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Das Glück dürfte aufgebraucht sein

Lokalsport: Das Glück dürfte aufgebraucht sein
Trainer Gerd Wirtz und Kapitän Patrick Biegala vom TuS Xanten haben eine Berg- und Talfahrt mit der Mannschaft hinter sich. Sie verlassen den Fürstenberg nach einer denkwürdigen Spielzeit, die mit dem Klassenverbleib in letzter Minute endete. FOTO: armin Fischer
Xanten. Fußball-Kreisliga A: Der TuS Xanten blickt auf eine Nerven aufreibende Berg- und Talfahrt zurück. Der Klassenverbleib fordert seinen Tribut. Von Detlef Kanthak

Es gibt einige Daten, die in der Historie des TuS Xanten nicht ohne Bedeutung sind. Das erste Spiel nach der Fusion der damaligen Clubs Siegfried Xanten und DJK Xanten zum TuS, das unter Trainer Klaus Quinkert am 21. August 1966 in der Bezirksliga stattfand und bei Fichte Lintfort mit 1:3 verloren ging; die Partie am 15. August 1976, als am Fürstenberg das erste Spiel des Vereins in der Verbandsliga Niederrhein - damals die dritthöchste Spielklasse im deutschen Ligabetrieb - ausgetragen wurde, oder der 26. August 1978 als der Tag, an dem der TuS in der ersten Hauptrunde des DFB-Pokals Arminia Hannover mit 2:1 bezwungen hat.

Setzen wir getrost den 28. Mai 2017, den letzten Spieltag der abgelaufenen Saison, mit auf die Liste der denkwürdigen Begegnungen, als dem TuS der Klassenerhalt in der A-Liga gelang und ihm damit ein ganz düsteres Kapitel seiner Geschichte erspart geblieben ist. Es wäre nicht das erste gewesen, nur ein Jahr vorher musste ein zuvor mit viel Lorbeeren in die Bezirksliga aufgestiegener TuS gleich wieder absteigen. Mit Pauken und Trompeten, Knatsch hinter den Kulissen, dem unrühmlichen Abgang aus Teilen der Leitung und des spielenden Personals, abgeschlagen mit lediglich zehn Punkten, aber mit 138 Gegentoren, die auf den Schultern der wenigen verbliebenen Akteure lasteten.

Der Trainer hielt die Fahne hoch, obwohl er es leichter hätte haben können. Gerd Wirtz stellte sich der Herausforderung und ging die Saison in der Kreisliga A mit einer Handvoll verbliebener Spieler und vielen neuen Gesichtern an. Daraus eine schlagkräftige Formation zu schaffen, schien lange zum Scheitern verurteilt. Erst am 14. Spieltag gelang der erste Saisonsieg. Bis zum Jahreswechsel hat Wirtz die Mannschaft immerhin noch auf Schlagweite zur Konkurrenz halten können. Mit neuen Spielern in der Winterpause wollte der Trainer dafür sorgen, dass die Trikots nicht mehr bereitwillig auf die wenigen Akteure warten sondern mit Leistung im Konkurrenzkampf erworben werden sollten.

"Die Mannschaft war eigentlich gut aufgestellt", erinnert sich auch der damalige Mannschaftskapitän Patrick Biegala an den Beginn der Rückrunde und die ersten erfolgreichen Wochen, die den Glauben an den Klassenerhalt stärkten. Doch der schwand, je länger die Saison dauern sollte. Wirtz fand immer mehr freie Plätze in der Kabine - nicht nur aufgrund von Verletzungen oder Sperren. "Der ein oder andere ist gerade wegen der plötzlichen Konkurrenz im Team nicht mehr gekommen", so Biegala.

Das Winterhoch geriet zum Bumerang und endete im Frühjahrsfrust mit dem erneuten Absturz auf einen Abstiegsrang, von dem sich der TuS vermutlich nicht mehr hätte erholen können. Die nötige Schützenhilfe in letzter Minute kam aus Neukirchen, wo sich der SV aus der Liga verabschiedete und dem TuS somit doch noch eine letzte Chance eröffnete. Der griff mit dem 9:1 gegen Alpen auch beherzt zu, während der Mitkonkurrent GSV Moers in den letzten Saisonminuten noch strauchelte, in die Relegation musste und diese auch prompt nicht überstand.

Der Klassenverbleib forderte seinen Tribut. Gerd Wirtz musste gehen, das Angebot des Clubs, künftig als Sportlicher Leiter hinter die Kulissen zu treten, lehnte der Coach wenig überraschend ab. Nach vier Jahren fehlte ihm die Rückendeckung - jetzt wird Wirtz an neuer Arbeitsstätte, beim SV Hönnepel-Niedermörmter II, einmal mehr Aufbauarbeit leisten. Mit Sebastian Giltjes, der Wirtz als Co-Trainer begleitet, und dem nach Kalkar wechselnden Biegala gehen zwei weitere Spieler als Zeugen der Berg- und Talfahrt der vergangenen Jahre.

Trainer-Nachfolger Torsten Weist, der nach fünf Jahren in Sonsbeck und beim SV Millingen an den Fürstenberg zurückkehrt, fängt wieder bei Null an. Er muss die Chance auf einen Neubeginn nutzen, darf sich dabei aber nicht darauf verlassen, dass der TuS noch einmal vom Schicksal geküsst wird - das Glück dürfte mit dem 28. Mai 2017 aufgebraucht sein.

Quelle: RP
 
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