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Xanten
Rheinberg war sieben Jahre Kreisstadt

Xanten: Rheinberg war sieben Jahre Kreisstadt
Oben: Sabine Sweetsir mit der Karte des Landkreises Rheinberg von 1856. Unten: Landrat Carl Freiherr von der Rhoer lebte auf Haus Ossenberg. FOTO: Hohl (archiv)
Xanten. Am Sonntag vor 200 Jahren wurde Carl Freiherr von der Rhoer auf Haus Ossenberg zum Landrat ernannt. Sein Amtssitz war das Haus Rheinstraße 41 am Entenmarkt. Es war eine Zeit der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche.

In diesem Jahr wird in vielen Kreisen des Landes Nordrhein-Westfalen das Jubiläum "200 Jahre Landkreise" begangen. Fast in Vergessenheit geraten ist dabei der ehemalige Kreis Rheinberg, der nach dem Übergang der Rheinlande an die Preußen im April 1816 gebildet wurde. Die Stadt Rheinberg möchte gerne an die Ernennung des Carl Freiherr von der Rhoer auf Haus Ossenberg zum Landrat des neuen Kreises am 1. Mai 1816 - morgen vor 200 Jahren - erinnern.

Fast vergessen ist die kurze Geschichte des ehemaligen Kreises Rheinberg, der nach dem Ende der Franzosenzeit von 1816 bis 1823 existierte. Heute können wir uns die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Umbrüche, die die Menschen im Rheinland in der kurzen Zeitspanne von 1794 bis 1816 durchlebten, nur schwer vorstellen. Rheinberg gehörte seit dem 11. Jahrhundert zum geistlichen Territorium von Kurköln, bekam 1233 Stadtrechte und wurde Mittelpunkt des kurkölnischen Amtes Rheinberg. Landesherr war der Kölner Erzbischof. Im späten 18. Jahrhundert galt das System der geistlichen Territorien bereits als veraltet. Doch führten erst die Französische Revolution und die Eroberung des Rheinlandes durch die französischen Revolutionstruppen zur Abschaffung der alten Territorien.

Im Zuge der Besetzung und Annexion der linksrheinischen Territorien durch die Truppen Napoleons kamen die Stadt und das Amt Rheinberg 1794 zu Frankreich. Die Verwaltung wurde nach dem französischen Vorbild der Munizipalverfassung umgebildet, und Amtssprache war nun Französisch. Rheinberg gehörte zum Roerdepartement und lag als Stadt und Kanton Rheinberg im Arrondissement Krefeld. Die alten feudalen Rechtsverhältnisse wurden aufgehoben und durch das fortschrittliche Grundgesetz Code Civil ersetzt, das allen Menschen vor dem Gesetz Freiheit und Gleichheit garantierte.

Der Zivilstand wurde eingeführt und ebenso das metrische System. Es kam zu einem Wandel von Verwaltung und Wirtschaft, der die Franzosenzeit überdauern sollte. Nach der Niederlage der Franzosen in der Völkerschlacht von Leipzig im Oktober 1813 standen die Rheinischen Territorien zunächst unter preußischer Militärverwaltung. Die Beschlüsse des Wiener Kongresses ordneten die Europäische Landkarte neu. Der preußische König Friedrich Wilhelm III. nahm das Rheinland am 5. April 1815 in Besitz.

1816 wurde das Territorium in zwei Provinzen unterteilt: die nördliche Provinz Jülich-Kleve-Berg mit den Regierungsbezirken Düsseldorf, Köln und Kleve und die südliche Provinz Niederrhein mit den Regierungsbezirken Koblenz, Trier und Aachen. Übergeordnet war beiden Provinzen das Oberpräsidium in Koblenz. Am 23. April 1816 gab der Regierungspräsident von Erdmannsdorf in Kleve die Bildung der Kreise des Bezirkes bekannt. Neben Kleve, Geldern, Kempen, Rees und Dinslaken wurde der Kreis Rheinberg mit 25 Bürgermeistereien gebildet. Die Hauptorte waren die ehemaligen französischen Kantone Xanten, Rheinberg und Moers. Der neue Kreis Rheinberg hatte eine beeindruckende Größe: Er war doppelt so groß wie das ehemalige kurkölnische Amt Rheinberg und hatte im Jahre 1817 insgesamt 35.930 Einwohner. Erster und einziger Landrat wurde am 1. Mai 1816 Carl Freiherr von der Rhoer auf Haus Ossenberg. Das Landratsamt richtete von der Rhoer im Stadthaus der Familie am Rheinberger Entenmarkt (Rheinstraße 41, heute Familie Brauer) ein. Leider ist bislang nur wenig zur Person von Carl von der Rhoer erforscht worden, der - wie die anderen Landräte damals auch - kommissarisch ("Kreis-Commissarius") eingesetzt wurde. Geboren im Januar 1781 wurde der Sohn von Caspar Anton von der Rhoer und seiner Frau Maria Ignatia von Wevenlichoven-Sittert am 19. Januar 1781 auf die Namen Carl Ludwig Cornelius Eugen getauft. Später studierte von der Rhoer Jura an der Universität Duisburg und sammelte von 1800 bis 1806 erste Verwaltungserfahrung als Maire (Bürgermeister) der Marie (Bürgermeisterei) Ossenberg. Der überraschend frühe Tod des Rheinberger Landrats von der Rhoer am 20. Januar 1823 führte im September 1823 zum Zusammenschluss des Kreises Rheinberg mit dem Kreis Geldern. In den folgenden Jahrzehnten bemühten sich die Rheinberger immer wieder vergeblich um die Wiederherstellung des Kreises Rheinberg.

Stadtarchivarin Sabine Sweetsir hat die Erinnerungen an die Gründung des Kreises Rheinberg zusammengefasst.

Quelle: RP
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