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Lokalsport
Fatih Sanverdi hat die Zuschauerrolle satt

Orsoy. Der Fußballer des SV Orsoy beginnt nach seiner schweren Knieverletzung jetzt mit Lauftraining. Von Detlef Kanthak

Wenn die Spieler des SV Orsoy in den vergangenen Monaten den Ball auf dem Rasen laufen ließen, dann blieb ein Stehplatz im Stadion am Gildenkamp immer öfter leer. "Ich habe es zuletzt nicht mehr ertragen, den Jungs nur zuzuschauen", sagt Fatih Sanverdi. Der 24-jährige Stürmer sollte auf dem Rasen eigentlich Tore schießen - seit einem Jahr allerdings muss er sich mit der Zuschauerrolle hinter der Barriere, direkt neben der Spielerbank der Grün-Weißen, begnügen. "Je länger die Zeit nun schon dauert, desto schwerer wird sie für mich", gesteht Sanverdi.

Wenn es so einfach wäre, der Angreifer würde 2015 am liebsten vergessen. Vor zwölf Monaten hatte sich Sanverdi entschieden, den SV Budberg zu verlassen und sich dem SVO anzuschließen. Kein Problem eigentlich, wenn die Vereine sich einigen. Die Rivalen aus Rheinberg aber fanden keinen Kompromiss, es muss um mehr als einige wenige Euro gegangen sein, die Budberg gerne gesehen und die Orsoy lieber gespart hätte. Also gab es für den Angreifer keine Spielgenehmigung, und Sanverdi musste seine Sperre bis in den Mai hinein wohl oder über ertragen. Training statt Meisterschaftseinsätze "Fatih hat sich nicht fallenlassen, sondern gekämpft, um auf den Punkt topfit zu sein", war Orsoys Trainer Frank Pomrehn vom damaligen Trainingseifer seines Angreifers beeindruckt. Der Coach hielt an Sanverdi fest, und setzte ihn, als die Sperrfrist endlich abgelaufen war, auch in den beiden letzten Saisonspielen ein.

"Ich bin mit sehr viel Motivation in die neue Spielzeit gegangen", erinnert sich Sanverdi an die Sommermonate. Und es lief auch wieder, selbst am 22. Juli, als der SVO sich in einem Vorbereitungsspiel mit dem SV Budberg II maß. Sanverdi nach all den Querelen an alter Wirkungsstätte - da war ein Hattrick in 15 Minuten doch eigentlich die beste Antwort. Aber ausgerechnet nach dem dritten Torerfolg schlug das Unglück gnadenlos zu. Als der Stürmer mit seinem Bein im Kunstrasen hängenblieb, schwoll das Knie schnell an. "Als es passiert ist, war es für einen Moment ein schrecklicher Schmerz", erinnert sich Sanverdi an den Sturz. Als die fällige Untersuchung im Krankenhaus eine Woche später endlich durchgeführt wurde, stand die niederschmetternde Diagnose fest: Kreuzbandriss im rechten Knie, Schäden am inneren und äußeren Meniskus, dazu noch Risse an den Außenbändern.

Als Auto wär's ein Totalschaden, für den Fußballer ging der Leidensweg nun durch Operationssäle weiter. Erst in Moers, wo im Knie "aufgeräumt" wurde, dann in Bochum, wo im September das Kreuzband ersetzt wurde. Drei Monate später glaubt Sanverdi, dass er das Schlimmste überstanden hat. "Unter Belastung merke ich zwar noch, wie das Knie arbeitet und pocht", sagt er. "Aber ich fühle mich gut, und auch die Reha hat mir dabei geholfen." Drei Monate lang musste der 24-Jährige täglich nach Dinslaken fahren, wo Elektrobehandlungen, Massagen und später, mit gezieltem Krafttraining, der Muskelaufbau im Bein auf dem Programm standen. Jetzt hat er die Erlaubnis, auf die er so lange warten musste. "Im neuen Jahr werde ich wieder joggen dürfen", freut er sich. Von Null auf hundert wird es nicht gehen: "Ich weiß, dass ich mich langsam wieder heranarbeiten muss", will Sanverdi auf sein Knie "hören".

Bis schnelle Bewegungen wieder möglich sein werden muss er sich noch in Geduld üben. "Es wird noch einige Monate dauern, bis ich wieder fit bin", sagt er. Aber dann? "Es ist mein größter Wunsch, in dieser Saison noch einmal auf dem Rasen zu stehen und dann mit dem SV Orsoy vielleicht sogar in die Bezirksliga aufzusteigen."

Ein Gedanke, der die Erinnerung an den trostlosen Stehplatz hinter der Barriere ganz schnell verblassen lässt.

Quelle: RP
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