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Xanten
Schüler auf Zeitreise: Flipper gebaut

Xanten: Schüler auf Zeitreise: Flipper gebaut
Die Schüler mit den Ergebnissen des zweijährigen Projekts. Die erste Akademie am Stiftsgymnasium ist jetzt beendet, das Projekt hingegen nicht. Im Folgekurs geht es daran, das Gerät weiter zu verbessern und für die Kugel weitere Hindernisse zu entwickeln und einzubauen. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Naturwissenschaftlicher Unterricht mal anders: Bei der Junior-Ingenieur-Akademie am Stiftsgymnasium haben Schüler zwei Jahre lang Flipper konstruiert und hergestellt. Dies soll helfen, sie für den Ingenieurberuf zu begeistern. Von Peter Kummer

Für die Schüler der Junior-Ingenieur-Akademie am Stiftsgymnasium war es so etwas wie eine Zeitreise in die Vergangenheit der Eltern. Flippern kannten sie zumeist nur noch vom Display eines Rechners, zum Beispiel als das Computerspiel "Pinball". Die Geräte selbst mit der flitzenden Kugel, den urigen Geräuschen und den blinkenden Lampen sind dagegen aus den meisten Kneipen verschwunden. Nun aber haben die jugendlichen Nachwuchsingenieure des Gymnasiums die Automaten, wenn auch im Kleinen, neu konstruiert und nachgebaut. Möglich wurde dies in Zusammenarbeit mit der Deutschen Telekom-Stiftung und dank der Unterstützung einiger Unternehmen in der Region. Ebenfalls mit beteiligt war die Universität Duisburg-Essen.

Französisch, Biologie, Erdkunde bilingual, Informatik oder eben die Akademie - diese Alternativen hatten vor zwei Jahren die damaligen Achtklässler als Wahlpflichtfach. Für die Akademie spendete die Deutsche Telekom Stiftung der Schule 10.000 Euro. Dieses Startgeld floss in die Anschaffung von Notebooks, aber auch in Exkursionen zu den Produktionsstätten der beteiligten Unternehmen. "Ziel ist es, junge Menschen für das Berufsbild des Ingenieurs und Wissenschaftlers zu interessieren", erläutert Leiter und Lehrer Ralf Bandusch, "ihnen Orientierung zu geben und den Übergang zur Hochschule zu erleichtern, aber auch die individuellen Kompetenzen zu fördern". Zwei Jahre lang lernten die Teilnehmer Konstruktion und Herstellung eines zunächst pneumatischen - also eines mit Druckluft betriebenen - Flippers kennen, der anschließend elektronisch aufgerüstet und gestaltet wurde. Der anschauliche Unterricht reichte von der Herstellung des dafür benötigten Materials über die Automatisierung bis zu Robotik, Elektronik und Oberflächenbehandlung. Zu den Partnern der Wirtschaft gehörten ArcelorMittal Duisburg, IMI Norgren, die BYK-Chemie sowie das Xantener Ingenieurbüro Pariser. An der Uni Duisburg/Essen erstellten die Schüler Gussformen, gossen Plaketten und schmiedeten Schürhaken, um ein Gefühl für die Stahlverarbeitung zu bekommen, denn Stahl ist ein wesentlicher Bestandteil des Geräterahmens.

Dort erhielt der Flipper auch sein elektronisches Rüstzeug mit Zählwerk, Sound und Licht. Auf diese Weise wurde der gesamte Produktionsprozess wie bei der Sendung mit der Maus dargestellt, sagt Physiklehrer Bandusch. Die erste Akademie am Stiftsgymnasium ist jetzt beendet, das Projekt hingegen nicht. Im Folgekurs geht es daran, die Flipper zu verbessern und für die Kugel weitere Hindernisse zu entwickeln und einzubauen. Interessenten unter den künftigen Achtklässlern gibt es viele, mehr, als Plätze zur Verfügung stehen, freut sich Schulleiter Franz-Josef Klaßen über die große Resonanz. Viele Anmeldungen liegen bereits vor, auch für die Jahre danach ist er zuversichtlich, dass das Projekt fortgesetzt wird. Für Wolfgang Brockerhoff, der seitens der Uni Duisburg das Projekt begleitet hat, ist die Akademie auch ein Baustein gegen den Fachkräftemangel. Man müsse kein Genie sein, um Ingenieur zu sein, wirbt er. Es sei ein toller Job und er hoffe, den einen oder anderen irgendwann an der Universität wiederzusehen.

Quelle: RP
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