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Xanten
Schwellenangst beim Kickern überwunden

Xanten: Schwellenangst beim Kickern überwunden
Louisa Venhoff vom Arbeitskreis Asyl der Pfadfinder hat das Turnier organisiert. Hier spielt sie zusammen mit dem Syrer Basel Alebrahim (vorne). FOTO: ARFI
Xanten. Das "Internationale Kickerturnier" der Pfadfinder stieß auf gute Resonanz. Flüchtlinge und Nichtflüchtlinge lernten sich kennen. Von Peter Gottschlich

"Drehen ist erlaubt." Diese Antwort gab Gerrit Schumacher, um dann zu ergänzen: "Ein Verbot ist doch gar nicht zu kontrollieren." Der 17-jährige Pfadfinder wurde immer wieder nach der Regel gefragt, die sonst bei jedem Kickerturnier gilt, diesmal aber außer Kraft gesetzt war. Schließlich waren die Tische im Xantener Förderzentrum umringt, das an der Johannes-Janssen-Straße nahe der Innenstadt liegt. Die sieben Pfadfinder, die das Turnier organisiert hatten, hatten andere Aufgaben, als Schiedsrichter zu spielen. Zum Beispiel hatten sie die 40 Spieler in Zweierteams einzuordnen, um sie dann nach einem Zufallsgenerator fünfmal gegeneinander kicken zu lassen. Davon war die gute Hälfte Flüchtlinge, die knappe Hälfte Nichtflüchtlinge.

"Ich hatte gehofft, dass so viele kommen", sagte Petra Becker. "Dass es wirklich so viele werden, hatte ich nicht gedacht. Es sind nicht nur Bewohner des früheren Förderzentrums, sondern auch andere. Schwellenängste wurden überwunden. Denn Asylbewerber sind oft gehemmt, vor die Tür zu gehen. Bei einem Kickerturnier bauen sich ganz normale Kontakte auf." Das Mitglied des Arbeitskreises Asyl Xanten hatte über ihren Sohn Moritz Becker miterlebt, wie die Pfadfinder das Kickerturnier organisiert hatten. Denn der 17-Jährige gehört dem Arbeitskreis Asyl der Pfadfinder an.

Dieser hatte sich beim Herbstlager gegründet, zu dem sich die Pfadfinder zwei Tage im Hafenacker in Labbeck getroffen hatten. Sieben Personen gehören dem Arbeitskreis an, wobei Louisa Venhoff die Sprecherin ist. Die 17-Jährige Gymnasiastin, die im Frühjahr ihr Abitur am Stiftsgymnasium ablegt, organisierte das Turnier federführend.

Drei standen schon im Förderzentrum. Einen bekamen die Pfadfinder geschenkt, einen lieh die Familie von Pfadfinder Gerrit Schumacher aus und einen besitzen die Pfadfinderin ihrem Pfadfinderturm. Mit Anhängern transportierten sie die Fußballtische zum Förderzentrum. "Leicht sind sie nicht", sagte Louisa Venhoff mit einem Schmunzeln. "So schwer aber auch wieder nicht."

Parallel zu den Tischen luden die Arbeitskreismitglieder die Flüchtlinge und Nicht-Flüchtlinge ein. "Wir haben Plakate gedruckt - in Deutsch und Englisch", berichtete Louisa Venhoff. So war beim Kickerturnier Englisch Amtssprache, neben Arabisch, da viele Xantener Flüchtlinge aus Syrien und dem Irak stammen. Außerdem hatten die Arbeitskreismitglieder Geschenke organisiert, beispielsweise drei Fußbälle oder mehrere Geschenkgutscheine. Dabei stand das Siegen nicht im Vordergrund, sondern der "zwanglose Austausch der Menschen" untereinander. Die Geschenke erhielten die Kicker, die sich beim Playoff durchgesetzt hatten, das sie nach den Vorrundenspielen im K.O.-System austrugen.

Quelle: RP
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