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Xanten
Pommes Drießen macht Schluss

Xanten: Pommes Drießen macht Schluss
Am Freitag geht eine Ära zu Ende: Imbiss-Inhaber Norbert Drießen und seine Lebensgefährtin Marita Machwitz (sitzend) hatten zum Schluss ihre Mitarbeiterinnen noch einmal eingeladen um sich bei ihnen zu bedanken. Einige waren mehr als 30 Jahre für ihn tätig. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Wechsel nach 35 Jahren: Pächter des Gotischen Hauses übernimmt den Imbiss an der Kurfürstenstraße in Xanten. Von Heidrun Jasper

Einmal Currywurst, Pommes, Mayo: Damit ist ab Freitag Schluss. Zumindest vorübergehend. Norbert Drießen, der 35 Jahre lang den Imbiss an der Kurfürstenstraße betrieben hat, hört auf, zieht sich ins Rentnerleben zurück. Genau wie sein Bruder Gerhard, der an der Kalkarer Straße in Marienbaum einen Imbiss führt: Er stellt Ende September und ebenfalls nach 35 Jahren den Strom für die Fritteuse in seiner Grillstube ab.

So ganz weg ist Norbert Drießen aber nicht: Nach wie vor wird er auf dem Xantener Weihnachtsmarkt seinen gerühmten Grünkohl servieren. Stellt sich die Frage: Warum macht er den Imbiss nicht weiter? Sohn Heiko und Tochter Ramona wollen nicht übernehmen. Der Pachtvertrag fürs Kurfürstenstübchen läuft aus. Er hätte ihn noch einmal um fünf Jahre verlängern müssen. Aber das wollte der 62-Jährige nicht. Er war mit 27 ins kalte Wasser gesprungen und hatte sich selbstständig gemacht, damals das Ladenlokal an der Kurfürstenstraße komplett renoviert und am 1. Dezember 1981 die erste Portion Fritten verkauft.

Mit einem Imbisswagen waren er und sein Bruder vorher über die Kirmes in Lüttingen, Marienbaum und Vynen gezogen. "Wurst und Hähnchen, das lag uns irgendwie im Blut", erzählt Norbert Drießen, der wie sein Bruder Gerhard auch den Meisterbrief im Fleischerhandwerk gemacht hat. Die ersten zehn Jahre hatte Drießen seinen Imbiss sieben Tage die Woche offen, danach war - bis heute - mittwochs Ruhetag. Ein letztes Mal hat Norbert Drießen jetzt seine Mitarbeiterinnen eingeladen, alle. Die ehemaligen ebenso wie die derzeitigen festen Kräfte und sechs Aushilfen.

Renate Reis war am längsten bei ihm beschäftigt, 31 Jahre hat sie hinter der Theke gestanden. 30 Jahre hat Eva Becker Pommes ins heiße Fett geschaufelt, die Bratwurst in kleine Stücke geschnitten, die vorbestellten Hähnchen eingetütet.

Morgenabend schließt Norbert Drießen die Tür ab. Endgültig. Er freut sich mit Lebensgefährtin Marita Machwitz darauf, endlich mehr Zeit zu haben für all' die Dinge, für die er nie oder selten Zeit hatte: das Haus, den Garten, die Fische im Teich, Urlaub. Und darauf, mit den Enkeln Amelie - sie wird zwei - und Sofia - gerade mal zehn Wochen auf der Welt - mehr Zeit zu verbringen.

Gerhard und Manuela Neuhäuser vom Gotischen Haus wollen das Ladenlokal an der Kurfürstenstraße übernehmen. "Es bleibt ein klassischer Imbiss", sagt der 55-jährige Österreicher, der im legendären Hotel Sacher in Wien Koch gelernt hat. Einen Monat lang will er renovieren. "Wir haben unseren eigenen Stil", sagt er. Neuhäuser ist überzeugt, dass auch seine Soßen den Geschmack seiner Kunden treffen werden. Schaschlik, Hamburger, frische Schnitzel stehen ebenso auf seiner Speisekarte wie Pommes, Hähnchen vom Grill. Und Wurst. "Es gibt keinen Koch, der nicht gerne auch 'ne Currywurst isst", so der Gastronom. Und es wird ein täglich wechselndes Mittagsgericht geben - auch zum Mitnehmen.

Am 1. September wollen Gerhard und Manuela Neuhäuser den Imbiss an der Kurfürstenstraße als Selbstbedienungsrestaurant wieder eröffnen. In Zukunft wird montags Ruhetag sein, genau wie im Gotischen Haus nebenan.

Quelle: RP
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