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Sonsbeck
Porzellandoktorin kittet alte Schätzchen

Sonsbeck: Porzellandoktorin kittet alte Schätzchen
Claudia Kurfürst mit einer Porzellan-Henne. Wenn die Porzellan-Doktorin viele Einzelteile zusammensetzt, ist sie immer wieder neugierig auf das Ergebnis. FOTO: Armin Fischer
Sonsbeck. Claudia Kurfürst ist Restauratorin. Sie repariert Porzellan und erstellt Expertisen. Die Werkstatt der studierten Wirtschaftswissenschaftlerin, Lehrerin und Schmuck-Designerin in Sonsbeck gleicht einem Museum. Von Rita Hansen

Von der Lieblingsteekanne bis zu Stücken aus mehreren Jahrhunderten landen bei Claudia Kurfürst und Porzellanmalerin Anne Gelteit auf dem Werktisch. Eine bunte Sammlung Pinsel, kleiner Farbtöpfe sowie filigranem Werkzeug deutet auf Fingerspitzengefühl bei der Arbeit der beiden Frauen hin. Manches Objekt, das in die Porzellanklinik an der Wiegestraße gebracht wird, gleicht nur noch einem großen Puzzlespiel. Kaum vorstellbar, dass das je wieder zusammensetzt werden kann.

Je ungewöhnlicher das Exemplar, umso mehr ist die Neugierde der Sonsbeckerin geweckt. Das "Wissen-Wollen" bestimmt seit der Schulzeit ihre ungewöhnliche Laufbahn. Nach dem Abitur studierte sie Wirtschaftswissenschaften. Fit in den Sprachen Englisch und Französisch kam sie durch ein Projekt eines Professors nach Kanada. Wenig später absolvierte sie ein Auslandsjahr in den USA, machte dort ihr Examen an der University of South Dakota.

Wieder in Deutschland startete sie als Kongresskoordinatorin in Würzburg und arbeitete anschließend in unterschiedlichen leitenden Positionen in Soest, Chemnitz und Düsseldorf. "Dann habe ich mich selbstständig gemacht, weil mir in all den Jahren das handwerkliche Arbeiten gefehlt hat. Da kam mir der Verkauf der Porzellanklinik in der Moerser Trotzburg gerade recht." Claudia Kurfürst ließ sich als Restauratorin ausbilden. In den folgenden Jahren zog sie mit der Werkstatt nach Alpen, baute den Kundenstamm bundesweit aus. Und dann folgte der Umzug nach Sonsbeck - zu einem denkbar ungünstigsten Moment. Aber das konnte Claudia Kurfürst im Vorfeld nicht ahnen. "Ich habe das große Heulen bekommen", erinnert sich die Porzellanrestauratorin. Denn der Umzug ging sprichwörtlich baden, fand er doch zur Zeit des Hochwassers in Sonsbeck und Alpen statt. Erste Kisten standen bereits in der neuen Werkstatt in Sonsbeck. Die Sachen, an denen aktuell gearbeitet wurde, befanden sich noch in der Werkstatt in Alpen, als beide Werkstätten durch den Starkregen im Juni 2016 vollliefen. Drei Monate Zwangspause ergaben sich auf diese Weise. Denn in Sonsbeck mussten neben der Elektrik auch die Böden erneuert werden. Die sind inzwischen wieder mit Porzellanstücken aller Art zugestellt, die dort auf ihre Reparatur oder Restaurierung warten.

Nebenher bietet die Allrounderin Schatz- und Schätzchentage in Münster, Hamburg und Lübbeck an, bei denen sie Expertisen erstellt. Breit gefächert, aber nicht genug für die ruhelose Hobby-Schmuckde-signerin. Durch einen ungeklärten Zufall führte man sie in Niedersachsen im Verzeichnis für Lehrer-Quereinsteiger auf Abruf. Als die erste Anfrage kam, probierte Claudia Kurfürst auch das aus. Und fand Gefallen daran. Zwei Jahre unterrichtete sie danach an der Alpener Hauptschule, derzeit vermittelt sie ihr Wissen an einer Duisburger Realschule. "Ich habe noch nie gewusst, wohin die Reise geht. Das ist Fluch und Segen zugleich", erklärt sie lachend - und hält sich damit noch alle Optionen offen.

Quelle: RP
 
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