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Xanten
So kam das Wasser in Roms Städte

Xanten: So kam das Wasser in Roms Städte
Wie die Römer dicke Felsen in gleichmäßig dünne Scheiben schneiden konnten, ist in der Ausstellung "Wasser für Roms Städte" an diesem Modell zu erfahren: Mit einer Steinsäge, die per Wasserkraft angetrieben wurde. FOTO: Armin Fischer
Xanten. Die Kunst der Römer, qualitätsvolles Wasser über viele Kilometer in ihre großen und kleinen Siedlungen zu leiten, war bemerkenswert. Eine Ausstellung im Kellergeschoss des Xantener Römermuseums lässt die Besucher staunen. Von Heinz Kühnen

Als Meisterwerke der römischen Baukunst und des technischen Fortschritts werden Aquädukte bis heute von Laien wie Fachleuten gleichermaßen bezeichnet. Eine neue Sonderausstellung im Xantener Römermuseum gibt jetzt verblüffende Einblicke in die Welt der römischen Technik.

Kilometer lange Wasserleitungen mit Brücken von bis zu 50 Meter Höhe beeindrucken wegen der technischen Perfektion und Ästhetik auch noch nach zwei Jahrtausenden. Wie sie geplant und gebaut wurden und wozu die Römer Wasserkraft auch nutzten, zeigt die Ausstellung "Wasser für Roms Städte" mit 45 Exponaten und vielen Schautafeln im Keller des Museums im Archäologischen Park. Konzipiert wurde sie für das Thermenmuseum in Zülpich von Prof. Klaus Grewe, der jahrelang für den Landschaftsverband Rheinland als Vermessungsingenieur tätig war. "Ein absoluter Fachmann", so APX-Direktor Martin Müller. Die Xantener Archäologen Christoph Eger und Maike Sieler sowie die Pädagogin Marianne Hilke haben die Schau um die Versorgung der Colonia Ulpia Trajana mit dem Thema Wasser aus der Sonsbecker Schweiz erweitert.

Staunen ist angesagt schon angesichts der hohen planerischen Kunst der Römer. Sie schafften es, Wasser über riesige Brückenbauwerke zu leiten, die sie in mehreren Bauabschnitten errichteten und die schließlich bis ins Kleinste genau zusammengeführt wurden. Wie die Agrimensores, also die Feldvermesser es schafften, mit Gromen - vier jeweils im rechten Winkel angeordneten Loten an einem Lattengestell - genauesten Land zu vermessen, ist ebenso bemerkenswert wie die Tricks, zum Beispiel mit Gegenmessungen zu arbeiten. Das kann jeder Besucher der Ausstellung auch einmal selbst versuchen und sich damit auf die Spuren von Frontinus begeben. Der Mann, so Eger, habe ganze Werke über Architektur geschrieben und war auch in Xanten. Dort wurde ein Weihestein mit seinem Namen gefunden.

Beim Bau von Wasserleitungen wie der für Rom (100 Kilometer Länge), Karthago (130 Kilometer) oder Köln (95 Kilometer) ging es aber nicht nur darum, Täler zu überbrücken. Da galt es auch, Gefälle zu überwinden und die Leitungen so auszulegen, dass sie hohem Druck standhielten. Durchbohrte Felsen, unterirdisch verlegte, kinder- bis übermannshohe Schächte wurden zum Beispiel auch in der Eifel angelegt. Es gab Rohre aus Ton und Blei - verbunden mit Eisenmanschetten oder Mühlstein großen Steinen, die gleich mit Nut und Feder versehen waren. Wie die Römer selbst dicke Felsen in gleichmäßig dünne Scheiben schneiden konnten, ist in der Ausstellung am Modell zu erfahren: Mit einer Steinsäge, die per Wasserkraft angetrieben wurde.

Selbst aus der Not machten die Römer noch eine Tugend: Die Ablagerungen des hochkalkhaltigen Wassers aus der Eifel waren so hart, dass sie zum Bauen verwendet wurden - oder nach dem Schleifen als Marmorersatz. Sintersäulen sind zum Beispiel im Baldachin über dem Altar in Kloster Maria Laach und als Platten in der Canterbury-Kathedrale zu finden. Über allem aber stand die Versorgung mit einwandfreiem Trinkwasser über Jahrhunderte hinweg. Im römischen Köln, so Marianne Hilke, standen den Bewohnern täglich 20 Millionen Liter zur Verfügung - pro Kopf. Zehnmal mehr als den heutigen Kölnern.

Zu sehen bis 5. Juni. Geöffnet bis Ende Februar 10 bis 16, danach 9 bis 18 Uhr (es gibt Feiertagsregelungen). Eintritt 9 Euro (bis 18 Jahre frei). www.apx.lvr.de

Quelle: RP
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