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Aufstieg des SV Millingen vor 50 Jahren

Lokalsport: Aufstieg des SV Millingen vor 50 Jahren
50 Jahre nach dem Aufstieg des SV Millingen schwelgen Friedhelm Berkels (links) und Hans-Gerd Bruns in schönen Erinnerungen. FOTO: DK
Millingen. Fußball-Historie: Die dramatischen Ereignisse auf der Zielgeraden der Saison 1966/67 in der 2. Kreisklasse bringen noch heute die Protagonisten von einst zusammen. Am Ende durfte der Verein aus Rheinberg den Aufstieg bejubeln. Von Detlef Kanthak

Früher war bestimmt nicht alles besser, dafür war es manchmal aber schon ein wenig länger. Wie zum Beispiel die Fußballsaison 1966/67 im Moerser Kreis, deren Ende sich vor einem halben Jahrhundert um Wochen nach hinten zog. Die Schuld daran musste damals der SV Millingen auf sich nehmen, dessen Mannschaft in der 2. Kreisklasse gar nicht daran dachte, auf den Aufstieg zu verzichten.

Deutschland war dank des "Wembley-Tores" ein knappes Jahr zuvor Vize-Weltmeister geworden, Eintracht Braunschweig durfte ein einziges Mal die Bundesliga-Meisterschaft feiern, und in der in den 60ern noch untersten Spielklasse des Kreises hatten die Millinger zu einem Husarenritt in der Liga angesetzt. In der Nordgruppe der damals dreigeteilten 2. Kreisklasse mit ihren 15 Mannschaften lagen die Millinger in den Wochen vor dem Jahreswechsel noch scheinbar aussichtslos in der Tabelle zurück. 1959 war der Verein aus der 1. Kreisklasse abgestiegen, vier Jahre später war die Rückkehr erst in letzter Minute gescheitert, und auch diesmal schien die Musik wieder auf anderen Plätzen zu spielen. Borussia Veen und der BSV Bönninghardt lieferten sich an der Spitze ein Kopf-an-Kopf-Rennen, während die Blau-Weißen aus Millingen sich im Oktober noch auf Tabellenplatz elf wieder fanden.

Dann aber startete der SVM so richtig durch. In der Rückrunde sollte das Team ungeschlagen bleiben, während die Konkurrenten an der Spitze immer nervöser wurden. Veen und der BSV patzten, und mit dem letzten Spiel der Meisterschaft hatten die Millinger den Rückstand fast aufgeholt. 14 Minuspunkte hatten sich angesammelt, die beiden Konkurrenten standen einen Zähler besser da, mussten allerdings im letzten Saisonspiel in Veen noch gegeneinander antreten. Der SVM überbrückte die Wartezeit auf seine Art. "Wir kamen damals gerade von einer Kegeltour ins Sauerland nach Hause als wir vom 0:0 zwischen Veen und Bönninghardt hörten", erinnert sich Friedhelm Berkels an die Nachricht, dass die Saison nun doch nicht beendet sei. Alle drei Mannschaften schlossen die Spielrunde punktgleich ab. Das Torverhältnis sprach zwar für Veen, war in Sachen Aufstieg aber nicht relevant. Stattdessen setzte Staffelleiter Obladen flugs eine Aufstiegsrunde an, die am 17. Juni 1967 mit der Partie des BSV in Millingen begann.

Knapp einen Monat zuvor hatten sich beide Mannschaften an gleicher Stelle beim 2:2 schon einmal gegenüber gestanden. Diesmal aber sollte es der SVM besser machen. Ein Eigentor sorgte für die Führung, ehe Mittelstürmer Ernst Otto zum 2:0 erhöhte. Dann wurde es noch mal spannend: Der BSV verkürzte, und erhielt wenige Minuten vor dem Abpfiff auch noch einen Handelfmeter zugesprochen. Der Ball aber landete neben dem Tor, der SVM hatte die erste Partie für sich entschieden.

In der zweiten Begegnung der Aufstiegsrunde hätte der BSV das Team aus Veen empfangen sollen, doch weil in Bönninghardt gerade das Schützenfest stattfand, änderte Obladen noch einmal die Termine - man war halt flexibel. Jetzt hieß es also Veen gegen Millingen. 900 Zuschauer bildeten auf den Tag genau vor 50 Jahren einen faszinierenden Rahmen, als Peter Kohl noch vor der Pause die Millinger Führung erzielte. Der starke Torhüter Walter Weyhofen bewahrte die Gäste mehrfach vor dem Ausgleich, ehe Bruno Behrens und Hans-Gerd Bruns das Ergebnis auf 3:0 für den SVM schraubten. Damit war die Entscheidung gefallen, und der Schlusspfiff ging fast unter im lauten Jubel des Millinger Anhangs. Ihre Aufstiegshelden kehrten im Triumphzug zurück - auf einem von einem Trecker gezogenen geschmückten Anhänger, sehr wohl aber im feinen Zwirn mit Anzug und Krawatte.

Für Hans-Gerd Bruns war die gute Harmonie im Team der Grund, warum vor 50 Jahren der Grundstein für weitere erfolgreiche Jahre des Vereins gelegt wurde. "Fast alle sind aus der Jugend des SVM hervorgegangen", erinnert sich der heute 73-Jährige an die Auswahl um ihren Spielertrainer Hermann Hückels. So etwas verbindet. "Die Mannschaft hat noch lange zusammen gespielt", fährt er fort. Und das auch noch sehr erfolgreich. Fast zwei Jahrzehnte gehörte der SVM nach dem Aufstieg zum festen Inventar der späteren Kreisliga A. Und so mancher, wie Friedhelm Berkels, der 1978 mit 35 Jahren aus der ersten Millinger Mannschaft ausschied, darf stolz verkünden, dass er nie abgestiegen sei.

Bruns und Berkels, die ebenso wie der spätere Vereinsvorsitzende Bruno Behrens oder der langjährige Platzwart Walter Weyhofen auch als Obmänner und Trainer von Nachwuchsmannschaften in Amt und Würden waren, zählen immer noch zu den sonntäglichen Stammgästen auf dem Platz und werfen eine Blick auf die heutige Millinger Generation in der Kreisliga A. "Mit der jetzigen Mannschaft kann man sehr zufrieden sein", loben sie Auftreten und Ergebnisse ihrer Nachfolger, die dabei sind, ihre Meriten zu erspielen.

Die Generation aus den 60ern hält ihre Erfolge gerne auch im großen Kreis wach. Alljährlich findet das "Veteranentreffen" mit Spielern auch aus den Clubs statt, gegen den sich der SVM vor einem halben Jahrhundert durchgesetzt hat. Im November treffen sich Bruns und Berkels wieder mit den früheren Kollegen aus Veen, Bönninghardt, Xanten, Menzelen oder Alpen. Da ist bereits heute garantiert, dass der dramatische Aufstieg des Sommers 1967 wieder ein großes Thema in der illustren Runde der Veteranen sein wird.

Quelle: RP
 
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