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Lokalsport
Alpener zieht's in die Alpen

Lokalsport: Alpener zieht's in die Alpen
Viktor Walter liebt die raue Bergwelt: Hier ist der 57-Jährige in den Walliser Alpen auf dem Weg zum Weisshorn. FOTO: Viktor Walter
Alpen. Viktor Walter ist mehrmals im Jahr in den Bergen unterwegs - zu Fuß oder mit dem Moutainbike. Der 57-jährige Nachwuchstrainer der LG Alpen plant, sich 2016 als Trailscout selbstständig zu machen. Von Stefanie Kremers

Die Berge sind die Heimat von Viktor Walter. Ob zu Fuß, auf dem Mountainbike, am Seil im Klettersteig oder unterwegs durchs ewige Eis - der 57-Jährige fühlt sich schon sein ganzes Leben im Hochland zuhause. Und ausgerechnet im Flachland in der Gemeinde Alpen hat sich Walter vor über 22 Jahren niedergelassen. Geboren ist er im Pamirgebirge. Dorthin wurden seine Eltern während des Zweiten Weltkrieges verschleppt. Studiert hat Walter in Riga und Köln.

Angekommen: Viktor Walter steht auf dem Monte Legnone. Im Hintergrund ist der Comer See zu sehen. FOTO: NN

Die Sehnsucht nach den unvergleichlichen Weiten der malerischen Landschaft in Österreich, der Schweiz, der oberitalienischen Seen, Südtirol und Brenta treibt den Familienvater jedes Jahr mehrmals in den Süden. Nun möchte er auch andere Menschen in die Regionen führen, die er so bewundert. Der Diplom-Sportwissenschaftler plant, sich als Trailscout selbstständig zu machen. Vom Niederrhein aus möchte er Touren in die Höhenlagen anbieten. Von der Mosel über Oberbayern bis zu den Alpen kennt Walter sich bestens aus und ist schon in vielen Gebieten gewandert, gefahren und geklettert. Bereits im nächsten Jahr soll es für die ersten "Flachländer" aus Alpen und Umgebung losgehen. Bis vor Kurzem war der ehemalige Controller noch im Gesundheits-Management tätig.

Nun werden seine Planungen von der Verwirklichung seines Lebenstraums immer konkreter. Von Mai bis Ende Oktober könne er sechs bis sieben Touren anbieten. Vom (Gesundheits-)Wandern, über Mountainbike-Touren, Radtouren und E-Bike-Touren ist sein Leistungsspektrum groß. Flexibel möchte Walter auf Anfragen von Interessenten reagieren können. Mit sechs bis acht Personen soll es im Kleinbus in den Süden losgehen. "Die Gruppen könnten dann anhand der Leistungsfähigkeit und der bisherigen Erfahrungen eingeteilt werden", erklärt der Alpinist, der bei der LG Alpen die Schüler und Jugendlichen trainiert.

Dutzende Touren hat Walter in seinem Leben bereits absolviert. Oftmals nur ausgestattet mit einem Rucksack, einer Karte und seinem eigenen Orientierungssinn. Dadurch hat er schon viele Wege entdeckt, die mitten in der unberührten Natur liegen. Von dieser abgeschieden Landschaft und dem unvergleichlichen Panorama schwärmt der Alpener, den die körperliche Anstrengung nichts ausmacht. Walter hat sich seine Kondition durch zahlreiche Bergläufe wie den am Zermatt, den Zugspitzlauf, den Ultra Skymarathon, beim WM-Skyrunning und durch zehn Marathons im Flachland hart erarbeitet. Zusammen mit einigen Freunden gründete er 1996 das Team vivAlpin. Jedes Jahr absolvierte die Gemeinschaft unter der Führung von Walter zunächst Wanderungen; später kamen schwierige Klettersteige auf 4000 Metern in den Dolomiten hinzu. Im Alleingang bestieg Walter bereits unter anderem Fünftausender im Pamirgebirge, den Weißkugel auf 3739 Meter in den Ötztaler Alpen, den Großvenediger (3662) und viele weitere.

Mit seinem Freund Peter Schwelm, einem ehemaligen Deutschen Meister über 4x400 Meter, ging Walter noch anspruchsvollere Herausforderungen an. Im Schneesturm erklommen die beiden über den Biancograt in über 4000 Metern den Piz Bernina sowie den Dom, den höchsten Schweizer Berg (4545 Hm).

In den vergangenen drei Jahren ist Walter für seine Verhältnisse ruhiger geworden. Trotzdem ist er im Sommer mindestens zwei Mal in den Bergen anzutreffen. Ein Meniskusschaden vor zwei Jahren zwang ihn zu einer fünfmonatigen Erholungspause. Aus dieser Zeit ging aus "vivAlpin" auch das Hike&Bike-Team hervor. Um die Kniebelastung beim Wandern in den Passagen bergab zu verringern, wurde der Schwerpunkt der Bergtouren aufs Mountainbike verlagert. Bei der diesjährigen 19. Tour ging es von Leutasch in Tirol durch das Gaistal auf die Hochfelder Alm. Im Anschluss machte man sich zu Fuß auf die Zugspitze. Auf dem Rad fuhr die Gruppe weiter auf die Rotmoosalm und in Karwendel, den nördlichen Kalkalpen, ging es hoch zu einigen Hütten an den Isarursprung.

Nur drei Monate zuvor hatte der Alpener im Juni in sechs Tagen alleine 569 Kilometer auf dem Rad zurückgelegt und dabei 15 Pass-Gipfel und 14.500 Höhenmeter erklommen. "Es war schon anstrengend, aber ich wollte es unbedingt mal versuchen, alleine durchzukommen und einige frühere Landschaftshöhepunkte genießen", sagt der ehrgeizige Sportler. Durch diese Tour war er der Erste, der es mit dem Mountainbike über den unwegsamen Passo de Grasso de Pilla (2635 Hm) geschafft hat. Seine Pläne fürs nächste Jahr sind wieder groß. Für seine Selbstständigkeit wird er bald die Ausbildung zum Mountainbike-Trailscout absolvieren. Seine eigenen Touren führen ihn 2016 rund um Livigno auf die Cima di Piazzi und Piz Paradisin.

Daneben plant Walter die 20. Tour mit dem Team vivAlpin. Nachdem die Gruppe bereits alle Wege der Oberitalienischen Seen befahren hat, nehmen sie sich 2016 die Trails von Lago di Idro, Ledro und Garda vor. "Wenn ich danach noch fit bin, können die Jungs mich auf dem Rückweg in Sexten rausschmeißen", sagt Walter mit einem Schmunzeln. Dort findet in Südtirol Mitte September der Drei-Zinnen-Lauf statt. Auf einer Strecke von 17,5 Kilometern und einem Höhenunterschied von 1350 Metern wird den Startern beim Alpinen Run einiges abverlangt. Viktor Walter ist nicht zu bremsen. Er liebt den Hochleistungssport im unbeschreiblichen Bergpanaroma. Denn dort ist und bleibt der Platz, der ihn immer wieder aufs Neue zum Staunen bringt.

Info: Wer Interesse an einer durch Viktor Walter geführten Tour hat, kann sich bei dem Alpener per E-Mail (viktor_walter@freenet.de) melden.

Quelle: RP
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