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Xanten
Schalles' Vermächtnis an Altertumsverein

Xanten: Schalles' Vermächtnis an Altertumsverein
Vor dem Lüttinger Knaben im Foyer des Rathauses stellten (v. li.) Everhard Mingels, Werner van Hüth und Dr. Kerstin Kraus vom Vorstand des Niederrheinischen Altertumsvereins Xanten das neue Buch "...rasten von ihrem unstäten Wanderleben ..." vor. Autor ist der im Oktober verstorbene Dr. Hans-Joachim Schalles. FOTO: arfi
Xanten. Von der Museumsgeschichte zwischen 1877 und 1953 berichtet das Buch ". . . rasten von ihrem unstäten Wanderleben. . ." Von Peter Kummer

Für so manches historische Stück, das heute gut geschützt in einer modernen Museumsvitrine steht, ging die wechselhafte Geschichte auch nach dem Auffinden weiter. Immer wieder erhielt es einen anderen Ausstellungsort. Von dieser wirren Museumsgeschichte in den Jahrzehnten zwischen 1877 und 1953 berichtet die Jahresgabe des Niederrheinischen Altertumsvereins Xanten in einem reich bebilderten Buch ". . . rasten von ihrem unstäten Wanderleben. . .". Autor ist der im vergangenen Oktober verstorbene Dr. Hans-Joachim Schalles.

Ausgangspunkt für das Buch war seine Materialsuche für einen Vortrag über die Museumsgeschichte, den Schalles ab Frühjahr 2015 für den Verein vorbereitete und den er im Herbst des gleichen Jahres halten wollte. Der Zufall half mit, denn Schalles wurde im Internet auf Fotos über Bauten im Rheinland aufmerksam. Dabei stieß er auf Bilder, die die Skulptur des Betenden Knaben in einem Flur der Karthaus zeigen. "Die Frage nach dem Schicksal dieses bemerkenswerten Stücks, seiner Herkunft und seinem Verbleib führte dann recht schnell zu einer intensiven Beschäftigung mit den Anfängen und der weiteren Entwicklung der Xantener Museumsgeschichte", heißt es in seiner Einleitung. Das Ergebnis ist ein Gang durch 70 Jahre Museumsgeschichte der Stadt.

"In der Vorbereitung wurden seine Recherchen für das Referat so umfangreich, dass sich daraus zwangsläufig die Frage nach einer Buchausgabe stellte", berichtet jetzt der Vorsitzende Everhard Mingels. Doch die Veröffentlichung hat der Autor nicht mehr erleben können; er verstarb am 6. Oktober 2015 nach schwerer Krankheit. "Bis zuletzt hat er mit großer Leidenschaft an der Fertigstellung des Manuskripts gearbeitet und mit der ihm eigenen Akribie komplett vollendet", würdigt der Vorsitzende den Verstorbenen. Es sei ein Vermächtnis an den Niederrheinischen Altertumsverein und ein großes Geschenk.

Das Buch startet seine Reise durch die Jahrzehnte 1877 mit den Skulpturen zweier Jungen, als der Verein unmittelbar nach der Gründung zwei große Gipsabdrücke erwarb: der Xantener Knabe und der sogenannte Betende Knabe. Sie bildeten die Grundlage für den Fundus. "Zunächst im Schwerdt'schen Gartenhaus, ab 1883 im alten Rathaus am Markt untergebracht, lässt die Präsentation spätestens ab 1908 im Klever Tor einen hohen professionellen Standard erkennen", fasst Mingels zusammen.

Ein Kapitel ist dem heute verlorenen, nichtarchäologischen Sammlungsbestand gewidmet, ein anderes geht ausführlich auf die in den späten 20er Jahren aufgebrochenen Kontroversen um Ziele und Ausrichtung des Vereins ein. Dazu kamen Konflikte mit dem Kreis um die Unterbringung des Museums in der Karthaus. Die Nationalsozialisten verfügten den Umzug der Bestände ins alte Rathaus, es kam zu inhaltlichen Auseinandersetzungen zwischen der NS-Spitze und dem Verein. Die Studie schließt mit der Geschichte zur Evakuierung, Bergung und Rückführung der Restbestände, die den Zweiten Weltkrieg überdauert haben.

Die Forschungen zur Museumsgeschichte sind mit dem Buch nicht beendet. Im Gegenteil: Autor Schalles spricht von einigen Pinselstrichen, die er zur Stadtgeschichte hinzugefügt hat. "Nach wie vor bleibt allerdings manche Leerstelle." Diese zu füllen sei Aufgabe künftiger Forschungen.

Das Buch ". . . rasten von ihrem unstäten Wanderleben . . . - Zur Museumsgeschichte des Niederrheinischen Alterumsvereins 1877 - 1953" von Dr. Hans-Joachim Schalles umfasst 191 Seiten mit zahlreichen Abbildungen und kostet im Buchhandel 22 Euro.

Quelle: RP
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