei einem illegalen Autorennen auf der Straße ums Leben kam. Ein unbeteiligter Fußgänger (38) wurde von einem Raser erfasst. In Städten wie Köln hat sich nach mehreren illegalen Autorennen - teilweise mit tödlichem Ausgang - eine Ermittlungsgruppe bei der Polizei gebildet, die die Raserszene in Schacht zu halten versucht.

Eine generelle Raserszene gebe es in Wesel nicht, teilte die Polizei Wesel auf Anfrage mit. Die Landstraßen rund um Wesel, etwa die B 8 in Richtung Rees, würden zwar zum Rasen verleiten. Dass dies gehäuft vorkommt, könne aber nicht beobachtet werden. Im Fall der beiden 19-Jährigen könne es auch spontaner Übermut gewesen sein, der zum Rasen veranlasste. Sie müssten nicht mal Teil der Raserszene sein.

Ein Insider der Tuning-Szene in Wesel, die nicht mit der Raserszene unter einen Hut gesteckt werden will, berichtete unserer Redaktion gestern, dass es sehr wohl im Kreis Wesel und in den Nachbarkreisen eine Raserszene gebe. Beliebte Strecken seien etwa die Industriegebiete wie der Schornacker, die A 3, das Centro in Oberhausen sowie die Bundesstraße 8 in Duisburg-Marxloh. "Da sind jeden Abend offene Rennen und ich weiß von Leuten die dort mit 160 anstatt mit 50 km/h gefahren sind."

Generell dürfe aber die Tuning-Szene, die in Wesel sehr aktiv ist, nicht mit der Raserszene gleich gesetzt werden, sagte der junge Mann, der anonym bleiben wollte. "Raser kaufen sich ein Auto, meist von der Stange mit viel PS, und wollen sich durch ihre Leistung messen. Dies geschieht bei denen in Rennen im öffentlichen Raum. Wir Tuner sind jedoch eine komplett andere Szene. Unser Hobby ist der automotive Lifestyle, mit Freunden seine Autos umbauen und verändern. Rein vom logischen Gedanken her - durch Tieferlegungen, Spurplatten und dicke Reifen - ist es uns oftmals gar nicht möglich, schnell zu fahren, zumal wir bei Bodenwellen etc. unsere geliebten Autos gefährden und das will keiner von uns." Raser erkenne man oftmals nicht, weil es Serienfahrzeuge sind. Es gebe auch unter den Tunern schwarze Schafe. "Aber im Grunde sind wir die richtigen Tuner nur mit Herz und Seele an der Veränderung und der Individualisierung der Fahrzeuge interessiert. Nicht an primitiven Rennen und schon gar nicht an solchen personengefährdeten Aktionen."

Quelle: RP
 
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