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Xanten
Preußische Disziplin und Prügelstrafe

Xanten: Preußische Disziplin und Prügelstrafe
Heinz Breuer war von 1957 bis 1959 Schüler des Xantener Stiftsprogymnasiums, eines Internats ausschließlich für Jungen, das hinter dem heutigen Rathaus stand. FOTO: arfi
Xanten. Heinz Breuer berichtete bei der Senioren Union Xanten aus seiner Schulzeit in den 50er Jahren im Stiftsprogymnasium. Von Erwin Kohl

Auch in diesem Jahr bietet die Xantener Senioren Union ihren Mitgliedern wieder ein attraktives und abwechslungsreiches Programm. Höhepunkte sind die Besichtigung der schönsten Wasserschlösser des Münsterlandes (19. Mai) sowie die Fahrt nach Brüssel und Gent (30. Juni) mit einem Besuch des Europäischen Parlaments. Daneben bieten die regelmäßig stattfindenden Stammtische im Hotel van Bebber kurzweilige Unterhaltung. Jetzt war mit dem Weseler Heinz Breuer der stellvertretende Kreisvorsitzende der Senioren Union in Xanten zu Gast.

Breuer war von 1957 bis 1959 Schüler des Xantener Stiftsprogymnasiums, das damals ein reines Jungeninternat war. Es stand hinter dem heutigen Rathaus. Das Verwaltungsgebäude kennt Breuer nur zu gut: "Das war damals das St.-Norbert-Heim, da haben die Schüler gelebt, die wie ich nicht aus Xanten stammten. Dort, wo heute die Information ist, war früher der Speisesaal."

Von der Romantik einer Jugendherberge war die Unterkunft allerdings weit entfernt. Preußische Disziplin und die Prügelstrafe bestimmten den Alltag. "Wir haben mit 50 Jungen in einem Schlafraum übernachtet, um 21 Uhr war Bettruhe,, um 6.30 Uhr Wecken, und vor dem Frühstück wurde kontrolliert, ob die Hände sauber und die Schuhe geputzt sind", erinnert sich der 73-Jährige. Außerdem gab es regelmäßig Spindkontrollen. Alles musste akkurat gefaltet in den vier Einlegeböden liegen. "War das nicht der Fall, schmiss der Präfekt alles auf den Boden, und man konnte von vorne anfangen", erinnert sich Breuer. Zu verdanken hatte er seine Xantener Internatszeit übrigens einem einzigen Schulfach. "Meine Lateinnote tendierte Richtung Fünf. Da hat mein Vater mich hierher geschickt, weil ich ungestört lernen sollte", so Breuer.

Ursprünglich als Einrichtung für Vertriebene aus Ostpreußen gedacht, entwickelte sich das Stiftsprogymnasiums schnell zur Eliteschule. Diese Ansicht zumindest vertrat so mancher Lehrkörper. "Unser Lateinlehrer Fischer hat immer gesagt: Wenn der Vater ein Moped reitet, meint er gleich, er müsse seinen Sohn zum Gymnasium schicken."

Besagter Lateinlehrer, den die Schüler nur "Piscator" (lat.: "Fischer") nannten, hatte aber noch eine andere Marotte. "Bei Klassenarbeiten stellte er sich auf den Tisch und beobachtete uns wie ein Adler, damit ja keiner abschreiben konnte", erinnert sich der Vermessungsingenieur im Ruhestand.

Die einzige Freizeit bestand für die Schüler aus vier Stunden am Sonntagnachmittag, dann gingen sie oft in die Stadt. "Wie war denn der Kontakt zur Marienschule?" fragte einer der Zuhörer. "Es waren schon Kontakte da, aber wir waren damals noch sehr gehemmt", gesteht Breuer kleinlaut. Sein Fazit: "Im Nachhinein betrachtet war das eine schöne Zeit, aber man hat uns schon ganz schön getriezt und kurz gehalten."

Quelle: RP
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