| 00.00 Uhr

Xanten
Sofa-Plauderei aus dem Nähkästchen

Xanten. Marc Torke stellte "das Leben neben dem Beruf" in den Mittelpunkt der unterhaltsamen Gespräche mit seinen Gästen. Von Sabine Hannemann

"Talk auf dem Sofa" hieß es wieder im Xantener Weindepot. Das neue Unterhaltungsformat, initiiert von Tim Michalak und der Agentur AnnoKultour, lud zum zweiten Mal Gäste ein, mit Moderator und Radiomann Marc Torke zu plaudern. Nicht so sehr das Alltagsgeschäft von Lokalmatadoren wie Krimiautor Erwin Kohl oder RP-Redaktionsleiter Dirk Möwius stand im Mittelpunkt. "Der Rahmen ist eher privat und zeigt das andere Leben neben dem Beruf", kündigte Torke an.

Etwa bei dem 15-jährigen Zerdest Erkan. Der Xantener mit kurdischen Wurzeln bezauberte mit seinem Keyboard-Spiel. Das Instrument hatte er für 15 Euro auf dem Trödelmarkt erworben. Nicht nur seine Eltern, die sechs Geschwister und die Schulband beeindruckte er. "Ich kann keine Noten lesen, sondern spiele nach Gehör", erklärte Zerdest, der dran bleiben will. Er träumt davon, das Hobby zum Beruf zu machen. Erstmal will er "etwas Anständiges" machen: Abitur und dann eine Berufsausbildung.

Krimiautor und Journalist Erwin Kohl ist längst mitten im Leben angekommen und spielt in der oberen Liga der Krimiautoren: beim namhaften Verlag Bastei Lübbe, wo sein Niederrhein-Krimi "Verdammt lang tot" gerade erschienen ist. Der 55-Jährige arbeitete zunächst als Beamter bei der Post, jobbte zudem als Eisverkäufer, Taxifahrer, Wirt, Partnervermittler, Filmvorführer, Friedhofsgärtner - und powerte sich aus. "Ich habe Körpersignale nicht bemerkt", sagte er rückblickend. Auf die Arbeitsüberlastung reagierte der Körper: leichter Schlaganfall. Damals hatte er mit dem Schreiben begonnen, sich bei Verlagen gemeldet. 2003 erschien der erste Krimi. Heute nimmt er sich Auszeiten vom Schreibtisch. Für Schalke 04 schlägt sein Herz. Kontakt zu besten Freunden pflegt er, mit seiner Frau Tina kümmert er sich um die Enkeltochter. "Ich habe die Welt im Döschen. Jetzt ist für mich die schönste Zeit", sagt er.

Neugierig reagierte das Publikum auf den Xantener RP-Chef Dirk Möwius bei den Stichworten rosa Anzug, Karneval und Udo Jürgens. Möwius, der seinen Lebensmittelpunkt in Geldern hat, ist bekennender Kegler, Karnevalist, liebt als Senator der Moerser KG Humorica das bunte Sessionsleben, Moerser Nelkensamstagszug inklusive. Auch wenn er "kein Verkleidungsfan" ist, schlüpft er ab und an in ein rosafarbenes Outfit, packt die Luftgitarre ein und macht sich auf den Weg zu Schlagerstar Dieter Thomas Kuhn. Er ist zudem seit Jahrzehnten Udo-Jürgens-Fan, wie seine heute 84-jährige Mutter auch. "Bei den Konzerten haben wir unseren Spaß. Das ist gewachsene Tradition."

Die Rede kommt dann auf den geistig-behinderten Bruder Volker und die Lebenshilfe Moers, deren Vorsitzender ist. Was er von ihm gelernt habe, will Torke wissen. Möwius: "Unbefangenheit und den Umgang mit behinderten Menschen. Ich setze auf den gesunden Menschenverstand, obwohl ich auch Scheu nachvollziehen kann." Die Arbeit für den Verein mache ihm Spaß. Damit setzt er das Lebenswerk seines Vaters fort. "Weil wir mit einem guten Netzwerk vieles stemmen und was bewegen können. Ich erlebe Freude und Dankbarkeit."

Die Spenden des Abends bekam der Malteser-Hospizdienst Xanten-Sonsbeck für den Aufbau hospizlicher Betreuung für Kinder und Jugendliche. Im Frühjahr ist beim dritten Sofatalk Altbürgermeister Alfred Melters zu Gast.

Quelle: RP
Diskussion
Ihre Meinung zum Thema ist gefragt

Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung zu:

Xanten: Sofa-Plauderei aus dem Nähkästchen


Beachten Sie dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.