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Xanten
Schon jetzt aufs Kino im Juli freuen

Xanten. Ein Höhepunkt im Programm des Duisburger Sommerkinos wird der Stummfilm-Klassiker "Safety Last" mit Harold Lloyd sein. Der bekannte Filmkomponist Carl Davis dirigiert selber die Duisburger Philharmoniker bei der Aufführung. Von Peter Klucken

Es ist noch lange hin bis zum Sommerkino 2016 im Landschaftspark Duisburg-Nord. Aber es gibt schon jetzt einen guten Grund, sich auf das Filmvergnügen an der frischen Luft zu freuen: Am 14., 15. und 16. Juli wird einer der berühmtesten Stummfilme der Filmgeschichte gezeigt. Zugleich ist die Aufführung ein aktuelles Filmkonzert. Auf dem Programm steht "Safety Last" mit Harold Lloyd in der Hauptrolle. Der 1923 gedrehte Film wird hierzulande unter dem Titel "Ausgerechnet Wolkenkratzer!" geführt.

Der Film selber hat zwar keine Tonspur, dafür wird er musikalisch aber live begleitet. Und diese Begleitung ist eine ganz besondere. Kein Geringerer als Carl Davis schrieb die Musik zu diesem Stummfilmklassiker. Und Carl Davis wird an den drei Juli-Tagen im Landschaftspark persönlich die Duisburger Philharmoniker bei der Begleitung von "Safety Last" dirigieren. Kai Gottlob, Geschäftsführer des Filmforums, das für das Programm des Sommerkinos verantwortlich ist, und Dr. Alfred Wendel, Intendant der Duisburger Philharmoniker, zeigten sich sichtlich stolz, diesen Höhepunkt in der mittlerweile 20-jährigen Geschichte des Sommerkinos ankündigen zu können.

Carl Davis, 1936 in New York geboren und seit 1961 Londoner, ist ein Altmeister der Filmmusik. Er schrieb die Musik zu 100 (!) Fernsehserien und erfuhr internationale Anerkennung für seine Nachvertonung von Stummfilmen. So konnte er 1979 einen großen Erfolg mit "Napoléon" von Abel Gance feiern. Für seine Filmmusik zu "Die Geliebte des französischen Leutnants" wurde er 1981 mit einem British Academy Film Award und einer Grammy-Nominierung ausgezeichnet. Anlässlich des 150. Jahrestages der Gründung des Royal Liverpool Philharmonic Orchestra, dessen Leiter Davis 1993 wurde, schrieb er zusammen mit Paul McCartney das "Liverpool Oratorio". Bei der Neukomposition des Soundtracks von "Safety Last" habe sich Carl Davis, so Kai Gottlob, von der populären Musik der 1920er Jahre inspirieren lassen.

Kai Gottlob ist selber ein Stummfilm-Experte und hat das Sommerkino seit 2009 mit der Aufführung von drei Chaplin-Klassikern, auch die musikalisch live begleitet, bereichert. Gottlob kann herrlich auch über Harold Lloyd (1893 bis 1971) erzählen. Lloyd gehört neben Charles Chaplin und Buster Keaton zu den drei größten Stummfilmstars überhaupt. Beim Pressegespräch erinnerte Gottlob an die "drei unvergänglichen Bilder der goldenen Zeit Hollywoods". Das sind: Chaplin, der einen Schuh isst, Keaton, der mit unbeweglichem Gesichtsausdruck auf einer Dampflok sitzt. Und eben Harold Lloyd, der am Zeiger einer riesigen Uhr in den oberen Stockwerken eines Wolkenkratzers baumelt.

Strohhut, Hornbrille, ein blasses Gesicht und stets ein wenig unbeholfen: das sind die Kennzeichen von Harold Lloyds typischer Rolle als jungenhafter Mann. Gottlob sagt es so: "Lloyd sah sich in der Personifikation des sympathisch Normalen - und das mochte jeder. Aber wenn es darauf ankam, war dieser biedere Jüngling eine vom Glück geküsste Sportskanone, die auch mal Hochhausfassaden erklomm."

In "Safety Last", Lloyds berühmtesten Film, will ein "Junge" aus einer Kleinstadt sein "Mädchen" heiraten. Da er für die Ehe Geld verdienen muss, zieht er in eine große Stadt, um dort sein Glück zu machen. Das ist nicht leicht. Der "Junge" findet nur als schlecht bezahlter, von Vorgesetzten drangsalierter Verkäufer eine Anstellung, doch gaukelt er seinem "Mädchen" eine Erfolgsstory vor und kauft ihr Geschenke, die ihn selber ein Monatsgehalt kosten.

Eine Werbekampagne des Kaufhauses, in dem er arbeitet, bringt den "Jungen" schließlich an den Zeiger der Wolkenkratzer-Uhr - dank geschickt gesponnenen Handlungsfäden von Drehbuchautor Hal Roach, der auch "Die kleinen Strolche" fürs Kino erfand. Die schwindelerregende Szene am Wolkenkratzer kennt jeder, aber vermutlich haben nur wenige den gesamten Film "Safety Last" (eine ironische Verdrehung der Mahnung safety first, Sicherheit geht vor) gesehen. Das dürfte sich an den drei Sommerabenden im Landschaftspark ändern. Kai Gottlob und Alfred Wendel rechnen mit ausverkauften Vorstellungen. Der Vorverkauf startet allerdings erst am 24. Juni.

Quelle: RP
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