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Xanten
Römerfest: Schwerter, Brot und Dauerregen

Römerfest im Archäologischen Park Xanten
Römerfest im Archäologischen Park Xanten FOTO: Armin Fischer
Xanten. Dem Wetter zum Trotz besuchten mehr als 17.500 Besucher das spannende Festival im Archäologischen Park: Geschichte zum Anfassen. Von Erwin Kohl

Das Wetter meinte es nicht besonders gut mit dem Veranstalter, dennoch kamen am Wochenende trotz Dauerregens über 17.5000 Besucher zu Europas größtem Römerfest "Schwerter, Brot und Spiele" in den Archäologischen Park. Mehr als 400 Händler und Handwerker, Gladiatoren und Legionäre bildeten das römische Leben ab. Kohorten aus Frankreich, Italien und Deutschland marschierten immer wieder im Gleichschritt durch den Park.

Einer von diesen in Vereinen organisierten "Römern" ist Hartmut Riedel, der mit seinen Freunden die vor 2000 Jahren in Bitburg stationierte 22. Legion darstellt. "Man muss schon ein bisschen verrückt sein, um sich in einer Rüstung gekleidet den ganzen Tag in den Regen zu stellen. Aber das Legionsleben mit seinen geselligen Abenden am Lagerfeuer macht mir einfach Spaß", erklärt der Hobby-Legionär. Getrunken wird dann Mulsum, ein römischer Gewürz-Wein aus eigener Herstellung. "Damals nutzten die Römer eine Fußbodenheizung, um den Gärprozess in Gang zu bringen. Das machen wir heute nicht, aber das Rezept ist noch das gleiche", erzählt Winzer Elmar Konrath.

Dr. Gabriele Theren moderierte die Reitvorführungen und servierte zwischendurch honigsüße Globolis. FOTO: Armin Fischer

Höhepunkte waren die zahlreichen Vorführungen auf den Freiflächen. Mehrfach täglich demonstrierten Militärgruppen römische Taktiken. Sie bildeten die Schildkröte oder rückten in unterschiedlichen Formationen vor. Ein Raunen ging durch das Publikum, wenn die Männer der 1. Römerkohorte Opladen ihre 960 Kilogramm schwere Balliste vorführte. Dabei handelt es sich um ein Torsionsgeschütz, mit dem in der Antike Steine mit einem Durchmesser von 60 Zentimetern bis zu 400 Meter weit geschleudert wurden. Das war natürlich an diesem Tag nicht möglich. Bowlingkugeln schossen durch die Luft und schlugen 60 Meter weiter unter dem Applaus des Publikums in den Rasen. Zudem boten die zahlreichen Handwerker und Händler einen Einblick in den römischen Alltag. Kristiane Kleinlein zum Beispiel zeigte, wie es damals in den Küchen zuging. "Es wurden sehr viele natürliche Zutaten wie Liebstöckel, Koriander oder Sellerie eingesetzt. Daraus mache ich einen schmackhaften Kräuterkäse", erzählt die Berlinerin, die das Rezept aus einem Kochbuch von Columella, einem römischen Bauern hat: Dass Landwirte in der Antike des Schreibens fähig waren, bestätigten Gerhard Preuß und Dr. Britta Hallmann-Preuß. Die Bad-Dürkheimer bieten Schulunterricht nach römischem Vorbild an. "Fast jedes römische Kind hat mindestens fünf Jahre lang lesen, schreiben und rechnen gelernt", so Preuß. Echte römische Waffen wie das Pilum oder die Hasta konnte man bei Robin Jansen aus Nimwegen "begreifen". Der Museumsdirektor hat die Exponate offen und jedem zugänglich auf den Tisch gelegt. Museumsbesucher bekommen einen besseren Zugang zur Archäologie, wenn die Ausstellungsstücke nicht hinter Glas liegen", so Jansen.

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Arbeiten wie in der Antike: Ein Metallhandwerker im Archäologischen Park. FOTO: Armin Fischer
Quelle: RP
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