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Xanten
Schützen wollen die Jugend gewinnen

Xanten: Schützen wollen die Jugend gewinnen
Das aktuelle "Kinderprinzenpaar" in Wardt sind Katharina Spättmann und Lucas Hußlein. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die St.-Willibrord-Bruderschaft stellt beim Schützenfest die Kinder in den Mittelpunkt. Der Weg zur eigenen Jugendabteilung ist schwierig. Von Erwin Kohl

Während ihre Altersgenossen einen Steinwurf entfernt in der Xantener Nordsee baden, erscheinen Katharina Spättmann und Lucas Hußlein festlich gekleidet zum Fototermin. Für das Kinderprinzenpaar ist das völlig normal, denn bei der St.-Willibrord-Bruderschaft Wardt genießt der Nachwuchs den gleichen Stellenwert wie der Schützenkönig. Er sitzt beim Krönungsball mit dem Thron am Königstisch, nimmt am Umzug teil und die Parade ab. "Das war für uns eine riesengroße Ehre", sagt Katharina Spättmann voller Stolz.

Wie ernst die Bruderschaft ihren Kinderprinzen nimmt, zeigt sich auch daran, dass am Elternhaus selbstverständlich gekränzt wird und der Juniorregent eine vom Verein bezahlte Prinzenplakette bekommt. "Wir möchten die Kinder an das Brauchtum heranführen und sie an unserem Schützenfest teilhaben lassen", erklärt Heinz-Josef Bühren. Für den ersten Brudermeister der Wardter Schützen sind das soziale Miteinander, die gegenseitige Achtung und das Gemeinschaftsgefühl weitere Gründe für Kinder und Jugendliche, sich dem Verein anzuschließen. Dies geschieht wie im Fall von Katharina Spättmann zumeist über eine Mitgliedschaft im Tambourcorps. Dass seiner Tochter die Querflöte alleine nicht reicht, ist Vater Christian schon lange klar: "Katharina ist ein Partybiest, sehr sozial eingestellt und engagiert, wenn es darum geht, Freundschaften zu pflegen. Eigentlich ist sie die ideale Prinzessin." Die Vermittlung sozialer Kompetenzen ist auch Prinzenvater Jesco Hußlein wichtig: "Das funktioniert bei uns im Dorf sehr gut. In den Städten wird meiner Meinung nach zu wenig unternommen, um den Gemeinschaftssinn zu fördern."

Die St.-Willibrord-Bruderschaft würde das gerne weiterhin machen, aber die demografische Entwicklung macht es den Wardtern schwer. Zwar bleibt die Zahl der Mitglieder, aktuell sind es 183, seit sieben Jahren auf einem konstanten Niveau, aber die Zukunft sieht alles andere als rosig aus. Das Dorf ist jetzt schon überaltert, und Neuankömmlinge haben oftmals das 50. Lebensjahr hinter sich. Das führt zwangsläufig zu erheblichen Nachwuchssorgen in der Bruderschaft. "Wir haben gerade mal 30 Kinder im relevanten Alter zwischen acht und 16 Jahren in Wardt, das sind drei bis vier pro Jahrgang. Da ist es schwer, eine Jugendabteilung aufzubauen", klagt Heinz-Josef Bühren. "Einzelne tun sich schwer einzutreten, in einer Clique ist es einfacher. Die haben die Kinder aber meistens dort, wo sie zur Schule gehen", ergänzt Geschäftsführerin Margret Willemsen. Bis eine Jugendabteilung aufgebaut ist, lädt der Tambourcorps der Bruderschaft alle Kinder und Jugendliche ein, am Zeltlager oder an Kinoabenden teilzunehmen.

"Es ist schwierig, mit ein paar Kindern etwas zu machen. Deshalb konzentrieren wir uns auf das Schützenfest und stellen die Kinder dort in den Mittelpunkt", so Bühren. Hoffnung macht dem Brudermeister der vor zwei Wochen zum König gekürte Leon Weber: "Er ist 21 Jahre alt, die Thronpaare sind zwischen 16 und 27 Jahre. Das ist unsere Zukunft."

Quelle: RP
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