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Leichtathletik
"Doping ist eine absolute Frechheit"

Xanten. Jan Fitschen, Europameister von 2006, war zu Besuch in Kleve. Er stellte im Kolpinghaus sein Buch "Wunderläuferland Kenia" vor.

Kleve Jan Fitschen, Europameister über die 10.000 Meter 2006 in Göteborg, war zu Gast in Kleve. Anlässlich des zehnjährigen Bestehens von "Laufsport Bunert" stellte er im Kolpinghaus sein lesenswertes Buch "Wunderläuferland Kenia" vor. Im Vorfeld der Veranstaltung sprach der kürzlich zurückgetretene Leistungssportler über seine Karriere, sein Buch und sein Leben nach dem Laufen.

Herr Fitschen, Ihr EM-Sieg war damals eine große Überraschung. Erinnern Sie sich heute immer noch an diesen Wettkampf zurück?

Jan Fitschen Natürlich. Der Sieg damals in Göteborg hat mein ganzes Leben umgekrempelt. Ich werde auch heute noch darauf angesprochen.

Vor Ihrem furiosen Endspurt lagen Sie auf dem vierten Platz. Was schoss Ihnen durch den Kopf, als Sie sich plötzlich an der Spitze wiederfanden?

Fitschen Eigentlich bin ich ja Mittelstreckenläufer, und ich wusste, dass ich meinen guten Endspurt einsetzen kann, wenn ich dranbleibe. Als sich die Lücke zu den Führenden verkleinerte, habe ich meine Chance ergriffen. 50 Meter vor dem Ziel riss ich im Gefühl des möglichen Sieges kurz den Arm hoch, nahm ihn aber sofort wieder runter aus Sorge davor, dass vielleicht doch noch einer an mir vorbeilaufen könnte.

Gibt es heute nach neun Jahren noch Momente, in denen Sie den Sieg nicht ganz realisieren?

Fitschen Ganz kann ich es immer noch nicht glauben. Ich bin zwar häufiger Deutscher Meister geworden. Aber so ein Rennen an diesem Tag abzuliefern, war was Besonderes.

In wie weit wurden Sie vor dem Erfolg finanziell gefördert?

Fitschen Vor dem EM-Erfolg lebte ich von der Hand in den Mund. Als Deutscher Meister kommt man über die Runden. Ich bekam Unterstützung von meinen Eltern, meinem Heimatverein TV Wattenscheid und von meinem Sponsor Nike. Aber allein die Trainingslager vor der EM haben um die 3000 Euro gekostet.

Wie änderte sich das nach der Europameisterschaft?

Fitschen Nach der EM-Medaille übernahm der Verband die Kosten für die Trainingslager, worüber ich auch mehr als froh war. Wenn man ganz vorne mit dabei sein will, verbringt man ungefähr vier Monate im Jahr in Trainingslagern.

Die russchische Leichtathlik wird nach dem ARD-Bericht von Hajo Seppelt des Dopings beschuldigt, auch Kenia wird genannt. Wie gehen Sie mit dem Thema Doping um?

Fitschen Doping ist eine absolute Frechheit. Meiner Meinung nach gehört es viel härter bestraft, und die Kontrollen müssen effektiver sein. Doping ist ein weltweites Problem. Vermutlich ist es in Kenia viel einfacher herauszufinden, wer dopt und wer nicht. Während meiner aktiven Zeit konnte ich immer nur vermuten, wer sich mit Substanzen verbessert. Zu wissen, dass der Andere nicht besser ist, aber man nicht gewinnen kann, ist ein mieses Gefühl.

Über das "Wunderläuferland Kenia" haben sie jetzt ein Buch geschrieben. Wie kam Ihnen die Idee dazu?

Fitschen Angefangen hat es mit meiner ersten Trainingslager-Reise nach Kenia 2007. Ich habe immer wieder kleine Berichte auf meinen Blog hochgeladen. So richtig verfestigt hat sich der Gedanke, ein Buch zu schreiben, während meiner Verletzung 2013. Dann habe ich angefangen, Themen zu recherchieren, und bin mit einem Fotografen nach Kenia gereist.

Kann man Ihr Buch als Laufratgeber verstehen?

Fitschen Es ist kein Ratgeber, der jemanden einen Marathon unter drei Stunden laufen lässt. Es hat von allem so ein bisschen. Kochrezepte, Trainingstipps, aber auch kulturelle Aspekte. Eben alles, was die Kenianer zu "Wunderläufern" macht. Und es bringt einen zum Lachen.

NIKO NADIG FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
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