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Mal So Gesehen
Schlaglochmelder - wie eine einfache Idee ins Ruckeln gerät

Xanten. Zwei Akteure, ein Gedanke: Die FDP will einen "Schlaglochmelder", die Verwaltung ein Beschwerdemanagement. Sie meinen dasselbe - nur anders.

Der von der FDP ins Gespräch gebrachte "Schlaglochmelder" hat im Rat für vernehmbares Ruckeln gesorgt. Sogar Bürgermeister Thomas Ahls geriet zwischenzeitlich ins Schleudern, wie er einräumte. Er verstand nur noch Bahnhof und stand nicht allein verwundert am Bahnsteig.

Dabei hätte alles ganz einfach sein können. Die um Bürgernähe bemühten Liberalen hatten im Dialog mit den Alpenern das Bedürfnis vernommen, Beschwerden - oder sanfter formuliert - Anregungen im Rathaus vortragen zu können, damit Abhilfe geschaffen wird. Den Wunsch hatte die FDP in einen Antrag gegossen. Der wiederum schärfte die Erinnerung im Rathaus. Da war doch was? Ahls kramte im Verwaltungsgedächtnis und holte den Gedanken zum Vorschein, ein "Vorschlags- und Beschwerdemanagement" zu etablieren. Der Versuch sei in der Umsetzung gescheitert und letztlich eingeschlafen. Nun also geriet die Schlagloch-Initiative der FDP zum Weckruf im Rathaus. Die Verwaltung erklärte den Antrag zum Leitmotiv und brachte die alte Idee in einer neuen Vorlage mit Beschlussvorschlag in den Rat ein.

Schon jetzt hätten Bürger die Möglichkeit, ihre Nöte und Sorgen über diverse Kanäle - persönlich, schriftlich, per E-Mail, über Facebook oder ein Kontaktformular auf der Gemeinde-Homepage - ins Rathaus zu tragen. Nur sei nicht sichergestellt, dass die Eingaben nicht in irgendwelchen Kanälen versickern.

Daher schlug die Verwaltung vor, im Rathaus eine Servicestelle zu schaffen, die Hinweise - auch auf Schlaglöcher - aus der Bürgerschaft annimmt, an die Fachabteilungen weiterreicht und darüber wacht, dass die Dinge tatsächlich und fristgerecht abgearbeitet werden. Management eben. Dabei soll eine Software helfen.

Diese Botschaft hörte die FDP wohl. Allein sie glaubte sich lieber selber. Fraktions-Vize Michael Weis hatte im Vorfeld recherchiert, Automobilverbände befragt und CDU-Räte in Ostdeutschland kontaktiert, die, wenn auch vergeblich, "Schlaglochmelder" auf den Weg bringen wollten. Der Verwaltungsvorschlag klassifizierte er bildlich als "Rettungsleitstelle". Dann sorgte er mit der komplexen Unterscheidung zwischen der Verwaltungslinie und seiner Idee eines "Kontaktformulars" für viele ratlose Gesichter. Keiner, so hatte es den Anschein, vermochte es, sich unter den Weis'schen Polen "Front...-" und "Back...-Irgendwas " etwas Konkretes vorzustellen. Grünen-Sprecher Peter Nienhaus dachte da lieber pragmatisch, brachte ältere Alpener ins Spiel, die nicht im Internet unterwegs seien. Das brachte ihm prompt einen Rüffel von links ein. Jörg Banemann (SPD) protestierte, Ältere seien im Netz häufig sehr flink und barrierefrei unterwegs.

Angelika Sura (CDU) unterdessen gefiel der Begriff Schlaglochmelder für das bürgerfreundliche Angebot nicht und favorisierte eine positiv besetzte Bezeichnung fürs Kontaktformular. Am Ende löste sich die Verwirrung. Die Verwaltung verankerte im Beschlussvorschlag eine Miturheberschaft der FDP. Da hatte die li(e)berale Seele Ruh'.

Die "Servicestelle für Ideen und Reklamationen" soll am 1. Januar ihre Arbeit aufnehmen. Auch, wenn's ein Sonntag ist. Abgearbeitet wird sie dann eben ab dem zweiten Tag des neuen Jahres. Keine Beschwerde.

BERNFRIED.PAUS@RHEINISCHE-POST.DE

Quelle: RP
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