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Sonsbeck
Primus – einen Versuch wert?

Sonsbeck. Alle Weichen stehen auf Gründung einer Gesamtschule Xanten-Sonsbeck. Die Sonsbecker FDP schert aus dem Chor der Befürworter aus. Sie plädiert für eine Bewerbung der Gemeinde am neuen NRW-Schulprojekt. Von Josef Pogorzalek

Es erinnert an Don Quijotes Kampf gegen die Windmühlenflügel. Nur dass der Mann aus La Mancha glaubte, er könne gewinnen. Ralf van Stephaudt, FDP-Mann im Sonsbecker Schulausschuss, weiß dagegen: "Wir haben kaum Chancen." Dennoch wird er nicht müde, sich für eine Alternative zur geplanten Gesamtschule Xanten-Sonsbeck einzusetzen: die Primus-Schule, wie sie in NRW getestet wird.

Auffälligstes Merkmal der Primus-Schule: Sie umfasst alle Jahrgänge von Klasse eins bis zehn. In Sonsbeck könnten also (so die FDP) Grund- und Hauptschule zusammengefasst werden. "Das wäre eine echte Sonsbecker Schule", sagt van Stephaudt.

Als Teilstandort der Gesamtschule bliebe man ein "Anhängsel Xantens". Zudem würde durch eine Teilnahme am Landesversuch Sonsbeck als Schulstandort für zehn Jahre gesichert; auf diesen Zeitraum ist Projekt Primus ausgelegt. Eines der Ziele ist es, zu untersuchen, wie in kleineren Kommunen ein "wohnortnahes, finanzierbares Schulangebot" erhalten werden kann – also genau das, worum es in Sonsbeck zurzeit geht.

Die Argumente gegen die Teilnahme am Schulversuch sind jedoch erdrückend. Die Bewerbungsfrist für das Schuljahr 2013/14 ist verstrichen, somit wäre ein Start frühestens 2014/15 möglich – falls Sonsbeck überhaupt für den Versuch ausgewählt würde. Landesweit kommen dafür nur 15 Kommunen infrage. Fraglich ist auch, ob die Sonsbecker Schülerzahlen ausreichen. Drei Parallelklassen pro Jahrgang gelten für die Primus-Schule als Mindestgröße, nur ausnahmsweise zwei. Die S'Grooten-Schule konnte zuletzt nur dank auswärtiger Schüler eine einzige fünfte Klasse aufbieten.

"Eine kleine Primus-Schule wäre Anreiz für Eltern aus dem Umfeld", ist van Stephaudt überzeugt. Bürgermeister Giesbers sieht das anders. "Wir haben die kleine Schule schon in Sonsbeck", sagte er im Schulausschuss. "Aber immer weniger Eltern wollen sie für ihre Kinder." Helga Wüllenweber (BIS) appellierte, die Eltern nicht weiter zu verunsichern. Kinder seien keine Versuchskaninchen. Und Schulrätin Petra Klisch warnte: Die Primus-Schule funktioniere nur da, wo sie nicht die einzige Schule am Ort ist, sondern als Alternative bewusst gewählt werden kann.

Auch organisatorisch und finanziell käme auf die Gemeinde einiges zu. Zwar darf die Primus-Schule zwei Standorte haben, nicht erlaubt ist es aber, einen Teil der Jahrgänge am Standort A und den anderen am Standort B zu unterrichten. Stattdessen müssen die Klassen an beiden Standorten "durchmischt" werden. Dafür setzt die Landesregierung aber eine Vierzügigkeit der Schule voraus – womit wir erneut bei den Sonsbecker Schülerzahlen wären . . .

Ralf van Stephaudt will dennoch die Gesamtschule nicht als einzige Lösung für Sonsbeck hinnehmen. "Vor kurzer Zeit hieß es, die Sekundarschule ist unsere einzige Chance. Jetzt ist es angeblich die Gesamtschule." Da hat er Recht.

(RP/rl)
 
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