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Xanten
Römer-Boote auf Südsee

Xanten: Römer-Boote auf Südsee
Das rekonstruierte römische Fischersegelboot auf der Südsee. Das Freizeitzentrum half beim Stapellauf. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die rekonstruierten Einbäume Philemon und Baucis haben gestern ihren Test im Wasser bestanden: Fischer konnten "Kühlschrank" mitschleppen. Von Heinz Kühnen

Es war schon ein ganz schöner Auftrieb gestern am Hafen Xanten. Überall klickten die Kameras. Und alle Augen waren auf zwei Boote gerichtet, die da zu Wasser gelassen wurden. Es sind originalgetreue Nachbauten von zwei römischen Fahrzeugen, deren Reste im niederländischen Zwammerdam entdeckt worden waren, wo sich in römischer Zeit ein Militärlager befand. Die Frage war, konnten Fischer in der Antike die beiden verbundenen Schiffe gleichzeitig navigieren?

Die Archäologen um Projektleiterin Dr. Gabriele Schmidthuber-Aspöck und den niederländischen Schiffsbaumeister Kees Sars hatten den Booten schon vorweg die Namen Philemon und Baucis gegeben. In Ovids Metamorposen war das ein uraltes, armen Ehepaar, das Göttervater Jupiter aus Dankbarkeit für ihre Gastfreundschaft in eine Eiche und eine Linde verwandelte, damit es sich auch nach dem Leben umarmen konnte. Ein schönes Bild für die Boote, die aus 235 Jahre alten dänischen Eichen erbaut wurden. Die Testfahrten auf der Südsee sollten nun zeigen, ob sie auch als Boote "zusammenhalten" würden.

Die Archäologin Gabriele Schmidthuber-Aspöck und Schiffsbaumeister Kees Sars gratulierten sich gegenseitig zum Erfolg. Rechts ein Blick ins Frischfisch-Boot. FOTO: Fischer Armin

In der Wissenschaft, so Gabriele Schmidthuber-Aspöck ist das nämlich umstritten. Für das schwere, 10,5 Meter lange Fischerboot mit Segeln gibt es zwar genug Quellen, für das Zweitschiff, ein womöglich altes, oder zu rissiges Fahrzeug mit vielen seitlichen Luftlöchern und Luken an Deck aber keineswegs. Dass es am Ufer als wasserdurchfluteter "Frischfisch-Kühlschrank" diente, sei wahrscheinlich, sagt Schmidthuber-Aspöck. Vielleicht aber, so die 34-jährige, in Salzburg aufgewachsene Archäologin, könnten die Fischer mit dem Zweitboot als Anhänger auch hinausgefahren sein.

Die Auflösung gab es am Mittag: Zunächst einmal: Beide Schiffe, die in den letzten Monaten in der Zelt-Werkstatt im Archäologischen Park entstanden waren, schwammen. (Lapidarer Kommentar von Schiffsbauer Sars: "Das habe ich eigentlich erwartet.") Die Navigation des wackligen, weil nur 1,4 Meter breiten Einmasters per Segel klappte auch. Und dann wurde Baucis angehängt - und schwamm brav hinterher. Quod erat demonstrandum - was zu beweisen war.

FOTO: Fischer Armin

Die vermutlich im gesamten Rheingebiet eingesetzten Kleinboote waren nach dem Plattbodenschiff "Nehalennia" die zweite Schiffsart der Römer, die im APX nachgebaut wurde. Derzeit ist noch ein Großsegler im Bau, danach, so APX-Direktor Dr. Martin Müller, ist ein Kriegsschiff an der Reihe - mit 44 Ruderplätzen. Wie bei den bisherigen Projekten muss alles in Handarbeit erledigt werden. Allein an Philemon und Baucis wurde zusammen fünf Monate lang im für Besucher immer zugänglichen Werftzelt gearbeitet. Das soll auch in Zukunft so sein, zumal zu den Hauptakteuren Jugendliche mit Behinderung gehören, die in Langzeitpraktika traditionelles Holzhandwerk erlernen - mit einem Abschluss als Holzbearbeiter, wie Park-Chef Müller gestern hervorhob. Über die langfristig geplante Rekonstruktion der römischen Rheinflotte kann der Landschaftsverband Rheinland theoriereduzierte Ausbildungen für Jugendliche anbieten, die sonst auf dem Arbeitsmarkt keine Chance hätten.

Quelle: RP
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