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Heinrich Gundlach
Ein Team soll zukünftig den Verein führen

Xanten. Der langjährige Vorsitzende des TuS Xanten und der DJK Xanten zieht sich nach und nach ins Privatleben zurück. Er reflektiert die Entwicklung des größten Sportvereins der Domstadt und wirft auch einen Blick in Richtung Zukunft.

Xanten Vor über einem halben Jahrhundert übernahm der heutige Vorsitzende des TuS Xanten, Heinrich Gundlach, erstmals ein Amt im Vorstand der DJK Xanten. Im kommenden Jahr will er sich aus der Vereinsleitung zurückziehen. Wir sprachen mit ihm über die abgelaufene Saison, über Entwicklungen im Vereinssport und wie sich der TuS Xanten für die Zukunft wappnen kann.

Herr Gundlach, am Mittwoch, 28. Juni, sind die Mitglieder des TuS Xanten zur Jahreshauptversammlung eingeladen. Welche Jahresbilanz für 2016 erwartet sie?

Heinrich Heinrich Gundlach: In einigen Abteilungen waren wir in der letzten Spielsaison sehr erfolgreich. Dazu gehören vor allen Dingen die Leichtathletik, aber auch der Rad- und Kampfsport. Weniger gut sieht die Bilanz beim Tischtennis aus. Die Damenmannschaft hat sich aufgelöst, weil die Sportlerinnen - alle über 50 Jahre - künftig nur noch als Seniorinnen spielen wollen. Dieses Team hat immerhin hochklassig in der NRW-Liga gespielt.

Es fehlt also am Unterbau? Es wachsen keine Spielerinnen nach?

Gundlach Das ist beim Tischtennis sehr schwierig. Warum das so ist, dafür habe ich keine Erklärung. Es gibt nun mal bestimmte Sportarten, wie Leichtathletik oder Turnen, die überwiegend Mädchen betreiben. Die Jungen spielen lieber Fuß- und Handball. Der Tischtennis-Verband geht schon dazu über, mit gemischten Teams spielen zu lassen, um die wenigen Mädchen an diese Sportart zu binden.

Sie sind seit 1980 Vorsitzender des TuS, im Vorstand des Vorgängervereins DJK seit 1961. Wollten Sie nicht den Stab weiterreichen?

Gundlach Ich werde noch ein Jahr dranhängen und den Übergang zu einer neuen Struktur mitgestalten, bis die neue Satzung in Kraft getreten ist. Nach ihr wird künftig ein Team die Geschicke des Vereins leiten. Vorher aber muss die Satzungsänderung von den Mitgliedern verabschiedet und anschließend im Vereinsregister aufgenommen werden. Darum kann sie erst im kommenden Jahr greifen.

Was verbirgt sich denn hinter dem Begriff Führungsteam?

Gundlach Seine Mitglieder kandidieren nicht mehr für bestimmte Positionen, sondern die Gewählten verteilen die Aufgaben unter sich. Die Ausnahme bildet der Sprecher; er muss für diese spezielle Aufgabe direkt gewählt werden.

Welchen Vorteil hat dieses Modell?

Gundlach Die Wahl eines Teams ohne genaue Zuordnung der Positionen ist mittlerweile eine Tendenz, für die sich viele Vereine entschieden haben. Die Vereinsführung ist in der Aufgabenverteilung flexibler. Ein Mitglied ist nicht strikt an eine Funktion gebunden, sondern kann kurzfristig andere Aufgaben übernehmen. Es handelt sich also um eine Rotation, ohne dass eine Neuwahl erforderlich wäre.

Sie haben also jetzt ein Jahr Zeit, um den Übergang zu gestalten und einen Nachfolger aufzubauen?

Gundlach Im Grunde genommen können die Mitglieder am 28. Juni schon, wenn auch inoffiziell, das Team zusammenrufen. Die Vorstandsmitglieder, die jetzt noch nach dem alten Verfahren gewählt werden, sollen auch einen Teil des künftigen Teams bilden, wenn die Mitglieder dies wollen.

Blicken wir zurück. Was hat sich in den Jahrzehnten Ihrer Vorstandstätigkeit geändert?

Gundlach Der TuS hat eine ganze Reihe neuer Abteilungen dazugekommen, Radsport, Badminton, Herzsport und Kampfsport zum Beispiel. Der Anteil der Frauen ist immer größer geworden. Das ist eine erfreuliche Entwicklung. 1966 bei der Fusion von Siegfried und DJK gab es nur zwölf Frauen unter den über 700 Mitgliedern. Heute sind beide Geschlechter etwa gleich vertreten.

Und was ist negativ?

Gundlach Die längerfristige Bereitschaft zur ehrenamtlichen Arbeit ist gesunken. Es fehlt vor allem die Generation der 25- bis 50-Jährigen. Aber ich muss sagen, dass wir unter den Jugendlichen wieder eine erhöhte Bereitschaft zur Mitarbeit feststellen. Dafür findet man mehr Bereitschaft für ein spontanes Engagement, wenn es zum Beispiel um die Hilfe bei einem Fest geht.

Wie kann sich der TuS für die Zukunft wappnen?

Gundlach Er muss sein Netzwerk weiter gestalten. Erstrebenswert ist der Ausbau der Kooperationen mit Schulen und Kindergärten. Zusätzlich muss er neue, richtungsweisende Tendenzen aufgreifen, ohne jedoch jedem neuen Trend hinterherzulaufen. Ich denke als Beispiel an unseren Fitnessraum. Er ist ein Riesenerfolg und hat uns die meisten Zuwächse an Mitgliedern beschert. Das war eine lohnenswerte Investition.

Ist er dann nicht zu klein dimensioniert?

Gundlach Wir hätten ihn gerne gleich von Beginn an etwas größer gebaut, aber an dieser Stelle war nicht ausreichend viel Platz vorhanden.

In Ihrem Rechenschaftsbericht sprechen Sie davon, dass Mannschaften nicht zustandekommen. Auch beim Fußball. Dieser Sport war doch einst der Renner.

Gundlach Früher reichten 15 Jugendliche für eine Mannschaft mit elf Spielern, heute benötigt man 25. Die Zuverlässigkeit unter den Jugendlichen hat nachgelassen. Sie setzen andere Prioritäten. Heute entschuldigt sich ein Jugendlicher, er könne nicht zum Spiel kommen, weil die Oma seiner Freundin Geburtstag hat. Da fällt mir der Kitt aus der Brille.

Als Vorsitzender eines Sportvereins beklagen Sie aber auch die Situation in der Schulpolitik.

Gundlach In den 50-ziger Jahren gab es bei der A-Jugend im Fußballkreis Moers über 100 Mannschaften. Heute sind wir froh, wenn wir circa 20 Teams haben. Knackpunkt ist das G8-Abitur. Auch im Handball kommt die A-Jugend nicht zustande, weil die Jugendlichen in dem Alter zum Studium weggezogen sind. Teilweise trifft dies sogar schon den letzten B-Jugend-Jahrgang. Das schwächt eine Mannschaft doch arg.

Und das Angebot ist größer geworden.

Gundlach Früher kannte man im wesentlichen Fußball. Badminton, Triathlon, Radsport oder Kampfsport waren weitgehend unbekannt. Zurzeit ist der Zulauf zu Badminton erheblich, ohne dass ich dafür eine Erklärung finde. Aber es gibt von jeher Wellentäler. Mal bevorzugen Kinder und Jugendliche Individualsportarten und manchmal den Mannschaftssport.

Sehen Sie denn Möglichkeiten, wie Mannschaftssport gefördert werden kann?

Gundlach Man kann aus verschiedenen Vereinen Spielgemeinschaften oder Jugendfördervereine bilden, wobei ich Letzteres für das bessere Konzept halte, denn hier können die Spieler Mitglied im Stammverein bleiben.

PETER KUMMER FÜHRTE DAS GESPRÄCH.

Quelle: RP
 
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