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Xanten
Rotierende Düsen gegen Dreck unterm Kiel

Xanten: Rotierende Düsen gegen Dreck unterm Kiel
Umwelt- und Bodenschonend: Marco Adler und Thomas Biela demonstrierten die Schiffsreinigung unter Wasser an der "Seestern". FOTO: arfi
Xanten. Vorführeffekt: Ausgerechnet bei der Demonstration eines neuen Reinigungssystems patzte gestern im Hafen Vynen der Motor. Von Heinz Kühnen

"Angenommene Gesetzmäßigkeit, nach der bei der Vorführung . . . genau das nicht eintritt, was man zeigen will", definiert der Duden das für den Betroffenen eher peinliche Wort "Vorführeffekt". Das gilt zum Beispiel dann, wenn man demonstrieren will, wie ein Schiff von unten mit einer besonderen Methode gereinigt wird, was dem Eigner auch noch Kosten erspart. Wenn der Dieselmotor allerdings nicht mitspielt, wird's nichts mit der Demonstration.

So geschehen gestern Mittag im Hafen Vynen. Vor mehreren Bootsbesitzern und jeder Menge Pressevertretern streikte ausgerechnet der Antrieb des Geräts. Jedenfalls solange bis Nikolai Nachtigall, Kapitän des Nord- und Südseefahrgastschiffes "Seestern", mit einem Fremdstartkabel und Saft aus seinem Schiff nachhalf. Da konnten Thomas Biela und Marco Adler endlich abtauchen.

Letzterer ist Geschäftsführer des in Kalkar beheimateten Unternehmens All Clean. Die 260 Mitarbeiter, so erzählt seine Mutter, All-Clean-Gründerin Elke Adler, sind im Bereich der Gebäudereinigung tätig;, unter anderem mit einem Osmose-Reinigungsgerät, das mit entmineralisiertem Wasser arbeitet und bei Fassaden bis zu 20 Meter Höhe den Einsatz eines Steigers überflüssig macht. Unter den Mitarbeitern sind auch Desinfektoren. Und der Sohn ist zudem als Tatortreiniger tätig. "Nur immer Böden schrubben und Fensterputzen - da ist aber irgendwann eine Grenze erreicht", sagt Elke Adler. Also stelle sich immer die Frage: Was können wir noch putzen?" Antwort jetzt: Boote und Schiffe. Ohne Chemie und so schonend, dass der Schutzanstrich unter Wasser nicht beschädigt wird. Dafür setzt das Tauchergespann Adler /Biela ein Gerät mit rotierenden Wasserdüsen an, das sich mit leichtem Unterdruck selbst an die Bootshaut ansaugt und den Boden ohne jegliche Chemie materialschonend "absaugt". Bürsten, die ohnehin nicht in jede Ecke kommen, werden durch "Wasserpistolen" ersetzt, mit denen auch Schrauben gereinigt werden können. "Ein schlüssiges Konzept", findet Marco Adler, zumal Bootsbesitzer zwischen den "TÜV-Jahren" ihre Wasserfahrzeuge nicht aus dem Wasser holen müssen, um sie von Grünzeug und Dreck zu befreien. Das spart Geld - kranen und slippen geht je nach Bootsgröße richtig ins Geld - und fördert zudem die Einsicht. All Clean nutzt Unterwasserkameras, überträgt die Videos in HD live an Land, wo dann eventuelle Schwachstellen gesichtet werden können.

Zwischen sechs und zehn Stunden dauert so eine "Behandlung" - in jedem Gewässer. Vorausgesetzt halt, der Motor spielt mit. Nikolai Nachtigall jedenfalls half gern aus. Schließlich war es damit letztendlich ein gelungener Abschluss einer guten Saison. "Wir hatten richtig gutes Wetter, und in Xanten wird viel für den Tourismus getan. Das zahlt sich auch für uns aus."

Quelle: RP
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