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Xanten
Saatkrähen entdecken Xantens Innenstadt

Xanten: Saatkrähen entdecken Xantens Innenstadt
In den hohen Bäumen in Xantens Innenstadt - wie hier an der Klever Straße - nisten immer mehr Krähen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Mehr als 100 Paare brüten in den Bäumen zwischen der Bahnhofstraße und dem Nibelungenplatz. Naturschützer sprechen von einem hausgemachten Problem: Im Umkreis wurde zu oft die Säge angesetzt. Von Heinz Kühnen

Dorothee Müllers bewaffnet sich mit Wasser und Besen. Mehrfach am Tag muss sie raus auf die Klever Straße. Der Bereich vor ihrem Antiquariat ist übersät mit Kot. Kisten mit alten Büchern lassen sie und ihr Mann Wilhelm nur noch ungern zum Stöbern draußen stehen. Saatkrähen machen ihnen das Leben schwer. Ein Dutzend Nester haben die Singvögel ins Dach der benachbarten Blutbuche gebaut.

Die kommunikationsfreudigen Tiere sind nicht gerade leise, was auch den Unterricht bei geöffneten Fenstern am Berufskolleg Placidahaus erschwert - wegen der Kolonie auf der Vorderseite der Schule auf dem Domvorplatz. Kein Einzelfall: Von der Bahnhofstraße bis zum Nibelungenplatz reiht sich inzwischen ein "Krähenbaum" an den anderen. Am Europaplatz brüten die Rabenvögel gleich in 50 Nestern. Dorothee Müllers hat die Stadt um Hilfe gebeten und die örtlichen Politiker im Bürgerforum alarmiert. Der Erfolg ist zweifehlhaft.

FOTO: Fischer, Armin (arfi)

Xantens Problem ist hausgemacht. Sagen jedenfalls der Ornithologe des Naturschutzbundes, Peter Malzbender, und der Leiter der Biologischen Station Wesel, Johan Mooij. Dieser zählt gleich mehrere Sünden in den vergangenen Jahren auf: Da wurde die Säge an die Pappeln am Haus Lüttingen angesetzt. Auf dem alten APX-Parkplatz wurden Gehölze entfernt. Für die Deichsanierung zwischen Wardt und Vynen fielen ebenfalls Pappeln. Und an die Nordsee können die Tiere auch nicht ausweichen. "An der Umgehungsstraße wurde der Baumpflege sehr Genüge getan", sagt Mooij. Da sucht sich Corvus frugilegus eben ein neues Zuhause. Das finden die Vögel jetzt vornehmlich in der Stadt. "Denn hier können die Bäume wegen der Baumschutzsatzung hoch hinaus wachsen."

Solch ein Krähen-Problem gab es auch im benachbarten Büderich. Da wurden unter Aufsicht des niederländischen Verhaltensbiologen Dr. Diederik van Liere vor zwei Jahren sämtliche Nester von den Platanen am Marktplatz entnommen und in andere Bäume außerhalb des Dorfes in der Nähe der Rheinbrücke eingesetzt. Dort blieben die Krähen auch, meist aber in neu angelegten Nestern. Mooij führt den Umzug denn auch weniger auf die Nest-Aktion als vielmehr auf die "Vergrämung" zurück: In Büderich wurden die Platanen radikal zurückgeschnitten.

Dennoch: Ein Vorbild für Xanten? Mooij und Malzbender verweisen auf Helmut Czichy, Vorstandsmitglied für Planen, Bauen und Umwelt bei der Kreisverwaltung. Und der, als Xantener mit dem Problem höchstvertraut, wiederum auf das Artenschutzgesetz. Das gilt für die gut 2000 Brutpaare im Kreis Wesel ebenso wie für ihre engen Verwandten in Skandinavien, im Baltikum und in Russland, die in den Wintermonaten an den Rhein kommen, wenn die hiesigen Krähen in den Süden gezogen sind.

Das Büdericher Projekt sei nur mit artenschutzrechtlicher Ausnahmegenehmigung zustande gekommen, so Czichy. Und es könne nur die Ausnahme bleiben. "Wenn die Bäume in Xanten aus anderen Gründen ein wenig zurückgeschnitten werden müssten, könne man darüber reden. Aber das störe die Vögel nicht, die nach der Brutzeit (März bis Mai) ohnehin nicht mehr in ihren Bäumen bleiben, sondern aufs Land ziehen, wo sie Futter finden: Würmer, Schnecken, größere Insekten und - selten - kleine Vögel.

Quelle: RP
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