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Xanten
Saubermachen nach dem Schwelbrand

Xanten: Saubermachen nach dem Schwelbrand
Restauratorin Sandra Deus aus Solingen reinigt mit einem speziellen Schwamm Wände und Gewölbe. Die sind seit dem Schwelbrand vom 1. März mit Rußpartikeln überzogen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Am 1. März hat es in der Marienbaumer Kirche gebrannt. Entstanden ist ein Rußschaden. Jetzt wird der Innenraum von Restauratoren gesäubert. Die Arbeiten - teilweise in schwindelerregender Höhe - dauern wochenlang. Von Peter Kummer

Sandra Deus arbeitet in einer für viele Menschen schwindelerregenden Höhe. Vor allem, wenn man unter den Füßen nur ein Baugerüst fühlt, zwar standsicher, aber trotzdem wenig vertrauenserweckend. Doch damit hat die Solingerin keine Probleme. Hier ist sie in ihrem Element. Die Restauratorin arbeitet noch für einige Wochen in der Marienbaumer Kirche. Ihr Auftrag: Wände und Gewölbe von dem schmutzig-grauen Überzug aus feinsten Rußpartikeln zu befreien und Schäden wie Abplatzungen auszubessern.

Bei einem Brand am 1. März in der Kirche St. Mariä Himmelfahrt hatten sich die Teilchen in den kleinsten Ritzen festgesetzt - Folgen des vor sich hin schwelenden Plastikeimers. Selbst in fest verschlossene Reliquienbehälter war der Ruß eingedrungen. "Der Rußschaden ist das Schlimmste", urteilt Architekt und Aufgabenkoordinator Thomas Krail.

Seitdem ist die Kirche geschlossen. Nachdem die Gespräche mit der Versicherung abgeschlossen waren, konnte im Sommer mit den Arbeiten begonnen werden. Das Kirchenschiff ist zugestellt mit Baugerüsten, damit die Fachleute bis ganz nach oben in 15 Meter Höhe klettern können. Drei Wochen dauerte allein der Aufbau, 755 Quadratmeter Gehflächen wurden in mehreren Etagen errichtet. Der Boden, zuerst gereinigt, ist mit einem Maler-Vlies und darüber mit Holzplatten ausgelegt, damit er keinen Schaden nimmt. Chorgestühl, Hochaltar und Seitenaltäre sind völlig verkleidet. Die Orgelpfeifen wurden ausgebaut, gereinigt und ausgelagert. Sie werden erst nach dem Abschluss der Arbeiten wieder eingebaut, wenn kein weiterer Staub mehr entsteht.

Dann konnten sich die Restauratoren an die Arbeit machen. Jeder hat sein Spezialgebiet. So wie Sandra Deus eben für Wandmalerei sowie für Objekte aus Stein und Stuck. Mit einem speziellen Schwamm wischt sie über eine Fläche, sofort weicht das Grau dem ursprünglichen Creme. Etwa 250 bis 300 Quadratmeter Fläche liegen vor ihr, der komplette Raum. "Wir streichen nicht einfach die Wände, sondern wollen das gereinigte Bild zeigen", erläutert sie. Streichen wäre noch nicht einmal einfacher. Denn immer wieder geht das cremefarbene Uni der Wand in eine alte Malerei über. Die Konturen ließen sich schlecht nachziehen. "Es würde sich ein Bild wie bei einem Scherenschnitt ergeben", erläutert die Solingerin. Statt dessen arbeitet sie mit einem besonderen PU-Schwamm. Sandra Deus: "Er arbeitet wie ein Radiergummi. Eine trockene Reinigung. Das geht damit richtig gut."

Damit ist aber nur der erste Teil der Arbeit getan. Setz- oder Spannrisse muss sie mit Kalkmörtel verfüllen. Anschließend werden sie farblich angeglichen, damit später selbst ein geübtes Auge keinen Unterschied mehr erkennen kann. Manchmal wird sie auch bei einer Malerei die Farbe nachziehen müssen. Dann muss sie den richtigen Ton finden, Farben mischen, an einer Stelle ausprobieren, trocken fönen und gegebenenfalls die Mischung noch einmal nachjustieren. "Aber wir haben schon ein gutes Gefühl dafür", vertraut Deus ihrer Erfahrung. Sie werde nicht allzu viel Versuche zu benötigen, bis sie die richtige Dosierung herausgefunden hat.

Was letztendlich den Schwelbrand ausgelöst hat, ist nach wie vor ungeklärt. Es hätte die Kirche noch viel schlimmer treffen können. Kurz bevor eine Pilgergruppe zufällig den Brand entdeckte, hatte Schwester Ansa noch einmal alles kontrolliert und nichts Auffälliges bemerkt. Die Pilger alarmierten die nahegelegene Sparkasse, die wiederum die Feuerwehr rief. Doch als die eintraf, hatte ein zufällig anwesender Dachdecker den Brand schon gelöscht. Der materielle Schaden war immens. "Als wir durch das Haupttor reinkamen, konnte man vor lauter Rauchschaden nicht ans andere Ende der Kirche schauen", erinnert sich Verwaltungsreferent Tobias Faasen von der Propsteigemeinde.

Quelle: RP
 
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