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Xanten
Sommermusik lockt mit Arien aus Meisterwerken

Xanten. Beim "Klassik Open Air" im Xantener Ostwallpark überzeugt ein junges Ensemble der Deutschen Philharmonie Bonn. Mit insgesamt etwa 400 Besuchern war das Konzert allerdings eher schlecht besucht. Von Ulrike Keusen

Das "Klassik Open Air" und der Himmel waren in guter Allianz verbunden. Das Wetter passte am ersten Wochenende der zweiten Auflage des Sommermusikfestivals im Ostwallpark in Xanten. Die Deutsche Philharmonie Bonn konnte - wie bereits im vergangenen Jahr - für dieses Event gewonnen werden. Ein noch junges Ensemble, das sich aus einer Benefizveranstaltung für die Opfer der Erdebenkatastrophe in Japan aus Profi- und Hobbymusikern zu einem professionellen Klangkörper entwickelt hat. Das Engagement ist so vielfältig wie das Repertoire, das durch eine sehr breite Fächerung viele Menschen erreicht.

Nachdem jeder seinen Platz gefunden hatte - der Weg zum Innenraum vor der Bühne schien etwas schwierig - bezog das Ensemble pünktlich die Bühne. Christian Lorenz, der auch schon internationale Orchester dirigiert hat, übernahm die musikalische Leitung. In sympathisch eloquenter und amüsanter Art moderierte er den Abend, nicht müde werdend, die Opern, aus denen die Arien stammen, kurz inhaltlich zu umschreiben. In Anlehnung an die Fußball-Europameisterschaft wählte Christian Lorenz Arien aus Meisterwerken, deren Komponisten berühmte Söhne verschiedener Länder in Europa sind.

Eindrucksvoller Auftakt war die Ouvertüre aus Verdis Nabucco. Im Laufe des Abends sollte es noch Möglichkeiten geben, das Orchester nicht nur als Begleitmedium zu erleben, sondern auch sein hochkarätiges Können zu entdecken. Ebenfalls hochkarätig die Solisten: Ibrahim Yesilay, Tenor, 1990 in Ankara geboren, sang unter anderem auch schon für die Deutsche Oper am Rhein. Samuel Hesselborn, Bariton, ebenfalls 1990 geboren, Oper Leipzig, und Marie Pierre Roy, Sopranistin: Sie alle haben mit Sicherheit noch eine große internationale Karriere vor sich. Die Künstler, deren Namen man sich merken sollte, sangen sich sehr schnell in die Herzen der Zuhörer mit ihren kraftvollen, klaren Stimmen, breitem Ausdruckspektrum und - absolut fehlerfrei.

Einige Zuhörer beklagten zunächst eine gewisse Dominanz der musikalischen Begleitung. Samuel Hesselborn mit seiner sehr kräftigen, faszinierenden Stimme entkräftete diesen Eindruck ein wenig. Geboten wurden gängige Arien aus Opern wie Mozarts Zauberflöte, Don Giovanni, Rossinis Barbier von Sevilla, Puccinis La Bohème, Stücke von Bizet, Massenet und Léhar. Andächtig lauschte das Auditorium und quittierte jedes Musikstück mit Beifall.

Mit einem kritischen Augenzwinkern bemerkte Lorenz nach der Pause, dass bei den Besucherzahlen noch Luft nach oben sei. Zu Recht: Mit etwa 400 Gästen war der Abend schlecht besucht. Allerdings sähe er auch keinen Anlass, "alles zu geben", und trug die Bitte vor, die Kleiderordnung der Musiker für ein gutes Gelingen lockern zu dürfen. Filmmusik aus den "Glorreichen Sieben" gab den Start zum zweiten Teil des Abends. Gegen den aufkommenden Wind, so Lorenz, habe er sich mit niederrheinischen Kieseln bewaffnet, um die Noten zu fixieren. Diese nähme er als Andenken mit.

Eigentlich schon zu schnell neigte sich die Gala dem Ende entgegen, und der Dank bestand in stehenden Ovationen eines begeisterten Publikums, das Zugaben einforderte. Dieser Bitte wurde gerne stattgegeben und, wie schon bei einer vorangegangenen Arie, sangen alle drei Solisten zusammen aus dem Land des Lächelns von Franz Lehar: "Dein ist mein ganzes Herz."

Quelle: RP
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