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Xanten
Rita Süssmuth warnt vor Populismus

Xanten: Rita Süssmuth warnt vor Populismus
Rita Süssmuth sprach in der Heilige Messe im St. Viktor Dom die Sonntagsworte "Selig sind die Barmherzigen". FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die ehemalige Bundestagspräsidentin war im Xantener Dom zu Gast. Unterstützung für Merkels Flüchtlinspolitik. Von Eva Karnofsky

Die ehemalige Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth (CDU) hat am Sonntagabend in Xanten vor Ausgrenzung und Isolation von Menschen gewarnt. Süssmuth war eingeladen, in der Heiligen Messe im St.-Viktor-Dom die Sonntagsworte "Selig sind die Barmherzigen" zu sprechen. Anschließend ging sie in einem Vortrag vor gut 200 Zuhörern auf ihre Erfahrungen im Umgang mit Flüchtlingen und AIDS-Kranken ein und zeigte sich besorgt angesichts der Spaltung der Gesellschaft in Wohlhabende und neue Arme.

In einem Glaubenszeugnis erinnerte sich Rita Süssmuth in der Messe daran, wie sie als Gesundheitsministerin 1987 vor der Aufgabe gestanden hat, die neue Seuche AIDS zu bekämpfen. Sie habe sich damals gegen die Stimmen gewandt, AIDS mit sündhaftem Verhalten gleichzusetzen und obendrein die Kranken zu isolieren. Bereits damals habe sie erfahren, "wie fanatisch Menschen sein können in der Ausgrenzung". Obwohl sie anfangs noch wenig über diese Krankheit bekannt gewesen sei, habe sie eines immer gewusst: "Verhindert Ausgrenzung, verhindert Isolation. Das treibt die Menschen ins Elend. Auch die, die ausgrenzen."

Papst Franziskus mahne ebenfalls, barmherzig zu sein. Damals habe sie etwas Wunderbares erlebt: Sie habe Unterstützung gefunden, nicht primär von ihrer Partei, sondern von Menschen, die sich mit ihr hinter den Gedanken der Vorbeugung gestellt hätten. Die Weiterverbreitung von AIDS konnte eingedämmt werden. Dies habe ihren Glauben gestärkt.

Im anschließenden, sehr engagierten Vortrag ging die 79-jährige Süssmuth kurz auf den Widerstand gegen Frauen in der Politik ein, um dann von einem Flüchtlingslager im Irak zu berichten, das sie mit anderen ehemaligen Abgeordneten bis zu seiner Auflösung in diesem Jahr unterstützt hat. Das Lager sei immer wieder Raketenangriffen ausgesetzt gewesen, doch lange sei kein Land bereit gewesen, die Flüchtlinge aufzunehmen.

Deutschland habe schließlich 98 von ihnen akzeptiert. Das arme Albanien habe dann die Hälfte der Menschen in Wohnungen untergebracht. Süssmuth hat die 2400 Menschen selbst dorthin begleitet: "Es gibt immer wieder Ereignisse, die Hoffnung schöpfen lassen." Rita Süssmuth verteidigte Bundeskanzlerin Angela Merkels Entschluss vom vergangenen Jahr, die Grenzen zu öffnen: "Es musste etwas getan werden, um noch mehr Sterben zu verhindern."

Befragt zum künftigen US-Präsidenten Donald Trump, rief Rita Süssmuth dazu auf, den Populismus schon in den Anfängen zu stoppen. Es gelte einzuschreiten, wenn der Respekt für den anderen fehle. Der Populismus habe aber seine Wurzeln auch in Verwerfungen. "Deshalb müssen wir wieder lernen, uns um die Menschen zu kümmern, die abseits stehen."

Sie zeigte Verständnis dafür, dass sich einige europäische Staaten angesichts hoher Jugendarbeitslosigkeit der deutschen Sparpolitik widersetzten: "Wir handeln in der Welt nicht wie Christen."

Quelle: RP
 
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