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Sonsbeck
Postkarten erzählen Ortsgeschichte(n)

Sonsbeck: Postkarten erzählen Ortsgeschichte(n)
Diese Postkarte belegt: Sonsbeck war mal ein "Luftkurort". FOTO: OO
Sonsbeck. Christiane und Thomas Grütters haben die Postkartensammlung von Theo Laakmann diesmal nach allem durchforstet, was Licht ins Dunkel um die Geschichte des Sonsbecker Aussichtsturms bringt. Morgen wird die Ausstellung eröffnet. Von Rita Hansen

Erneut haben Thomas und Christiane Grütters die umfangreiche Postkartensammlung von Theo Laakmann durchforstet. Nach der Geschichte der Sonsbecker Marktlinde war ihr Thema diesmal eigentlich der Aussichtsturm. Doch schnell stellten Thomas und Christiane Grütters fest, "dass so viel mehr daran hängt an Geschichten wie Menschen". Gleichzeitig mit dem Aussichtsturm entstand das Bergfest, erstmals gefeiert 1910 zur Einweihung des Turmes. Gebaut wurde der Turm von Sonsbecker Handwerkern, finanziert vom Heimat- und Verkehrsverein Sonsbeck.

Mit einem Schmunzeln präsentiert Thomas Grütters stolz eine Karte von Arbeiten am Turm, die mit dem Schriftzug "Luftkurort Sonsbeck" versehen ist. "Also bereits 106 Jahre vor Xanten." Zu sehen ist die Postkarte in der gemeinsamen Fotoausstellung der Gemeinde Sonsbeck und des Vereins für Denkmalpflege, die am Samstag, 8. Oktober, um 11 Uhr wird im Foyer des Rathauses eröffnet wird.

Christiane und Thomas haben die Postkarten der Laakmann-Sammlung nach der Geschichte des Aussichtsturmes durchforstet. RP-Foto: Olaf Ostermann FOTO: Grütters

Lange hat Thomas Grütters nach dem genauen Datum der Aussichtsturm-Einweihung geforscht. Es war der Text einer der Postkarten, der das Rätsel schließlich löste. Ein an den "Zögling Roghmann, Gaesdonck" gerichteter Gruß berichtet von der bevorstehenden Eröffnung des Turmes am nächsten Sonntag. Anhand des Poststempels habe man so den 31. Juli 1910 ermitteln können, berichtet der Sonsbecker.

Die Frage nach dem genauen Datum jenes Tages, an dem der ersten Turm eingestürzt ist, bleibt hingegen weiter unbeantwortet. "Wir wissen nur, dass er nach einem schweren Sturm Anfang der 20er Jahre teilweise eingestürzt ist. Die Reste des Turmes standen noch bis zum Ende der 20er Jahre", berichtet Thomas Grütters über den Stand seiner Recherchen in dieser Sache.

Zu diesen gehörte auch ein Treffen mit alteingesessenen Sonsbeckern. Mit deren Hilfe konnten auf den Bildern Personen aus Familien wie Topoll, Voss, Lensing oder Holt-appels benannt werden. Je tiefer sich Thomas Grütters in die Thematik einarbeitete, desto mehr faszinierte sie ihn. So fand er beispielsweise heraus, dass von dem 56. Infanterie Regiment, aus dessen Reihen 59 Musiker zur Turmeinweihung gespielt hatten, nur zwei Offiziere und 26 Soldaten unverwundet aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten. Oder dass der Turm zwischen 1914 und 1916 kurzfristig zum Wachturm umfunktioniert worden war.

Nach der Einweihung feierten die Sonsbecker bis 1925 jedes Jahr ein Bergfest. Einige Postkarten zeigen Prozessionen, die zum Fest ziehen, oder Bürger, die mit Kutschen hinaufgefahren werden. "Die Postkarten sind wie Fotografien aus Familienalben. Das wäre heute so gar nicht mehr möglich, dass man Personen aufnimmt und die Aufnahme dann als Postkarte verschickt", erklärt Heinz-Peter Kamps, Vorsitzender des Vereins für Denkmalpflege.

"Die Bilder zeigen auch ein Stück Feierkultur in Sonsbeck", weist Christiane Grütters auf geschichtliche Aspekte hin. Die Frauen trugen in den 20ern kurze Röcke, wenige Jahre später waren die Damen wieder deutlich konservativer gekleidet. Je mehr man bei den Nachforschungen in die Tiefe gehe, desto mehr Quergeschichten würden sich ergeben. Die Zusammenstellung der Exponate soll "kurz und knackig" sein, so das Konzept. Thomas Grütters: "Die Ausstellung soll nicht zu groß und damit langweilig werden, sondern spannend sein."

Quelle: RP
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